Günter Potthoff sichtet den Fotoschatz von Johann und Norbert Altemeyer für eine Ausstellung im Kulturforum
Zeitgeschichte in Schwarz-Weiß

Schloß Holte-Stukenbrock (WB) -

Mit der Ausstellung des Fotoschatzes des Fotografen Josef Hörster hat die Archivgruppe des Fördervereins Industriemuseum 2018 einen Volltreffer gelandet. Mehr als 800 Menschen haben die Ausstellung im Kulturforum besucht, viele machten mit, die Personen auf den Bildern zu identifizieren. An diesen Erfolg will die Archivgruppe 2021 anknüpfen. Wieder steht das Wirken von Fotografen im Mittelpunkt – das von Johann Altemeyer aus Hövelhof und seines Sohns Norbert, der das Werk des Vaters weitergeführt hat.

Dienstag, 29.12.2020, 18:36 Uhr
Die Katholische Lagerkirche St. Bruno, eingeweiht am 15. Juni 1952. Sie wurde für den Bau eines Sportplatzes für die Polizeischule abgerissen.
Die Katholische Lagerkirche St. Bruno, eingeweiht am 15. Juni 1952. Sie wurde für den Bau eines Sportplatzes für die Polizeischule abgerissen. Foto: Archiv Altemeyer

 

Ortsheimatpfleger Günter Potthoff hat viel mit Norbert Altemeyer zusammengearbeitet, als es darum ging, die Fotografien für seine Bücher wie „Blick zurück“ zu kopieren. „Wir kannten uns viele Jahre“, sagt Potthoff. Deshalb ließ Hildegard Altemeyer, die inzwischen gestorben ist, Günter Potthoff im Nachlass stöbern. Johann und Norbert Altemeyer haben Personenporträts, im Krieg und in der Vorkriegszeit, die Hitlerjugend und den Bund deutscher Mädel, Männer in Uniform, Einweihungen im Nationalsozialismus mit Hakenkreuzfahnen und Hitlergruß fotografiert. Potthoff hat aus einer „sicheren Quelle“, dass Altemeyer auch im Kriegsgefangenenlager Stalag 326 von 1941 bis 1945 fotografiert hat. Diese Bilder seien „konfisziert“ worden – vom wem, weiß Potthoff allerdings nicht.

1948 habe Johann Altemeyer angefangen, im Sozialwerk zu fotografieren. Das Sozialwerk entstand am 1948 auf dem Gelände, das von 1941 bis 1945 das Stammlager 326 war. Im Herbst 1947 forderte die britische Militärregierung von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, die noch in Dänemark und in den polnisch verwalteten deutschen Gebieten verbliebenen kranken und alten Flüchtlinge zu übernehmen. Mit Anordnung des Regional Commissioner’s Office vom 9. Dezember 1947 übergab das Land das Zivilinternierungslager Nr. 7, Eselsheide, dem Sozialminister zur Unterbringung von Flüchtlingen. Es war klar, dass die kranken, siechen, hilfs- und pflegebedürftigen Flüchtlinge Pflegepersonal brauchten. An dieser Aufgabe beteiligten sich die Innere Mission, die Caritas, die Arbeiterwohlfahrt und das Deutsche Rote Kreuz. Das Johanneswerk übernahm Frauen mit schulpflichtigen Kindern, die Arbeiterwohlfahrt Frauen mit Kleinkindern, das Deutsche Rote Kreuz bot Kindererholungskuren an.

Kindergärten, ein Ladenzentrum, ein Badehaus, ein Krankenhaus mit Entbindungsstation und Großküchenanlagen entstanden. Es war eine Stadt im Grünen mit Alters- und Pflegeheimen, Förderschule, Heime für Kinderkuren. Kurze Zeit war auch der Westfälische Blindenverein aktiv, der eine Bibliothek mit Büchern in Tastschrift und eine Werkstatt mit Arbeitsmöglichkeiten einrichtete.

Tausende Fotos und Glasplatten hat Günter Potthoff gesichtet. „Ein Ortsheimatpfleger soll bewahren, was interessant für die Forschung und Publikationen der späteren Generationen sein könnte. Meine Arbeit ist wie die eines Archäologen. Man entdeckt immer wieder Neues.“ Wichtig sei ihm, das zu sichern, was der Hövelhofer Fotograf über Schloß Holte-Stukenbrock, vor allem auch Stukenbrock-Senne und das Sozialwerk habe. Altemeyer habe vom Sozialwerk Fotos für Postkarten gemacht. „Davon gibt es noch ganze Karteikästen voll“, sagt Potthoff.

Die geplante Ausstellung im Herbst 2021, die davon anhängig ist, dass die Corona-Pandemie das zulässt, soll einen Querschnitt des Schaffens der Fotografen zeigen. Eine zweite Ausstellung in Hövelhof sei möglich. Porträts, Hochzeiten, Schulentlassungen, Kommunionkinder hat er fotografiert wie auch das Leben im Sozialwerk und vorher im Nationalsozialismus. „Es sind einige seltene Motive dabei wie die von den Pimpfen und der Hitlerjugend. Es gibt auch Bilder vom Lager des Reichsarbeitsdienstes, der die Ems begradigt hat“, sagt der Ortsheimatpfleger. „Ich denke, die Bilder tragen vor allem dazu bei, die Geschichte des Sozialwerks aufzuhellen.“

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