Nach dem Bau der Flüchtlingszeltstadt in Schloß Holte-Stukenbrock wäre fast alles im Straßenbau gelandet
Bodenaushub birgt historische Funde

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Ein halbes Jahr lang hat er im Dreck gewühlt. 1300 Erkennungsmarken von Kriegsgefangenen, einen Essnapf, einen Gasmaskenbehälter, den Hörer eines Feldfunkgeräts aus dem Zweiten Weltkrieg und mehr hat der Stukenbrock-Senner Ortsheimatpfleger Ludwig Teichmann gefunden und vergangene Woche Dr. Hauke-Hendrik Kutscher vom LWL-Museumsamt für Westfalen gezeigt. Der war überrascht und sprachlos. Die Funde stammen vom Gelände des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 Senne (1941 bis 1945), auf dem heute die Polizeischule arbeitet.

Samstag, 22.08.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 22.08.2020, 05:04 Uhr
Eine Auswahl der Fundstücke präsentieren Ortsheimatpfleger Ludwig Teichmann (links, mit einem Essnapf), Bauunternehmer Mathias Schlotmann (rechts, mit dem Hörer eines Feldfunkgeräts) und auf dem Radlader Jürgen Scheller. Foto: Monika Schönfeld
Eine Auswahl der Fundstücke präsentieren Ortsheimatpfleger Ludwig Teichmann (links, mit einem Essnapf), Bauunternehmer Mathias Schlotmann (rechts, mit dem Hörer eines Feldfunkgeräts) und auf dem Radlader Jürgen Scheller.

Es musste 2015 schnell gehen. Die Kanzlerin hatte gesagt: „Wir schaffen das!“ In sechs Wochen Bauzeit wurde damals ein 3000 Quadratmeter großes Brachgelände an der Polizeischule in Schloß Holte-Stukenbrock zur Zeltstadt für 1000 Flüchtlinge. Bauunternehmer Mathias Schlotmann aus Hövelhof und sein Team haben im Drei-Schicht-System 15.000 Kubikmeter Erde vom Gelände abgeräumt, das etwa so groß wie sechs Fußballfelder ist. Was in diesem Aushub war, hat damals nur einen interessiert: den Stukenbrock-Senner Ortsheimatpfleger Ludwig Teichmann.

Bodenfunde Kriegsgefangenenlager Stalag 326 Senne

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„Da muss was drin sein, lass’ mich mal gucken“, sagte Teichmann zu dem Bauunternehmer, der den Aushub auf dem Gelände der Sandgrube Weiser an der Autobahnabfahrt Stukenbrock-Senne lagerte, keine 500 Meter vom Gelände entfernt. Mathias Schlotmann, selbst Vorsitzender des Vereins „Sennekult“, kennt Ludwig Teichmann seit Jahrzehnten. Teichmann ist auch stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Schloß Holte-Stukenbrock, Schlotmann engagierter Förderer heimatlicher Belange im Kreis Paderborn. Schlotmann gab Teichmann die Erlaubnis zu sieben und zu suchen. „Das hätte ich nicht gemacht, wenn ich Ludwig nicht gekannt hätte.“

Statt also die Berge von Aushub im Straßenbau zu verfüllen, blieb das Material erst mal an der Sandgrube. Radlader-Fahrer Jürgen Scheller, der selbst ein Faible für Historisches hat, kippte Teichmann immer mal wieder sechs Tonnen aus seiner Schaufel vor die Füße. Damit war der dann erst mal beschäftigt. „Der Aushub war einmal durch die mobile Siebanlage gegangen. Da fiel aber der Essnapf zum Beispiel durch“, sagt Teichmann. „Watt ‘ne Maloche“, staunte Scheller über die Hartnäckigkeit des „Schatzsuchers“.

Die Funde haben alle überrascht, den Ortsheimatpfleger, den Bauunternehmer und das Museumsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Der Landschaftsverband hat bei der Entwicklung der Gedenkstätte Stalag 326 Senne den Hut auf. Eine Machbarkeitsstudie ist fertig, die Investitionen von 60 Millionen Euro, 200.000 Besucher jährlich und Betriebskosten von mehr als fünf Millionen Euro jährlich vorsieht.

„Mathias Schlotmann hat die Fundstücke dem Heimat- und Verkehrsverein übereignet – mit der Maßgabe, sie in der Gedenkstätte für die Nachwelt zu erhalten“, sagt Teichmann. Er betont, dass an der Sandgrube jetzt nichts mehr zu holen ist. Nicht, dass „Schatzsucher“ auf irgendwelche schrägen Ideen kommen.

Viel Material für Historiker

Die Fundstücke lassen Historiker Rückschlüsse ziehen. Von den 1300 Erkennungsmarken tragen nur etwa 25 bis 30 Prozent Nummern. „Einige konnten schon namentlich Kriegsgefangenen zugeordnet werden“, sagt der Ortsheimatpfleger. Die anderen Marken seien noch nicht vergeben gewesen. Auch Münzgeld hat Teichmann gefunden: fünf Reichsmark, 50 Reichspfennige, russische Kopeken, einen Rentenpfennig des Deutschen Reiches, eine Sammelsparmarke. Und Bügelflaschenverschlüsse aus Porzellan mit dem Aufdruck Paul Tönsmann Brackwede sowie Dinge, die noch früher datiert sind wie die Rabattmarke von 1900 (Paul Schulz Soest) und eine Fahnenspitze von 1914, die eventuell dem alten Schützenverein in Stukenbrock-Senne zuzuordnen sein könnte.

„Ich bin keinen Tag mit leeren Händen nach Hause gegangen.“ Löffel und anderes Essbesteck, ein Thermometer, Stacheldraht, Gürtelschnallen, Munitionshülsen hat er gefunden, aber auch kleine Medizinfläschchen. „Wir vermuten, dass darin Zyankali war.“

Berührender Fund zweier Eheringe

Am meisten berührt habe Teichmann der Fund zweier Eheringe. „Da wird einem ein bisschen komisch. Man kann sich vorstellen, wie die Frauen zu Hause um ihre Männer gebangt haben.“

Der erstaunlichste Fund ist aber eine Cola-Flasche, mit der Jahreszahl 1945 versehen. Sie ist völlig unversehrt. „Der Aushub wurde ausgebaggert, mit dem Trecker abgefahren, abgekippt, mit der Raupe auf einen Haufen geschoben, aufgenommen, durch die Trommelsiebanlage geschickt und ausgesiebt – und trotzdem ist die Flasche noch völlig heile“, sagt Schlotmann. Die Flasche stammt höchstwahrscheinlich von den amerikanischen Soldaten, die das Kriegsgefangenenlager Stalag 326 am 2. April 1945 befreit haben.

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