Online-Petition: In der Stadt sind die Therapieerfolge von 400 Patienten gefährdet
Rheuma-Kranke machen die Welle

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Mit der Online-Petition „Mach die Welle für Menschen mit Rheuma“ setzt sich die Deutsche Rheuma-Liga bundesweit für die mehr als 200.000 Rheuma-Patienten ein, die seit Beginn der Corona-Pandemie Mitte März auf einen lebensnotwendigen Therapiebaustein verzichten müssen: das funktionsbezogene Bewegungstraining im Wasser oder in der Turnhalle. In Schloß Holte-Stukenbrock sind 350 bis 400 Patienten betroffen.

Donnerstag, 09.07.2020, 05:00 Uhr
Im Hallenbad, das bis Ende Januar 2021 wegen Umbau geschlossen ist, machen 14 Gruppen der Rheuma-Liga Wassergymnastik. Das Bad kann nicht genutzt werden, wegen des Coronavirus kann aber auch nicht auf andere Bäder ausgewichen werden. Foto: Rheuma-Liga
Im Hallenbad, das bis Ende Januar 2021 wegen Umbau geschlossen ist, machen 14 Gruppen der Rheuma-Liga Wassergymnastik. Das Bad kann nicht genutzt werden, wegen des Coronavirus kann aber auch nicht auf andere Bäder ausgewichen werden. Foto: Rheuma-Liga

„Bisher sind die Mitglieder einsichtig und diszipliniert und murren nicht. Ohne Trockenübungen in den Turnhallen und ohne Wassergymnastik sind Rückschläge in der Beweglichkeit und Gesundheit der Betroffenen zu befürchten“, sagt Annegret Jürgenliemke , Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Schloß Holte-Stukenbrock der Rheuma-Liga.

Hallenbad geschlossen

Seit Mitte März können die Gruppen weder in den Turnhallen noch im Hallenbad Gymnastik treiben. Das Hallenbad ist wegen Umbau bis vermutlich Ende Januar geschlossen. Das bedeutet, dass die 14 Gruppen, die die Rheuma-Liga dort betreibt, keine Anlaufstelle haben. Diese Verordnungen der Ärzte können auch nicht einfach auf Trockengymnastik umgeschrieben werden. „Auch die Gruppe, die sonst nach Bad Waldliesborn gefahren ist, hat darauf verzichtet. Um Abstände einzuhalten, hätte ein größerer Bus gechartert werden müssen. Die Kosten trägt die Krankenkasse aber nicht“, sagt Annegret Jürgenliemke. Die Teilnehmer fallen vom Alter her alle unter die Corona-Risikogruppe. Die drei Gruppen, die bisher im Warmbad des Krankenhauses Rosenhöhe zu Gast waren, können dort ebenfalls nicht hin. Krankenhäuser haben ihre eigenen Sicherheitsbestimmungen.

Annegret Jürgenliemke, Sprecherin der AG Schloß Holte-Stukenbrock, unterstützt die Online-Petition.

Annegret Jürgenliemke, Sprecherin der AG Schloß Holte-Stukenbrock, unterstützt die Online-Petition. Foto: Monika Schönfeld

Nach dem Lockdown könnten die vier Gruppen mit Trockenübungen in Turnhallen der Elbrachtschule, der Pollhansschule und der Katholischen Grundschule Stukenbrock wieder beginnen. „Das klingt einfacher als es ist. Wir müssen ein Hygienekonzept erstellen, das sowohl den Vorgaben der Stadt als auch denen der Rheuma-Liga gerecht wird“, sagt Annegret Jürgenliemke. Und das bedeutet, dass jede Gruppe einen Hygienebeauftragten braucht, der kontrolliert, dass Mund-Nasenschutz getragen wird, die Gruppen verkleinert, Einmalhandschuhe getragen und alles, was angefasst wird, auch desinfiziert wird. „Wir werden uns jetzt erst mal im Team treffen, um zu entscheiden, ob das in den Gruppen leistbar ist. Dann müssen wir in den Gruppen informieren und einen finden, der die Verantwortung übernimmt. Dann erst kann es losgehen.“ Es sei auch keine Alternative, mit Gruppen an die frische Luft zu gehen. „Das Wetter ist zu unbeständig. Und Nordic Walking können wir nicht anbieten, da die Verordnung dafür nicht passt.“

Kein Rettungsschirm

Die Deutsche Rheuma-Liga ist ehrenamtliche Anbieterin der ärztlich verordneten Kassenleistung Funktionstraining. Doch verursachen die durch die Covid-19-Pandemie nötigen Hygienemaßnahmen erhebliche Mehrkosten, dass die gemeinnützige Organisation ohne staatliche Unterstützung an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit getrieben wird. Unter einem „Rettungsschirm“ könne die Rhema-Liga auch nicht schlüpfen. „Die Krankenkassen als unser Vertragspartner sind bisher nicht bereit, die Vergütungssätze für die Mehraufwände beim Funktionstraining zu erhöhen. Sie berufen sich auf fehlende gesetzliche Regelungen. Mit unserer Petition fordern wir deshalb die Politik auf, hier schnell Abhilfe zu schaffen.“ Die Online-Petition soll Gesundheitsminister Jens Spahn und die Öffentlichkeit auf die Nöte der Rheuma-Patienten aufmerksam machen.

Zeitgleich läuft eine Socialmedia-Challenge mit dem Titel „Mach die Welle!“. Gruppen oder einzelne Betroffene können hier kleine Videos hochladen. Die Kampagne gibt es zu sehen auf www.instagram.com/Deutsche_Rheuma_Liga, https://www.instagram.com/mein_rheuma_wird_erwachsen oder lässt sich auf Facebook unter www.facebook.com/DeutscheRheumaLiga verfolgen.

Abstimmen kann man im Internet .

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