Ähnlichkeiten und Unterschiede der Gedenkstätten Stalag 326 und Bergen-Belsen
So wird Geschichte zugänglich

Schloß Holte-Stukenbrock -

Die Expertenkommission hat getagt und auf Grundlage der Machbarkeitsstudie ihre Empfehlung für die Gedenkstätte Stalag 326 abgegeben. Die Entscheidung über den nächsten Schritt obliegt Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag. André Kuper, NRW-Landtagspräsident und Vorsitzender des Lenkungskreises für die Entwicklung der Gedenkstätte, rechnet Ende November mit einer Nachricht.

Freitag, 13.11.2020, 19:17 Uhr aktualisiert: 13.11.2020, 20:34 Uhr
Der schmucklose Betonbau der Gedenkstätte Bergen-Belsen beherbergt seit 2007 Dokumentationszentrum, Buchladen, Bibliothek und Museumscafé.
Der schmucklose Betonbau der Gedenkstätte Bergen-Belsen beherbergt seit 2007 Dokumentationszentrum, Buchladen, Bibliothek und Museumscafé. Foto: Monika Schönfeld

 

60 Millionen Euro Investitionen, 5,6 Millionen Euro jährliche Betriebskosten, 200.000 Besucher im Jahr – wer sich das und ein Besucherzentrum in den angegebenen Dimensionen nicht vorstellen kann, sollte sich die Gedenkstätte Bergen-Belsen ansehen. Knapp zwei Stunden Autofahrt entfernt, liegt sie 30 Kilometer von der Autobahnausfahrt entfernt in Niedersachsen bei Celle. Wer das Gelände des Stalag 326 in der Senne am Truppenübungsplatz kennt, hat in Bergen-Belsen ein Deja-vu: Auch hier eine Landschaft in der Heide, der Truppenübungsplatz Bergen in unmittelbarer Nachbarschaft (seit 1935).

Wie eine Gedenkstätte Geschichte zugänglich macht

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    Foto: Monika Schönfeld
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Bergen-Belsen war seit 1940 Lager für französische und belgische Kriegsgefangene, von 1941 bis 1943 als Stalag XI C/311 für 20.000 sowjetische Kriegsgefangene. Wie in der Senne gab es anfangs keine Unterkünfte, im Winter 1941/42 starben 14.000 Gefangene. Der Friedhof für die sowjetischen Kriegsgefangenen liegt in Bergen-Belsen etwas außerhalb, zentraler in der Präsentation für die Besucher sind die Massengräber der im Konzentrationslager Verstorbenen und die Gedenksteine, die dort errichtet worden sind.

Bundespräsident Joachim Gauck sprach 2015 vom Erinnerungsschatten, aus dem die zweitgrößte Opfergruppe des Zweiten Weltkriegs herausgeholt werden müsse. Das sind die sowjetischen Kriegsgefangenen. In Stukenbrock-Senne haben 300.000 das Lager durchlaufen und wurden zur Zwangsarbeit ins Ruhrgebiet und in die Landwirtschaft vermittelt.

In Bergen-Belsen wurde das Lager für sowjetische Kriegsgefangene im April 1943 aufgelöst. Der Lagerkomplex wurde an die SS übergeben, die hier ein Austauschlager einrichtete, ein Sammellager für einige tausend Juden, die gegen im Ausland internierte Deutsche ausgetauscht oder gegen Geld frei kommen sollten. Eine Rechnung, die nicht aufgegangen ist. Bergen-Belsen war kein Vernichtungslager, dennoch starben die Menschen an Unterernährung und Krankheiten, wie Anne und ihre Schwester Margot Frank. Anne Frank wurde nach ihrem Tod mit ihrem Tagebuch berühmt.

Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag 326 in Stukenbrock-Senne, gefällt das Besucherzentrum in Bergen-Belsen. Ein schlichter Betonbau, der sich aus der Landschaft erhebt, am Rande des damaligen Stalag-Geländes. „Für ein Besucherzentrum brauche ich keinen Star-Architekten“, sagt Nickel. Bedenkenswert findet er allerdings, ob man alle Filmaufnahmen zeigen sollte, vor allem, wenn tote Menschen abgebildet werden. In Bergen-Belsen sollten Jugendliche im Alter unter 14 Jahren die Filmbeiträge nicht sehen. In der Ausstellung werden Fotos von den Zuständen nach der Befreiung gezeigt, die die Briten damals zu dokumentarischen Zwecken aufgenommen hatten.

„Es gibt einen großen Unterschied zwischen den beiden Gedenkstätten: Wir haben mit dem Arrestgebäude, der Entlausung und der Lagerstraße erhaltene Gebäude.“ In Bergen-Belsen war alles abgerissen worden, weil die Befreier Angst vor Seuchen hatten.

Gut findet Nickel in Bergen-Belsen allerdings, dass viel Platz für Gruppen und die pädagogische Arbeit ist. „Das ist ein starker Bildungsort, das ist in Niedersachsen gut gelöst worden.“

Oliver Nickel sagt, die neue Gedenkstätte von internationaler Bedeutung dürfe sich nicht ausschließlich auf die digitale Präsentation mit Tablets verlassen. Er selbst sehe, was Schüler unter anderem im Projekt MyHistoryMap aus dem Haus Neuland in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Stalag 326 mit Leidenschaft erschaffen. „Eine Gruppe hat einen Podcast von einer Stunde gemacht. Die Schüler haben sich die Ausstellung in der Gedenkstätte intensiv angesehen, mich interviewt. Schüler sind nicht faul oder gelangweilt, sie lesen alle Texte in der Ausstellung und schaffen ein Produkt – einen Film, ein Podcast. Sie nehmen Dinge in die Hand, blättern und analysieren.“ Auf die pädagogische Arbeit kommt es Oliver Nickel an – „wir müssen nicht ständig Besucherzahlen toppen“.

Wie fruchtbar es sei, junge Menschen zu fragen, wie sie sich eine Gedenkstätte vorstellen, zeige das Beispiel einer Schülergruppe des Gymnasiums unter der Leitung des Lehrers Christian Schwarz. „Das sind Super-Ergebnisse. Die Schüler haben einen tollen Zugang über einen Kunstraum, in dem sie Ideen umsetzen. Schüler haben Bock, das muss man nur abrufen. Das ist zwar zeit- und kostenintensiv. Wir müssen die Jugend aber machen lassen.“

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