Nationalpark: Anton Hofreiter und Mona Neubaur bei Grünen zu Gast
Wahl gilt als Gradmesser

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Am Ende posierte Landwirt Franz-Josef Biermeier mit der NRW-Landesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Mona Neubaur, und dem Vorsitzenden der grünen Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, mit dem Protestschild gegen das Industriegebiet Stukenbrock-Senne. „Wir suchen das Gespräch mit den Landwirten, um Vorbehalte auszuräumen“, sagt Patrick Schweinforth am Rande des Besuchs der grünen Polit-Prominenz am Donnerstag im Furlbachtal. „Wir haben gemeinsame Werte und Ziele.“

Donnerstag, 27.08.2020, 18:39 Uhr aktualisiert: 27.08.2020, 18:42 Uhr
Patrick Schweinforth fotografiert die Grünen-Prominenz, die Vorsitzende der Grünen in NRW, Mona Neubaur, und den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, mit dem Bürgermeisterkandidaten der Grünen, Philipp Ashton. Foto: Monika Schönfeld
Patrick Schweinforth fotografiert die Grünen-Prominenz, die Vorsitzende der Grünen in NRW, Mona Neubaur, und den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, mit dem Bürgermeisterkandidaten der Grünen, Philipp Ashton. Foto: Monika Schönfeld
Mona Neubaur und Anton Hofreiter machen Selfis fürs Parteialbum.

Mona Neubaur und Anton Hofreiter machen Selfis fürs Parteialbum. Foto: Monika Schönfeld

Anton Hofreiter wird offenbar auch von anderen Landwirten als Instanz gesehen. Keinerlei kritische Äußerungen kamen von Peter und Florian Aschof, Johannes Broeker oder Christoph Rieksneuwöhner. Vielmehr wollte Johannes Broeker beispielsweise wissen, wie er seinen Wald aufforsten soll, nachdem die Fichten abgestorben sind. „Lass’ ich die Natur gewähren oder greife ich ein?“ Hofreiter, promovierter Biologe, gibt Tipps, verweist aber darauf, dass das örtliche Klima und der Boden ausschlaggebend sei für das, was man tue. Broeker sagte mit Blick auf die Jahreszahl an seinem Deelentor, dass die Familie seit mehr als 250 Jahren nachhaltig wirtschafte. Das Beweidungsprojekt in der Wistinghauser Senne mit eingezäuntem Wald kommt ihm befremdlich vor. „Da macht man sich so seine Gedanken.“ Kollege Christoph Rieksneuwöhner sagt, es gelte in der Senne die Heideflächen zu erhalten. „Mit Prozessschutz ist die Artenvielfalt weg.“ Wenn das Gebiet sich selbst überlassen werde, verwaldet der Kulturraum Senne. „Der Streit ist nur politisch, nicht fachlich. Ziel ist es, die Heideflächen zu erhalten. Ob Nationalpark darauf steht, ist letztlich nur ein Label.“

Ortsheimatpfleger Ludwig Teichmann (rechts) erklärt Anton Hofreiter, Philipp Ashton und Mona Neubaur (von links), dass der Truppenübungsplatz 20 Meter weiter beginnt.

Ortsheimatpfleger Ludwig Teichmann (rechts) erklärt Anton Hofreiter, Philipp Ashton und Mona Neubaur (von links), dass der Truppenübungsplatz 20 Meter weiter beginnt. Foto: Monika Schönfeld

Reinhard Tölke, der als Mitglied der Grünen und als Kind der Senne die Diskussion um FFH und Nationalpark von Anfang an kennt, konnte Norbert Essers Befürchtung zerstreuen, dass alles kaputt geht, wenn das Militär weg und kein Nationalpark ausgewiesen sei. „ Truppenübungsplatz und Furlbachtal sind FFH-Gebiet. Hier wird es weder Wohnbebauung noch Industriegebiet geben, auch wenn das auf Dauer nicht auszuschließen ist.“

Norika Creuzmann, Landratskandidatin der Grünen für den Kreis Paderborn aus Bad Lippspringe, meint, man müsse „verdammt aufpassen“, dass nicht Anrainergemeinden und Adelige mit Ansprüchen kommen. „Wenn ich Landrätin werde, dann gibt’s für den Nationalpark einen positiven Kreistagsbeschluss.“

Etwa 30 Interessierte lockt die grüne Prominenz ins Furlbachtal, darunter auch mehrere Landwirte aus der Stadt.

Etwa 30 Interessierte lockt die grüne Prominenz ins Furlbachtal, darunter auch mehrere Landwirte aus der Stadt. Foto: Monika Schönfeld

Anton Hofreiter berichtet, wie es beim Nationalpark Schwarzwald gelaufen sei. Auch dort gab es heftige Diskussionen bis hin zu Morddrohungen und zerstochenen Autoreifen. „Die Bürgerbeteiligung ist entscheidend. Allen wird zugehört, nicht jeder wird erhört.“ Der Klassiker jeder Nationalpark-Diskussion: „Wenn’s läuft, sind alle dafür. Ein Nationalpark ist eine große Chance in ökonomischer Hinsicht – Tourismus und Naherholung bringen Geld in die Region, die Artenvielfalt wird gesichert.“ Mona Neubaur sagt, seit dem Shutdown im März haben die Bürger die Natur wiederentdeckt als Schutzraum, der dem Geist und den Sinnen guttue.

Die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW hat den Nationalpark Senne aus dem Landesentwicklungsplan gestrichen . „Aber das muss ja nicht immer so bleiben. Erst mal entscheidet der Bürger bei der Wahl. Er bestimmt, wie lang der Hebel ist, den die Parteien erhalten, um ihre Ziele durchzusetzen“, sagt Hofreiter.

Mit dem Protestscild gegen den Gewerbepark senen: (von links) Anton Hofreiter, Mona Neubar und Franz-Josef Biermeier.

Mit dem Protestscild gegen den Gewerbepark senen: (von links) Anton Hofreiter, Mona Neubar und Franz-Josef Biermeier. Foto: Monika Schönfeld

Der Bürgermeisterkandidat der Grünen, Philipp Ashton, berichtete von 5000 Arten, die auf dem Truppenübungsplatz heimisch sind, 1000 davon stehen auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Mit Pensionen und Campingplatz sei Stukenbrock-Senne gerüstet für den Öko-Tourismus, ein Nationalpark Senne nach Ende einer militärischen Nutzung verhelfe zu Arbeitsplätzen und wirtschaftlichem Nutzen.

Reinhard Tölke hat die Diskussion um FFH und Nationalpark Senne von Anfang an verfolgt.

Reinhard Tölke hat die Diskussion um FFH und Nationalpark Senne von Anfang an verfolgt. Foto: Monika Schönfeld

Anton Hofreiter wird auch von Spaziergängern erkannt. Eine Frau möchte ein Selfie mit ihm – akzeptiert, auf Abstand wegen Corona natürlich. Er war zuvor auf „Industrietour“, nach dem Termin in Schloß Holte-Stukenbrock ging’s weiter nach Hüllhorst, Bad Salzuflen und Herford. „Die Kommunalwahl ist meine Lieblingswahl“, sagt der Bundespolitiker. „Hier trifft der Bürger direkt auf die öffentliche Hand.“

Mona Neubaur hält die Kommunalwahl in NRW, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, für einen Gradmesser für die Bundestagswahl in einem Jahr. „Grün ist stark im Kommen. Wir haben 8000 Mitglieder mehr als vor sechs Jahren, so dass wir fast in jeder Stadt und Gemeinde zur Wahl stehen. Die neuen Mitglieder sind junge Menschen, aber auch Frauen, die erkennen, dass wir Werte vertreten, die man unterstützen muss.“

Das sagen die anderen zum Nationalpark Senne

Bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeister-Kandidaten, die das Jugendparlament am Mittwochabend aufgenommen und auf Youtube stellt, haben auch die anderen Parteien zum Stichwort Nationalpark Senne Stellung bezogen. Thorsten Baumgart (FDP): „Wir sind gegen einen Nationalpark. Die Senne ist eine Kulturlandschaft, weils sie seit 120 Jahren bewirtschaftet ist. Deshalb ist die Vielfalt entstanden.“ Der Bundeswehrstandort Augustdorf sei ökonomisch wichtig. An der Region sei der Nationalpark gescheitert. 45.000 Unterschriften haben Eigentümer, Verbände und Institutionen gesammelt.

Hubert Erichlandwehr (CDU): „Ich weiß gar nicht, warum das Thema immer wieder auf die Tagesordnung kommt. Der britische Verteidigungsminister und die damalige deutsche Kollegin Ursula von der Leyen haben einen Vertrag unterzeichnet, wonach das Gelände in militärischer Nutzung bleibt. Die Frage stellt sich also nicht, die Landesregierung hat das Thema beerdigt.“

Britta Rusch (CSB): „Das Thema steht im Moment nicht in der Diskussion. Auch wenn ich selbst ein Fan des Nationalparks bin.“

Philipp Lampe, der für die SPD teilgenommen hat: „Man kann das zum Thema machen und sanften Tourismus wie im Emsland fördern.“

 

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