So., 07.10.2018

Fotograf Jan Düfelsiek hat in New York gearbeitet und stellt jetzt in seiner Heimat aus Von Bono bis zum Bürgermeister

Jan Düfelsiek in seinem Heimatort, umgeben von Menschen seiner Heimatgemeinde: Vor der Dorfkirche zeigt er das Plakat der Ausstellung, zu der als Exponat auch das Bild von Heidekönigin Sandra Schröter gehört.

Jan Düfelsiek in seinem Heimatort, umgeben von Menschen seiner Heimatgemeinde: Vor der Dorfkirche zeigt er das Plakat der Ausstellung, zu der als Exponat auch das Bild von Heidekönigin Sandra Schröter gehört. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen  (WB). Er hat für Rockstar Bono Tee gekocht, Paul McCartney beim Soundcheck beobachtet und Ex-Bundespräsident Christian Wulf fotografiert. Doch so verrückt die Zeit in New York, so faszinierend die Begegnung mit deutscher Prominenz, so gerne nähert sich der Steinhagener Fotograf Jan Düfelsiek (25) den Menschen seines Heimatortes mit der Kamera. Das Ergebnis ist vom 2. November an im Rathaus zu sehen.

»Steinhagen – ein Portrait« heißt die Ausstellung im Rahmen der Kulturtage, bei der Jan Düfel­siek etwa 30 seiner Arbeiten zeigt. Es sind Bilder von bekannten und unbekannten Mitbürgern: von Bürgermeister Klaus Besser ebenso wie von Heidekönigin Sandra Schröter, Vielseitigkeitsreiterin Hella Meise und Fußballprofi Detlev Dammeier, vom jugendlichen Mopedfahrer an der Tankstelle, vom Graffitisprayer mit der Bierflasche in der Hand, von einer älteren Dame mit Besen beim Straßefegen, einer Frau mit Hund...

Portraits als Lieblingsbeschäftigung

Die Portraitfotografie ist ein Schwerpunkt der Arbeit von Jan Düfelsiek – gleichsam eine Lieblingsbeschäftigung. Den Mikrokosmos seiner Heimatgemeinde darzustellen, ist ihm ein Anliegen: »Mit der Kamera kann ich mich Menschen nähern und sie so interpretieren, wie ich sie sehe.«

Entstanden sind die Steinhagener Fotos im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der FH Dortmund. Seit 2016 studiert er im Master an der FH Bielefeld – unterbrochen von einem siebenmonatigen Aufenthalt in New York als Assistent des Top-Portraitfotografen Martin Schoeller. Das sei ziemlich abgefahren gewesen, so Düfelsiek. Eigentlich war er dort, weil er sich bei der New York Times erfolgreich um ein »Speeddating« mit Bildredaktionen großer Zeitungen und Magazine beworben hatte. Im Anschluss seiner Gespräche mit Geo und Le Monde besuchte er Schoeller, dem er zuvor bereits »sehr viele E-Mails«, wie er sagte, geschrieben hatte.

In 14 Tagen durch alle Zeitzonen

Hartnäckigkeit zahlt sich aus, und letztlich ist die Welt ein Dorf: »Schoellers Mutter kommt aus Peckeloh, ein Onkel lebt in Bielefeld«, so Jan Düfelsiek. Er bekam den Job und flog mit seinem Chef um die Welt. In 14 Tagen ging es durch alle Zeitzonen, denn Schoeller hatte für das Forbes-Magazin die »100 Greatest Living Business Minds« – die 100 größten lebenden Wirtschaftsköpfe – abzulichten. Die Fotos macht der Meister zwar selbst. Der Assistent aber hat für das Equipment zu sorgen, das Licht aufzubauen, Kameras betriebsbereit zu machen, die Daten zu verarbeiten.

Und er darf und muss sich natürlich ganz viel abschauen: »Ich habe super viel gelernt. Schoeller ist überhaupt nicht abgehoben.« Ebenso wenig wie U2-Frontman Bono, der in Schoellers Büro zum Fotoshooting erschien. Der »Assi« hatte Tee zu kochen – aber nicht irgendeinen, sondern den mitgebrachten Beutel mit nur einem Löffelchen Milch. Von diesen Allüren abgesehen: »Bono ist mega­sympathisch.«

»Steinhagen - ein Portrait«

Die Vernissage zur Ausstellung »Steinhagen – ein Portrait« am Freitag, 2. November, 19 Uhr im Rathaus bildet den Auftakt der Kulturtage. Etwa 30 Arbeiten von Jan Düfelsiek sind zu sehen. Prof. Dr. Andreas Beaugrand von der Fachhochschule Bielefeld wird in die Ausstellung einführen. Musikalisch begleiten Kevin Hemkemeier und Mylène Kroon den Abend.

Die Art und Weise, wie sich Schoeller über Gespräche den Menschen vor seiner Kamera nähert, hat Jan Düfelsiek beeindruckt. Und was hat er mitgenommen? »Die amerikanische Denke, dass man alles erreichen kann, wenn man es will.« Schoeller, berühmt für seine ungeschminkten »Close ups« von VIPs, die er mit der Spiegelreflexkamera aufnimmt, hat Jan Düfel­siek, sonst im digitalen Mittelformat zu Hause, zur analogen Fotografie animiert.

Doch so nah, wie Schoeller seinen »Models« kommt, so wichtig ist Jan Düfel­siek, die Menschen in ihrer Umgebung abzulichten – womit wir zurück in Steinhagen wären. Denn die Umgebung erzählt eine weitere Geschichte: wie sich Menschen über Kleidung oder ihren Lebensort identifizieren. Den Schwimmmeister lichtet er im Hallenbad ab, den Feuerwehrchef im Gerätehaus, den Graffitisprayer vor der bemalten Wand und den Jäger im Feld. »In der Steinhagen-Serie ist eine Typologie erkennbar, die Menschen bestimmten Kategorien zuordnet, die es überall gibt.« So stellt Jan Düfelsiek nicht nur Individuen, sondern auch Typen dar.

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