Do., 05.04.2018

Leidgeprüfte Anwohner der Bundesstraße 68 sind über das neue A33-Teilstück heilfroh – mit Videos Eine Autobahn wird gefeiert

Motorradfahrer Herbert Nordsiek (68) war der Erste, der das Teilstück Steinhagen-Bielefeld befahren konnte. Der pensionierte Lehrer lebt in Steinhagen.

Motorradfahrer Herbert Nordsiek (68) war der Erste, der das Teilstück Steinhagen-Bielefeld befahren konnte. Der pensionierte Lehrer lebt in Steinhagen. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Steinhagen/Halle/Bielefeld (WB). Parken auf der Autobahn ist verboten. Am Mittwoch war es ausnahmsweise erlaubt. Das 7,9 Kilometer lange Teilstück Bielefeld-Steinhagen-Halle der A33 ist fertig, und das wurde mit einem Bürgerfest in Halle-Künsebeck gebührend gefeiert. Nach der Devise: A wie Asphalt und B wie Bratwurst.

Etwa 2000 Menschen kamen zum besonderen Tag nicht nur für Steinhagen und Halle. Einigen war die Freude und Erleichterung darüber, dass die Lücke auf der A33 kleiner geworden ist, anzusehen.

»A33 jetzt«-Schilder

So wie Harald Voßhall aus Steinhagen, der seit mehr als 40 Jahren für den Lückenschluss kämpft und die Initiative »A33 jetzt« gründete. Er wohnt 70 Meter von der Bundesstraße 68 entfernt. »1973 habe ich mir ein Grundstück gekauft, und es wurde mir gesagt, dass der Lückenschluss 1973 vollendet sei«, erzählte er und ergänzte: »Und dann gab es nur Kampf.« Die B68, über die sich Lkw-Kolonnen mangels einer Autobahn quälten, sei eine »Katastrophenstraße«. Die Riesenzahl der Lastwagen mit ihren Emissionen habe den Bewohnern übel zugesetzt. »Vor 20 Jahren haben Nachbarn und ich einen 18 Meter breiten Lärmschutzwall selbst gebaut«, sagte Voßhall dem WESTFALEN-BLATT. Kein Wunder, dass er erleichtert und froh war, dass er im Alter von 85 Jahren erleben durfte, dass sich sein Wunsch erfüllte.

Die 80 »A33 jetzt«-Schilder will er nicht einmotten, sondern an Leidensgenossen in Borgholzhausen weitergeben. Denn der Lückenschluss bis zur Lebkuchenstadt steht noch aus.

Verdutzter Lkw-Fahrer

Erleichterung herrscht nicht nur im Kreis Gütersloh. »Wir sind die sogenannten Opfer«, sagte Tamara Helwart aus Bielefeld. Mit ihrem Mann Manfred wohnt sie an der Bundesstraße 68. »Jeden Abend war Krieg, ich habe schließlich mit Oropax geschlafen«, schilderte sie die Situation mit Lärm und ständigen Staus. So wie die Helwarts hoffen die Berufspendler, die sich über die B68 kämpften, dass Lkw-Fahrer das A33-Teilstück wählen. Als um 15.01 Uhr der erste Brummifahrer beim Bürgerfest die neue Autobahn benutzte, wurde dem verdutzten Mann zugewunken.

Politiker von Bund und Land betonten in ihren Reden den Nutzen des neuen Teilstücks sowohl für die Bevölkerung als auch für die Wirtschaft. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sprach von einem »Infrastruktur-Upgrade für die Region«, das mit weniger Lärm und Abgasen für die Anwohner einhergehe. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betonte, Autobahnen bedeuteten Wirtschaftsförderung, und sein Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) schob hinterher, die A33 ermögliche der Wachstumsregion OWL »Mobilität in neuer Dimension«. Der Präsident der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, Wolf D. Meier-Scheuven, wurde geradezu pathetisch: »150.000 Unternehmen freuen sich, dass wir ein Stück weitergekommen sind auf dem Weg, die Region zusammenzuführen.«

63 größere Baustelle

Nachdem das Teilstück zwischen Bielefeld und Halle-Künsebeck frei ist, gibt es auf den Autobahnen in NRW eine Baustelle weniger. An Behinderungen müssen sich die Autofahrer aber mehr denn je gewöhnen. Der Landesbetrieb Straßen NRW teilte Anfang März Vertretern der Verwaltungen und Wirtschaft mit, in den nächsten zwei Jahren werde es auf den Autobahnen in Westfalen und im Ruhrgebiet 63 größere Baustellen geben. »Wir haben einen Investitionshochlauf im Moment«, betonte Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek in Bochum in schönstem Amtsdeutsch.

Im vergangenen Jahr habe Straßen NRW 1,25 Milliarden Euro investiert, soviel wie noch nie. Und im laufenden Jahr sollen es noch einmal 35 Millionen Euro mehr sein. Damit die Autofahrer nicht zu sehr genervt werden, wird oft nachts und an Wochenenden gearbeitet. Autobahnen und Bundesstraßen sind die Verkehrsadern eines Bundeslandes, und NRW hat eine Menge davon. Hier konzen­trieren sich 17,1 Prozent des deutschen Autobahnnetzes. Die A33 wird ein Dauerbrenner bleiben. Im Raum Paderborn gehen die Sanierungsarbeiten der Fahrbahn weiter.

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