Förderverein Stalag 326 erhält die Zusage, dass er mehr denn je gebraucht wird
„Sie sind die DNA der Gedenkstätte“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Wir waren noch nie so nah dran. Es ist das erste Mal, dass die Gedenkstätte Stalag 326 so breit getragen wird. Es ist ein historischer Moment – für das öffentliche Bewusstsein, die gesellschaftliche Relevanz und die Lehre an den Schulen. Wir brauchen Ihr Wohlwollen und Ihr ehrenamtliches Engagement.“

Dienstag, 08.09.2020, 19:45 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 20:20 Uhr
Manfred Büngener, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Stalag, Kathrin Milic-Grunwald (Atelier Brückner), Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger und Oliver Nickel, Geschäftsführer des Fördervereins. Foto: Monika Schönfeld
Manfred Büngener, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Stalag, Kathrin Milic-Grunwald (Atelier Brückner), Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger und Oliver Nickel, Geschäftsführer des Fördervereins. Foto: Monika Schönfeld

LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger machte deutlich, dass der Förderverein der Gedenkstätte Stalag 326 wichtig war und ist, aber vor allem in Zukunft unverzichtbar ist. „Sie sind die DNA der Gedenkstätte.“ Sie stellte in der Mitgliederversammlung am Dienstag in der Aula am Gymnasium die Machbarkeitsstudie vor mehr als 30 Mitgliedern vor. In der künftigen Gedenkstätte von internationaler Bedeutung werde es keine zwei Ebenen geben. Haupt- und Ehrenamt arbeiten zusammen.

Im Jahr 75 nach Kriegsende ist der richtige Zeitpunkt, die Gedenkstätte auf den Weg zu bringen.

André Kuper

Aus der Landeshauptstadt Düsseldorf war Landtagspräsident André Kuper angereist, der Vorsitzender des Lenkungskreises der Gedenkstätte Stalag ist. „Die Gedenkstätte ist unserer gemeinsames Anliegen. Im Jahr 75 nach Kriegsende ist der richtige Zeitpunkt, die Gedenkstätte auf den Weg zu bringen. Ich freue mich, hier und heute bei Ihnen zu sein.“

Seine Aufgabe sei gewesen, alle Akteure an einen Tisch zu bringen und sich vernetzen zu lassen. „Wir haben an vielen Stellen diskutiert und Konflikte ausgetragen, aber nie in der Öffentlichkeit. Je geschlossener wir das Projekt vortragen, desto eher wird es realisiert.“ Die Machbarkeitsstudie, die Rüschoff-Parzinger bereits im Rat der Stadt und am Montag im Kreistag vorgestellt hat und dafür jeweils ein einstimmiges Votum der Politiker mitgenommen hat, sei ein Konzept, an dem weiter gearbeitet werden müsse, sagte Kuper. Russland, die Ukraine und Belarus warten darauf. Denn die Würdigung der zweitgrößten Opfergruppe des Zweiten Weltkriegs stabilisiere die Länder innenpoltisch, weil Familien Sicherheit erlangen über das Schicksal ihrer Angehörigen. „Wichtig ist, dass die Gedenkstätte überparteilich mit allen Farben und Fraktionen getragen wird.“

Wenn es den Förderverein nicht geben würde, würden wir heute nicht hier sitzen.

Hubert Erichlandwehr

Der Förderverein, der seit 1993 arbeitet und viele Jahre nie so recht akzeptiert wurde, werde in Zukunft mehr denn je gebraucht. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr wurde deutlich: „Wenn es den Förderverein nicht geben würde, würden wir heute nicht hier sitzen. Sie hatten es wahrlich nicht einfach, das muss ich als CDU-Mitglied einfach mal sagen.“ Aber jetzt sei es soweit: Ein herzliches Dankeschön sagte er ausdrücklich Erika Busch, deren Mann Werner bis zu seinem Tod nie müde wurde, für die Gedenkstätte zu kämpfen. „Die Gedenkstätte Stalag ist wichtig für die Menschen, für Angehörige, Veteranen und für die Demokratie.“

In der Machbarkeitsstudie sind viele Details noch nicht geklärt. „Ich weiß aus meiner Zeit als Bürgermeister in Rietberg, dass man Träume wachsen lassen muss.“ Damals handelte es sich um die Landesgartenschau in Rietberg.

Wir brauchen Sie.

André Kuper

Kuper betonte, dass es in der Gedenkstätte darum gehen wird, die Schichten der Geschichte zu erzählen. Das Stammlager 326 (1941 bis 1945), das Internierungslager für Nazis (1945 bis 1947), das Sozialwerk Stukenbrock als Auffanglager der Vertriebenen (1947 bis 1970), Polizeischule und Flüchtlingslager (2015/16), alles war an diesem Ort. „Nicht nur der Krieg ist grausam, auch die Kriegsfolgen sind es. Das wissen die Vertriebenen, das wissen die Flüchtlinge aus Syrien, die wir hier aufgenommen haben. Die Gedenkstätte ist eine besondere Chance für die Friedensarbeit.“

Friedrich Dransfeld, eines der Gründungsmitglieder des Fördervereins, sagte, er habe Abstand genommen, als er von den Zahlen gehört habe. 60 Millionen Investition , 5,6 Millionen Betriebskosten und 200.000 Besucher jährlich – „das fand ich überdimensioniert.“ Mit dem Gegenwartsbezug stehe er jetzt aber dahinter.

André Kuper sagte auf Nachfrage von Oliver Nickel, Geschäftsführer des Fördervereins, dass die Finanzierung des Vereins für nächstes Jahr so hoch wie bisher ausfalle. „Wir brauchen Sie.“

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