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So., 23.07.2017

Neues Buch: Dr. Heidi Lorey empfiehlt Gärtnern mit eigenem Saatgut Selbersäen macht Freude

Foto: Bluhm-Weinhold

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen (WB). Ob Feldsalat oder Dahlie, Feuerbohne oder Vergissmeinnicht – das alles kann man selbst ziehen aus eigenem Saatgut. Wie das geht, das erklärt die Steinhagener Gartenexpertin Dr. Heidi Lorey in ihrem neuen Buch.

»Gemüse und Blumen aus eigenem Saatgut« heißt es und ist im Fachverlag Ulmer erschienen. Es ist das vierte Buch der Steinhagenerin, die mit »Tartuffli« vor 16 Jahren ein vielbeachtetes und noch immer erhältliches Erstlingswerk über die (alten) Sorten der Kartoffel schrieb. Seitdem setzt sie sich auf vielfältige Weise für den Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt ein.

51 Pflanzensteckbriefe und viele Tipps

Auf 143 Seiten erläutert die promovierte Gartenbauingenieurin in ihrem neuesten Werk Allgemeines zum Säen und Saatgut, bevor sie sich in Steckbriefen mit 51 Pflanzen, ihren Samen und deren Wachsen und Gedeihen, aber auch dem Sammeln neuen Saatguts beschäftigt. Auch weitergehende Tipps hat sie parat. Vor allem eine Empfehlung: »Einfach Spaß haben, in den Garten zu gehen.«

Mini-Farming und Urban Gardening liegen im Trend. Und Saatgut gibt es bequem aus der Tüte – oder eben von den eigenen Pflanzen: »Wer sich sein eigenes Saatgut sammelt, der hat den ganzen Lebenslauf einer Pflanze«, sagt sie. Und es ist so einfach: »Das steht herum, man muss es nur einsammeln.«

Selbst Dahlien kann man säen

Bei der Tomate hat wohl jeder schon die Samen aus dem Fruchtfleisch gepult. Wie man sie reinigt, im Gärprozess aus ihrer Hülle löst und lagert – im Zweifelsfall sechs bis zehn Jahre – das erklärt Heidi Lorey. Und selbst Dahlien kann man sähen. Und sie blühen auch gleich im ersten Jahr.

Die Gartenfachfrau will zum Experimentieren anregen und zur Neugierde auf Pflanzen. So kommt man auch zu neuen Sorten. Lorey selbst hat einst in England hochwachsende zweifarbige Tagetes entdeckt – und Saatgut mitgebracht. Seitdem blüht die englische Version der Studentenblume in ihrem Beet zwischen Kartoffel, Zucchini, Feuerbohne, Speiseplatterbse, Radieschen und Tomate, und Heidi Lorey nimmt jedes Jahr wieder Samen ab.

Hausgärten freuen die Bienen

Dabei bleibt die Pflanze nicht immer gleich. Die eine oder andere Tagetes legt beispielsweise statt des zweifarbigen Kleides auch ein schlicht gelbes an. Das ist Natur, in die Heidi Lorey nicht mittels Züchtung eingreift, sondern sie höchstens lenkt, wie sie sagt. So macht sie an die schönste Akelei ein Schildchen, damit sie deren Samen nimmt. So knipst sie von der Tagetes die einfarbigen Blüten, bevor die Biene tätig wird.

Apropos Biene: Nicht nur zum eigenen Vergnügen, sondern auch zum Überleben der Insektenvielfalt und -menge ist der Hobbygärtner tätig. Er braucht die Biene zum Bestäuben seiner Pflanzen, er hat Insekten aber auch einen Lebensraum zu bieten, wenn sie Blütenvielfalt vorfinden und natürliche Verstecke. Die Meldungen vom Insektensterben sind indes alarmierend: Die Biomasse an Insekten nimmt weiter ab. Heidi Lorey betont deshalb: »Die Wichtigkeit der Hausgärten in Deutschland sollte man nicht unterschätzen. Die Fläche ist größer als die aller Parks zusammen.«

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