Ortsheimatpfleger für Schloß Holte, Sende und Liemke ist verärgert über den Umgang mit den Öfen aus der Holter Hütte
Günter Potthoff: „Es ist zum Verzweifeln“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Gegen eine Ofenausstellung im Internet hat Ortsheimatpfleger Günter Potthoff nichts einzuwenden. Allerdings ist er dagegen, dass die Sammlung aufgelöst wird oder gar Öfen verkauft werden. Die Sammlung gehöre – wenn schon nicht in ein Museum oder eine Ausstellung – in ein Magazin, wo nicht nur die Öfen gelagert und katalogisiert auffindbar sein müssten, sondern auch die Vielzahl an Dokumenten, Fotos und Kleinteilen. „Die Sammlung muss zusammen bleiben.“

Mittwoch, 15.07.2020, 05:00 Uhr
Günter Potthoff, Friedrich Dransfeld, Museumsleiter Dr. Gerhard Renda und Dr. Wilhelm Strathmann (von links) 2015 bei der Ausstellungseröffnung Holter Hütte im Historischen Museum Bielefeld. Die Ausstellung wurde stark beachtet. Foto: Bernhard Pierel
Günter Potthoff, Friedrich Dransfeld, Museumsleiter Dr. Gerhard Renda und Dr. Wilhelm Strathmann (von links) 2015 bei der Ausstellungseröffnung Holter Hütte im Historischen Museum Bielefeld. Die Ausstellung wurde stark beachtet. Foto: Bernhard Pierel

Indes erreichen Günter Potthoff Gerüchte, die Stadt wolle Öfen verkaufen, weil im zweiten Foyer des Rathauses kein Platz mehr ist. Viel sei schon in den Keller ausgelagert worden. „Man kann die Öfen nicht irgendwo unterbringen. Ich wünsche mir ein Depot. Denn vielleicht denkt die Nachwelt mal anders und will doch ein Industriemuseum einrichten.“

Die Bedeutung der Holter Hütte (1842 bis 1866) für die Industrie- und Sozialgeschichte ist unumstritten. Das Projekt des Fördervereins Industriemuseum war aber 2017 gescheitert, in der Alten Gießerei vor dem Schloss ein Museum einzurichten. Die Mehrheit im Rat war nicht bereit, das Museum mit ausreichend Geld und Engagement zu unterstützen.

Nur einzelne Stücke ausstellen

Dennoch ist sich die Stadt darüber im Klaren, dass die Öfen im zweiten Rathausfoyer nicht gut präsentiert werden. Im Juli 2019 hatten drei Projektbüros ihre Vorstellungen präsentiert, wie die Öfen und die dahinter steckende Geschichte erlebbar gemacht werden könnten. Von diesen Konzepten höre man nichts mehr, stattdessen ist alles in die Fraktionen verwiesen worden mit einem Verwaltungsvorschlag, das Feuer nur noch virtuell knistern zu lassen – also die Ausstellung ins Internet zu verlegen und nur noch Einzelstücke an exponierten Stellen zu zeigen wie etwa in der Eingangshalle des Rathauses, bei den Stadtwerken oder in den Heimathäusern. An verschiedenen Stellen könnten dazu QR-Codes auf die Präsentation im Internet hinweisen. Die Stadtverwaltung verspricht sich dadurch eine größere Reichweite vor allem auch in der jüngeren Generation.

Schon 2016 hat sich Bernhard Gebauer, der damalige Beigeordnete der Stadt, gegen Unterstellungen gewehrt, die Stadt wolle nichts tun, um das Erbe zu bewahren, . »Die Öfen waren schon immer das Anliegen der Stadt.« Gemeindedirektor Wilhelm Schlickum habe von 1970 an die Verantwortung gefühlt. »Wir haben Günter Potthoff dazu geholt, der uns fachlich beraten hat. Die Stadt hat immer Geld zur Verfügung gestellt, um Öfen sicherzustellen.«

Günter Potthoff hat eine Menge Lebenszeit in den Erhalt der Öfen, aber auch der Geschichte des Ortes investiert. „Ich bin Ortsheimatpfleger. Das hat mit Pflegen zu tun, damit, geschichtliche Dinge zu erhalten. Bei der Digitalisierung bleibt doch die Frage, wo die Gegenstände bleiben“, sagt Potthoff, auch stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Industriemuseum, der auch als Autor diverser Bücher über die Geschichte der Stadt zum historischen Gedächtnis beiträgt.

Bürgermeister forscht im Internet

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr hatte die Verantwortung, die Wilhelm Schlickum gefühlt hat, übernommen. Während Schlickum Günter Potthoff noch auf Antikmärkten suchen ließ, hat Hubert Erichlandwehr über Ebay geforscht. „Ich habe dem Kulturausschuss angeboten, mich um die Öfen zu kümmern“, sagt Potthoff, gelernter Schlosser. Sein Urgroßvater war der erste Arbeiter in der Holter Hütte, Großvater und Vater haben ebenfalls dort gearbeitet. Durch die Kontakte hat Potthoff viel erhalten – Dokumete, Fotos, Kataloge oder Augenzeugenberichte. Die alten Öfen waren meist in schlechtem Zustand. Die hat Potthoff abgeholt, sauber gemacht, auseinander genommen, bearbeitet und repariert und wieder zusammen gebaut.

„Anfangs hatte ich Platz. Jahr für Jahr ist etwas dazu gekommen. Ich habe Gruppen und Kindergärten durch die Ausstellung geführt, Raseneisenerz zum Anfassen besorgt und Schautafeln erstellt.“ Jetzt führt er nur noch auf Wunsch Einzelne oder kleine Gruppen. „Es ist zu eng und die Fotos und Dokumente, die dort in Kopie hängen, sind unansehnlich geworden.“

Von A bis Z vorhanden

Potthoff ist stolz darauf, dass die Stadt über die komplette Firmengeschichte der Holter Hütte von A bis Z verfüge. Die Hütte im Ersten Weltkrieg, in Krisen, der erste Streik 1911, der Zweite Weltkrieg mit den russischen Kriegsgefangenen. Es gibt Berichte wie von Jakob Lakämper („Mein Leben auf der Holter Eisenhütte“) und wissenschaftliche Abhandlungen wie die von Frank Konersmann („Sozialgeschichte der Arbeiter“). Es war einmalig, dass ein Hochofen vor einem Schloss gebaut worden war. Es ist der älteste Industriebetrieb zwischen Hamm und Hannover. Die Arbeiter, die dort beschäftigt waren, sind indirekt dafür verantwortlich, dass eine evangelische Schule und ein evangelischer Friedhof gegründet worden waren.

„Wir haben Material für eine richtig gute Ausstellung“, sagt Potthoff. „Das ständige Hin und Her ärgert mich. Es ist zum Verzweifeln. Mich hat nie einer gefragt, was ich davon halte und was man machen könnte“, sagt der 74-Jährige, der 2003 den Kulturpreis der Stadt für sein Engagement erhalten hat. „Jetzt wird die Sammlung stiefmütterlich behandelt.“

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