Kaum hatten sie das Stadtgebiet erreicht, sahen sich die beiden Frauen aus dem vom Coronavirus stark betroffenen Kreis Gütersloh Beleidigungen ausgesetzt
Wegen GT-Kennzeichen bedroht? Mutter und Tochter aus Stukenbrock erleben Albtraum in Münster

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Ich werde den Kreis Gütersloh mit meinem Auto nicht mehr verlassen.“ Beate Bredenbals aus Schloß Holte-Stukenbrock hat am Samstag einen Albtraum erlebt, als sie ihre Tochter Leonie (20) zum Studienort nach Münster fuhr.

Sonntag, 28.06.2020, 13:56 Uhr aktualisiert: 28.06.2020, 14:26 Uhr
Symbolbild. Foto: David Inderlied/dpa
Symbolbild. Foto: David Inderlied/dpa

„Schon im Kreis Warendorf ging es damit los, dass uns insgesamt vier Fahrzeuge viel zu nahe kamen und mit der Lichthupe nötigten“, sagte Beate Bredenbals am Sonntag dem WESTFALEN-BLATT. In dem Moment sei ihr klar gewesen, dass sie ihr Auto auf keinen Fall in Münster parken, sondern ihre Tochter vor der relativ zentral gelegenen Wohnung nur schnell aussteigen lassen würde. Doch es sollte anders kommen.

„Vor Angst gezittert“

Kaum hatten sie das Münsteraner Stadtgebiet erreicht, sahen sich die beiden Frauen aus dem vom Coronavirus stark betroffenen Kreis Gütersloh massiven Beleidigungen ausgesetzt (in Schloß Holte-Stukenbrock hingegen waren zuletzt keine Infektionen bekannt). „Verpisst euch, ihr Dreckschlampen!“, riefen ihnen zwei Frauen Ende 20 aus einem anderen Pkw zu. „Wegen des schönen Wetters waren wir mit dem Cabrio unterwegs und dadurch natürlich besonders angreifbar. Meine anderen beiden Kinder hatten noch gesagt, dass wir besser den Sharan nehmen sollten“, so Beate Bredenbals. Doch damit nicht genug.

Kurz vor dem Ziel standen Mutter und Tochter im dichten Verkehr länger vor einer Ampel. „Da kam plötzlich ein Fahrradfahrer auf uns zu, baute sich vor uns auf und bedrohte uns. Leonie hat geschrien, und ich habe gehupt, aber niemand hat uns geholfen. Wir haben uns gefühlt wie bei einer Hetzjagd auf Leute aus dem Kreis Gütersloh und vor Angst gezittert.“ Nach Ankunft an der Wohnung rief die Mutter die Polizei. „Für mich stand fest, dass ich nur mit Polizeischutz aus Münster fahren würde. Die Beamten waren nach zwei Minuten da und hatten viel Verständnis für meine Angst. Sie geleiteten mich aus Münster raus.“

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Jetzt will Beate Bredenbals die beiden Frauen, die ihre Tochter und sie als „Dreckschlampen“ bezeichnet haben, wegen Beleidigung anzeigen. Das Autokennzeichen hat sie.

Kommentare

Markus  schrieb: 01.07.2020 17:04
Kein Zusammenhang erkennbar
Der Zusammenhang zwischen Autokennzeichen und dem Corona-Virus wird an keiner Stelle deutlich und bleibt einzig und allein eine Interpretation der mutmaßlich beleidigten Frau. Auftritte bei BILD und RTL machen die Aussagen nicht glaubwürdiger.
Angelika Saydo  schrieb: 29.06.2020 20:44
Oh Gott, wie primitiv
Krisen scheinen in der heutigen Zeit nicht das Beste sondern das Primitivste aus manchen Menschen hervorzuholen. Schade, gerade in so einer sehr ernsten Situation sollten Menschen (und ich betone Menschen) ihre besondere Menschlichkeit demonstrieren.
René  schrieb: 29.06.2020 15:48
Unmenschlich
So etwas entbehrt jeder Logik.
Zum einem bringt es nichts Menschen aus einem Kreis so zu stigmatisieren, nur weil man zwei Meter weiter in einem anderen Kreis wohnt ist man nicht automatisch sicherer.
Dem Virus ist völlig egal wo die Ländergrenzen verlaufen.

Es ist zusätzlich absolut dumm, Menschen wegen Ihrem Autokennzeichen so zu behandeln, da man nun seit einiger zeit, sein Kennzeichen beim ummelden des Fahrzeugs zu einem neuen Wohnsitz in einen andren Kreis nicht mehr ändern muss.

Ich könnte nacheinander in drei andere Kreise ziehen und ummelden, solange ich das gleiche Auto fahre, kann ich jedesmal mein Kennzeichen unverändert mitnehmen, und so behält es das Kürzel des Kreises der Erstanmeldung.

Leid tun mir auch alle die für Geschäfte im Kreis GT arbeiten und einen Firmenwagen haben und benutzen.
Selbst wenn man dann in Bielefeld wohnt, hat der Firmenwagen noch immer das Kennzeichen GT.

Völlig absurd dieser Schwachsinn.
Denis  schrieb: 29.06.2020 15:44
Unglaublich
Wenn ich sowas lese, steigt gleich mein Blutdruck, das geht ja gar nicht. Ich hoffe, dass es (sofern möglich) alle zur Rechnenschaft gezogen werden.

Hier kann man nur zur Zivilcourage aufrufen. Wer ein solches Verhalten mit bekommt, muß einschreiten. Die Täter vor Ort festhalten und die Polizei rufen!
Grothi67  schrieb: 29.06.2020 13:54
Unfassbar
Ich bin völlig fassungslos, wenn ich so etwas lese.
Ich selber komme nicht aus dem Kreis Gütersloh, sondern aus einem Nachbarkreis
Mein Mitgefühl gilt derzeit allen Güterslohern, die völlig unverschuldet in diese Situation gelangt sind. Es bleibt zu hoffen, dass sich hier alsbald wieder ein positiver Trend abzeichnet.
Perry Walczok  schrieb: 28.06.2020 19:43
Beleidigung und Bedrohung wegen Auto-Kennzeichen
Diese Frauen sollten auf jeden Fall wegen Beleidigung und Diskriminierung angezeigt werden.
Es wäre wichtig dass Ordnungshüter energischer gegen solche Angriffe eingreifen. Das Verhalten dieser Leute ist schon paranoid zu betrachten.
Hoppa1984  schrieb: 28.06.2020 19:25
komme selber aus dem Kreis Gütersloh
Ich finde es eine Sauerrei das die Menschen aus dem Kreis Gütersloh so behandelt werden. Die Menschen haben nix damit zu tun das es passiert ist. Ich finde es unmenschlich wie man mit den Menschen aus dem Kreis Gütersloh umgeht. Die Situation ist schon schlimm genug für die Menschen die im Kreis Gütersloh leben. Da müssen die Menschen die aus anderen Kreisen kommen nicht noch drauf herum hacken oder die Menschen beleidigen und auch nicht die PKWS die ein Gütersloher Kennzeichen haben beschädigen oder sogar in brannt setzen. Ich finde das sehr sehr unmenschlich. Ich verstehe da auch den Rechtstaat nicht warum müssen die Menschen aus Kreis Gütersloh so leiden und bestraft werden von den anderen Menschen.

Ich habe auch sorgen da ich aus Kreis Gütersloh komme aber in Schleswig-Holstein arbeite bin nur einmal im Monat im Kreis Gütersloh. Ich habe mein PKW in Sicherheit gebracht und laufe zu Fuß mittlerweile 5 Km zum nächsten Laden um einzukaufen und dann mit dem Einkauf wider zurück da ich mich nicht traue mit dem Auto einkaufen zu fahren.

Meine Meinung ist: Die Menschen sollten sich mal selber fragen was sie machen würden und sich so fühlen wie die Menschen im Kreis Gütersloh, wenn es in Ihrem Kreis passiert wäre. Und man sollte nicht die Menschen aus dem Kreis Gütersloh so verurteilen.
Es ist ech nur noch eine Sauerrei was man mit den Menschen aus GT macht.
Tina  schrieb: 28.06.2020 17:24
So etwas gehört sich nicht
So etwas ist eine Sauerei. Es kann jedem anderen Landkreis genauso ergehen. Und was haben diese zwei Frauen mit der Sache zu tun ? Nur weil Sie im falschen Kreis wohnen? Und der Radfahrer, ganz große Leistung, sich vor zwei Frauen aufzubauen. Immer dieses ewige gehetze.
8 Kommentare
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