Digital ist nicht alles
Jugendarbeiter fangen den Frust auf

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). In den vergangenen 22 Wochen haben die Mitarbeiter der drei Jugendhäuser in der Stadt die „digitale Jugendarbeit“ erfunden. Die Arbeit während der beiden Lockdowns und der vorsichtigen Wiederaufnahme der Präsenzarbeit würdigte am Montag im Familien-, Demografie- und Integrationsausschuss Kreisjugendpflegerin Wencke Meiertoberens. Auch wenn die kreative Arbeit „schön“ sei, sei es nicht das, was Jugendarbeit leisten soll. „Jugendarbeit kann mehr.“

Dienstag, 18.08.2020, 19:00 Uhr
Die Ehrenamtlichen im Jugendheim Stukenbrock um den Leiter Jürgen Bredenbröker haben sich mit ausgefeiltem Hygienekonzept nach dem Lockdown geöffnet. Foto: Monika Schönfeld
Die Ehrenamtlichen im Jugendheim Stukenbrock um den Leiter Jürgen Bredenbröker haben sich mit ausgefeiltem Hygienekonzept nach dem Lockdown geöffnet. Foto: Monika Schönfeld

Dennoch sei es den Mitarbeitern des Jugendcafés St. Ursula, des Jugendheims Stukenbrock (beide in Trägerschaft der katholischen Kirche) und des Evangelischen Jugendhauses zu verdanken, dass Kindern und Jugendlichen erklärt wurde, dass durch das Coronavirus Beschränkungen gesetzt werden müssen. Trotz der Eingriffe in das gewohnte tägliche Leben müssten Kinder handlungsfähig bleiben und den übergeordneten Sinn erfassen. Nur so gingen sie nicht Verschwörungstheorien auf den Leim.

In Kontakt bleiben

Die Kreisjugendpflegerin hat die 22 Wochen in zwei Phasen unterteilt. „Anfangs ging es darum, in Kontakt zu bleiben, die Jugendlichen zu beraten und Spielchen gegen die Langeweile zu machen im virtuellen Raum. Das ist auch wichtig, damit sich die Jugendlichen vergewissern können, dass es Gleichaltrigen genauso geht. Das stärkt die Fähigkeit, die Situation zu bewältigen“, so Wencke Meiertoberens. In diese Zeit seien die Schulabschlüsse und Zeugnisse gefallen, die Enttäuschung, keine Abschlussparty feiern zu dürfen. Private und persönliche Interessen müssten wahrgenommen und akzeptiert werden. „Der Tenor ist: Wir sind nicht nur Schüler, wir sind Menschen.“

Ab Mitte Juli ging es los mit Phase 2, der behutsamen Öffnung mit einem Hygiene- und Infektionsschutzkonzept. „Jetzt haben wir das Nebeneinander von digitaler und physischer Jugendarbeit.“ Ziel bleibe, die Selbstbestimmung und Mitverantwortung zu fördern.

Bei schönem Wetter werde das Angebot in den Jugendhäusern nicht so gut angenommen. „Es ist einfacher, sich mit mehr Leuten im Park zu treffen als mit wenigen im Jugendheim mit den ganzen Auflagen“, sagt die Kreisjugendpflegerin. Und: „Die offene Kinder- und Jugendarbeit darf nicht in Vergessenheit geraten.“

Viel nach draußen verlegt

Auf Nachfrage von Philipp Ashton (Grüne) sagte Katharina Krowarsch, Leiterin des Jugendcafés St. Ursula, dass sie den Raum mit Plexiglas geteilt habe. „Wir haben viele Sechs- bis Zwölfjährige, die man immer wieder an die Hygieneregeln erinnern musste. Das ist anstrengend durchzuhalten.“ Es seien weniger Besucher gekommen. Deshalb sei viel nach draußen verlagert worden. „Jetzt wird es langsam wieder mehr. Aber es sind vor allem Stammbesucher.“ Auch die Leiter der anderen Jugendhäuser, Jürgen Bredenbröker (Jugendheim Stukenbrock) und Sabrina Abrams (Evangelisches Jugendhaus), waren im Ausschuss.

Wegen der Einschränkungen durch die Pandemie wird der Kinder- und Jugendförderplan für den Kreis Gütersloh um ein Jahr bis 2026 gestreckt. „Vielen Kommunen braucht man jetzt mit Ausbauplänen und finanziellem Engagement nicht zu kommen“, sagt Meiertoberens.

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