Fr., 07.12.2018

Ausstellung zur NS-Zeit: CDU stimmt gegen den Antrag der SPD Spaltung in der Gemeinde befürchtet

Foto: Repro Bluhm-Weinhold

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen  (WB). Wie arbeitet man Ortsgeschichte auf? Eine Frage, die sich am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss zur Streifrage entwickelte. Die SPD will zum kürzlich veröffentlichten Buch »Steinhagen im Nationalsozialismus« von Dr. Jürgen Büschenfeld 2019 eine Ausstellung konzipieren lassen. Die CDU lehnt das ab.

5000 Euro möchte die SPD in den Haushalt eingestellt wissen, damit die Fotodokumente aus dem Buch gezeigt werden können: Sie seien ein wichtiges Zeitdokument und vermittelten Geschichte auf eine andere Art und Weise als das geschriebene Wort, heißt es in dem Antrag. »Wir freuen uns über das Buch und halten es für fachlich hervorragend. Es ergänzt Studien für den Großraum um den Blick auf unseren lokalen Raum«, sagte Heiko Hartleif (SPD). Schulen könnten damit arbeiten, für die Bürger sei es interessant. Der Autor Jürgen Büschenfeld sollte an der Ausstellung beteiligt sein.

CDU nimmt Unruhe im Dorf nach Veröffentlichung wahr

Die CDU-Fraktion hingegen befürchtet eine »Spaltung der heute lebenden Generation aufgrund von 70 Jahre zurückliegenden Ereignissen«, wie Herbert Mikoteit sagte. Seine Fraktion habe lange über den Antrag beraten, werde aber erneut ablehnen. Die Gründe sind die gleichen wie 2014, als die SPD den Antrag stellte, die NS-Zeit in Steinhagen wissenschaftlich aufzuarbeiten: Durch Namensnennung könnten bestehende Nachbarschaften auseinanderbrechen oder Nachfahren betroffener Familien in Sippenhaft genommen werden. »Daran kann eine Gemeinde zerbrechen.«

Es habe nach der Veröffentlichung des Buches schon Unruhe im Dorf gegeben, sagte Mikoteit. Das Buch sei sicher korrekt recherchiert und gebe öffentlich zugängliche Daten aus den Archiven wider, auch seien die Namen den Steinhagenern eigentlich bekannt: »Trotzdem ist es ein Unterschied, um eine Sache nur zu wissen oder sie in einem Buch einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.«

Gesprächsrunden zur Ausstellung gefordert

Mikoteit fragte, was die Fotodokumentation zusätzlich zum Buch überhaupt bezwecke und forderte eine konstruktive Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit: »Wir sind der Meinung, die geplante Fotoausstellung allein kann das nicht.« Dazu bedürfe es Diskussionsrunden und Gesprächskreise.

FDP-Fraktionsvorsitzende Silke Wehmeier sagte, einerseits sei es sinnvoll, das Erscheinen des Buchs mit einer Ausstellung abzuschließen, weil Geschichte greifbarer werde, andererseits dürfe das nicht in eine persönliche Betroffenheit von Bürgern münden. Die Ausstellung sei mit Sensibilität zusammenzustellen. Die FDP stimmte dem SPD-Antrag aber zu.

Ausstellung muss schnell folgen – nicht erst 2020

SPD und Grüne reagierten mit Unverständnis: »Bei einem solchen Buch geht es nicht darum, Schuld aufzubauen. Die Argumentation der CDU würde jede Form von Ortsgeschichte verbieten«, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Sabine Godejohann. Herbert Mikoteit gab sie den Tipp: »Wenn Sie sagen, dass darüber gesprochen werden muss, dann initiieren Sie Diskussionsrunden. Das kann eine Ausstellung nicht leisten.«

Schul- und Kulturamtsleiterin Gabi Schneegaß teilte mit, dass Jürgen Büschenfeld sich nicht in der Lage sieht, 2019 die Fotos aus den Landesarchiven für eine Ausstellung zu beschaffen. Bürgermeister Klaus Besser regte aber an, dass das auch jemand anderer machen könnte. Silke Wehmeier hält eine Ausstellung 2020 für zu spät: »Das muss jetzt passieren.«

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