Sa., 21.04.2018

A33 bleibt das Gesprächsthema der Steinhagener – das WESTFALEN-BLATT misst nach Viel Lärm um die Autobahn

Nur eine beispielhafte Momentaufnahme: Das WESTFALEN-BLATT hat zum Auftakt der Serie Messpunkte im Bereich der Wohngebiete Rote Erde (am oberen Bildrand die frühere B68, jetzt L756) und Niederwahrenbrock aufgesucht, viele weitere in anderen Steinhagener Wohngebieten an der Trasse sollen folgen. Die Siedlung Niederwahrenbrock liegt hinter einer sieben Meter hohen Lärmschutzwall-Wand-Kombination, Richtung Norden war ursprünglich mit Hinweis auf den Abstand zur Trasse und die dazwischenliegende Gewerbebebauung gar kein Lärmschutz geplant. Nun gibt es einen drei Meter hohen Wall.

Nur eine beispielhafte Momentaufnahme: Das WESTFALEN-BLATT hat zum Auftakt der Serie Messpunkte im Bereich der Wohngebiete Rote Erde (am oberen Bildrand die frühere B68, jetzt L756) und Niederwahrenbrock aufgesucht, viele weitere in anderen Steinhagener Wohngebieten an der Trasse sollen folgen. Die Siedlung Niederwahrenbrock liegt hinter einer sieben Meter hohen Lärmschutzwall-Wand-Kombination, Richtung Norden war ursprünglich mit Hinweis auf den Abstand zur Trasse und die dazwischenliegende Gewerbebebauung gar kein Lärmschutz geplant. Nun gibt es einen drei Meter hohen Wall. Foto: WESTFALEN-BLATT-Grafik Kathrin Fischer

Steinhagen  (WB). Wie laut ist die A33? Nur Grundrauschen oder Lärmbelastung? Das nehmen die Steinhagener offenbar ganz unterschiedlich wahr. Und deshalb überprüft das WESTFALEN-BLATT die neue Geräuschkulisse in Steinhagen jetzt mit eigenen Messungen.

Diese können natürlich nur Momentaufnahmen sein – ohne jeglichen wissenschaftlichen Hintergrund oder repräsentativen Anspruch, sondern einfach als Ergänzung zu dem Empfinden, das Steinhagener Bürger dem WESTFALEN-BLATT kurz nach der Freigabe des Teilstücks geschildert haben. Es sind nur Beispiele, zunächst vorwiegend aus dem Wohngebiet Rote Erde sowie Niederwahrenbrock.

Schall breitet sich wie im Trichter aus

Donnerstagnachmittag, 29 Grad, leichter Ostwind: Susanne Hoheisel ist mit ihrer Familie im Garten an der Roten Erde und hört von der Autobahn nicht mehr als ein entferntes Rauschen. Das Vogelgezwitscher ist jetzt lauter. 34,1 dBA zeigt die Messung. »Heute geht es. Aber am Abend nach der Eröffnung haben wir uns erschrocken, wie laut die Autobahn ist«, sagt sie. Es komme auf die Windrichtung an, wie die A33 zu hören sei. Sie ist überzeugt: »Was wir hier merken, ist die Lücke im Lärmschutz an der Bielefelder Straße an den Auffahrten. Von dort aus breitet sich der Schall wie im Trichter über das Wohngebiet aus.«

Serie zur A33

Das WESTFALEN-BLATT begleitet die neue Situation im Ort mit der A33 mit einer Serie zu verschiedenen Aspekten insbesondere zum Thema Lärm. Für die nächsten Folgen messen wir in Amshausen, im Wohngebiet Diekmann, in der Upmann-Siedlung, steuern weitere Messpunkte an der Osterfeldstraße und auch in den Außenbezirken an. Sie können uns dabei helfen: Teilen Sie uns Ihre Meinung und Ihr Lärmempfinden mit. Rufen Sie uns an unter 05204/ 919995 oder schreiben Sie uns per E-Mail unter steinhagen@westfalen-blatt.de.

In einem Garten an der Apfelstraße sind es 30 dBA, bis ein Auto die Waldbadstraße hinunterfährt: 52 dBA. An der Brandenburger Straße ist, ohne dass weitere Häuser Richtung Trasse ständen, nichts zu hören von der Autobahn – Lärm verursachen der Haller Willem und ein Flugzeug. Als beide verschwunden sind: 30,8 dBA.

Bahnhofstraße und Bielefelder Straße deutlich zu hören

Zur besseren Einordnung der Lärmpegel: Erst eine Erhöhung des Pegels um drei dBA ist hörbar, ein Plus von zehn dBA bedeutet eine Verdoppelung der Lautstärke. Im Eingangsbereich des Brückhofs im Wohngebiet Niederwahrenbrock ist es mit knapp 40 dBA dagegen schon sehr laut. Allerdings lässt sich bei der Messung auch der fast ununterbrochene Verkehr auf der Bahnhofstraße nicht ausblenden. Und auch an Meschers Hof spielt die vielbefahrene Bielefelder Straße akustisch eine viel aufdringlichere Rolle als die Autobahn. Das ändert sich an der Pulverbach-Talbrücke, wo die Autos auf der A33 mit 63,9 dBA zu hören sind.

Wohlgemerkt: Alles ist in den gesetzlichen Grenzwerten. Der Schallpegelwert von 49 dBA nachts für Wohngebiete wird nach den Berechnungen der Planer vom Landesbetrieb Straßen NRW überall eingehalten, tagsüber liegt er bei 59 dBA.

»Wir haben nie gesagt, dass die Autobahn geräuschlos ist«, sagt Sven Johanning, Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW. Die gesetzlichen Grenzwerte seien eingehalten, mehr könne Straßen NRW nicht tun. Die Gemeinde Steinhagen hat aus eigener Tasche für 350.000 Euro zusätzlichen Lärmschutz veranlasst an Stellen, die gesetzlich nicht abgedeckt waren.

Straßen NRW will keine neuen Daten erheben

Berechnungen beruhen auf den Verkehrsbelastung, die über das ganze Jahr ermittelt wird. Darin fließen Lärmspitzen ein, der ohnehin vorhandene Grundlärm etwa bestehender Straße hingegen nicht. Aus den durchschnittlichen täglichen Werten werden die Tag- und Nachtwerte gebildet – liegen sie über oder unter den gesetzlichen Grenzwerten? Jedes Haus – jeder Immisionsort – wird einzeln berechnet. Und zwar ohne Lärmschutzeinrichtungen.

Straßen NRW konnte seine Lärmberechnungen für das Steinhagener Teilstück ohnehin nur auf Prognosewerten aufbauen. Diese waren bezogen auf den anzunehmenden Verkehr im Jahr 2020. Doch ob die tatsächliche Situation die Prognosen bestätigt, wird von Straßen NRW nicht noch einmal nachgerechnet. Denn neue Daten sollen nicht erhoben werden, so Johanning.

Zur Reduzierung des Lärms können auch die Straßenoberfläche und die zulässige Höchstgeschwindigkeit beitragen. Lärmmindernden Asphalt, so genannten Splittmastixasphalt, hat Straßen NRW eingebaut. Ein Tempolimit ist hingegen nach Auskunft des Sprechers für Steinhagen nicht vorgesehen: »Das müsste die Bezirksregierung veranlassen«, so Johanning.

Kommentare

Und wann kümmert sich der Ordnungs- und Umweltausschuss um dieses Thema ? Oder muss es (wie immer) Jahre dauern (Unterschriftensammlung,usw.) bis die Stadtverwaltung etwas dagegen unternimmt.

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