Do., 22.11.2018

Steinhagener Spediteur Friedrich Johannsmann plädiert für flexiblere Arbeitszeiten – mit Video Lkw-Fahrern Stress ersparen

Der Steinhagener Pferde-Spediteur Friedrich Johannsmann beschäftigt selbst zwölf Lkw-Fahrer. Er wünscht sich künftig deutlich flexiblere gesetzliche Vorgaben, um den Fahrern dadurch Zeitdruck und Stress zu ersparen.

Der Steinhagener Pferde-Spediteur Friedrich Johannsmann beschäftigt selbst zwölf Lkw-Fahrer. Er wünscht sich künftig deutlich flexiblere gesetzliche Vorgaben, um den Fahrern dadurch Zeitdruck und Stress zu ersparen. Foto: Volker Hagemann

Von Volker Hagemann

Steinhagen (WB). Erheblicher Termindruck, Übermüdung, überfüllte Rastplätze: Was viele Lkw-Fahrer täglich ertragen müssen , ließe sich möglicherweise vermeiden, sagt Friedrich Johannsmann. Der Steinhagener Spediteur plädiert für flexiblere Schichtzeiten.

»Viele Fahrer müssen innerhalb ihrer täglichen Schichtzeit fast schon Unmögliches leisten«, sagt Friedrich Johannsmann. »Aufladen, transportieren, abladen – so die Theorie. Wenn dann einer am Zielort ungeplant drei Stunden warten muss, bis sein Lkw zum Abladen an der Reihe ist, kann er in dieser Zeit meist nichts tun als zu warten. Dennoch ist der Fahrer getrieben: Denn innerhalb eines 24-Stunden-Zyklus’ ist seine Schichtzeit auf 14 Stunden begrenzt. In der Zeit muss er seinen Auftrag erledigen. Die anderen elf Stunden sind vorgeschriebene Ruhezeiten«, sagt der Steinhagener Spediteur. Die EU-Kontrollgeräte im Lkw zeichnen all das auf.

Johannsmann schlägt daher vor: »Der Fahrer müsste bei Bedarf seine Schichtzeit auf 24 Stunden ausdehnen dürfen – mit entsprechender Verlagerung der Pausen. Das würde nicht nur die Zeituhr zum Maßstab nehmen, sondern auch seine biologische Uhr.«

Lkw-Parkplätze oft überfüllt

Und er nennt weitere Vorteile: »Ein Fahrer müsste dann nicht um Punkt soundsoviel Uhr den nächsten Rastplatz ansteuern. Denn die Plätze für Lkw sind oft hoffnungslos überfüllt. Oft stehen die Laster notgedrungen bis auf die Einfahrtsspur des Rasthofes oder schlimmstenfalls bis auf den Autobahn-Standstreifen.«

Friedrich Johannsmann stellt klar, dass er die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten für angemessen und sinnvoll hält. »Aber ihre Einhaltung müsste in größerem Zeitrahmen möglich sein«, findet er. Das gebe Fahrern und Speditionen mehr Spielraum, könnte starken Lkw-Verkehr auf den Autobahnen entzerren und die Unfallgefahr mindern.

Lösungsvorschlag dem IHK-Verkehrsausschuss präsentiert

Friedrich Johannsmann selbst beschäftigt zwölf Lkw-Fahrer, die jedes Jahr unterm Strich 1,3 Millionen Kilometer absolvieren. Seit 1975 transportiert sein Unternehmen Pferde zwischen Heimatstall, Turnieren und Züchtern in der ganzen Welt. Er weiß auch: »Wir können ziemlich genau vorhersehen, wann an welchem Ort uns wer zum Verladen oder In-Empfang-Nehmen der Tiere erwartet. Das ist bei Massengütern nicht immer so leicht.«

Seine Idee hat Friedrich Johannsmann jetzt auch im Verkehrsausschuss der IHK Ostwestfalen vorgetragen. »Das wurde interessiert aufgenommen. Wichtig ist mir erst einmal, das Thema in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.« Seinen Fahrern gibt er stets mit auf den Weg: »Bei aller Zeitvorgabe – die Sicherheit geht immer vor.«

Kommentare

Lenk und Ruhezeiten

Oft hat der Fahrer eine weite Anfahrt zur Arbeit,dann muss er früher aufstehen.Die Zeit sollte ab da berechnet werden,dann bei 11 Std.Pause,hat der Lkw 11 Std.der Fahrer noch lange nicht.Er geht duschen,was essen und muss erstmal runter kommen.Viele Firmen verlangen die Ausreizung der Schichtzeit oder auch Lenkzeit,was nicht fair ist.Wer früher stoppt,kann auch früher anfangen.Die Fahrer schlafen die ganze Woche im Lkw,oft auf lauten Parkplätzen,also keine ruhige erholsame Nacht,danach wieder einen 13-15 Std.Tag?
Hinzu kommt das wir ständig selber auf und abladen müssen bei den Discountern,dort noch Paletten umpacken Folie weg....etc.wo führt das alles hin?Ständig unter Kontrolle stehen,sich anpöbeln lassen müssen und Lagerarbeiten verichten.Wo führt das noch hin?Der Job macht nur noch krank,reihenweise sind alte Kollegen von mir gestorben und konnten die Rente nicht erreichen.Es muss eine komplett neue Regelung her,ganz dringend.

14 + 11 sind 25

Richtig wäre das 11 std bei einer 13 std Schichtzeit genommen werden. Und nicht wie von ihnen dargestellt 11 std Pause und 14 std Schichtzeit.
2 mal wöchentlich 15 std Schichtzeit und 9 std Pause 1 mal wöchentlich 15 std Schichtzeit wenn in der Zeit 3 std am Stück gestanden wurde. Rest der Woche 13 std Schichtzeit und 11 St Pause.

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6207216?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F