Fr., 04.01.2019

Mehr Schüler ins Studium bringen: Gymnasium Steinhagen nimmt teil an NRW-Scouting-Projekt Talente finden und fördern

Talentscout Anne Bühner (links) und Sonja Klose, als Jahrgangsstufenleiterin zuständig für die Studien- und Berufswahl, freuen sich über die Zertifizierungsplakette.

Talentscout Anne Bühner (links) und Sonja Klose, als Jahrgangsstufenleiterin zuständig für die Studien- und Berufswahl, freuen sich über die Zertifizierungsplakette. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen (WB). Kaufmännische Ausbildung oder Studium? Der Steinhagener Gymnasiast Bastian war lange unschlüssig. Seine Eltern haben nicht studiert, in der Schule flog ihm keineswegs alles zu. Doch ein Gespräch mit Talentscout Anne Bühner, Diplom-Pädagogin an der Uni Bielefeld, hat ihm neue Perspektiven eröffnet – und eine Vision.

Inzwischen studiert Bastian an der FH Bielefeld Maschinenbau, später will sich der Star-Wars-Fan auf Raumfahrttechnik spezialisieren. Er hat von einem Projekt profitiert, das seit 2017 auch an 54 Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs in OWL angeboten wird und sich Talentscouting nennt. Auch Steinhagens Gymnasium ist aufgenommen worden und am 14. November in Detmold bei der Bezirksregierung mit der Plakette »Schule im NRW-Talentscouting« ausgezeichnet worden.

Viel Potenzial, aber auch Hinterungsgründe

Finanziert vom NRW-Wissenschaftsministerium über vier Jahre nimmt das Projekt vor allem Schülerinnen und Schüler in den Blick, die das Potenzial für den Hochschulbesuch haben – aber auch Hinderungsgründe: Eltern, die nicht studiert haben und somit nicht beratend zur Seite stehen können, schwache finanziellen Ressourcen, Migrationshintergrund oder schwierige familiäre Verhältnisse. »Das sind diejenigen, die kaum, nur zu einem Viertel, an Hochschulen gehen. Von den Akademikerkindern schaffen es drei Viertel«, sagt Anne Bühner, die selbst in Dortmund Erziehungswissenschaft und Psychologie studiert hat und als Talentscout über ein Jahr ausgebildet worden ist.

Sie bezeichnet sich selbst als »Reiseführerin« durch eine verwirrende Welt von 19.800 Studiengängen und mehr als 300 Ausbildungsberufen. Sie will Schülern durch gezielte Beratung den Weg bereiten. Wichtig dabei: »Ich öffne Türen, aber ich trage keinen hindurch.« Die Eigenmotivation der Schüler ist oberste Voraussetzung. Doch darüber hinaus verläuft die Begleitung »langfristig, ergebnisoffen und individuell« – so die Prinzipien des Talentscouts.

20 Steinhagener Gymnasiasten sind im Projekt

20 Steinhagener Schülerinnen und Schüler haben schon die Beratung genossen oder genießen sie aktuell. Lehrerin Sonja Klose hat sich für das Projekt beworben: »Ich war zum Start Jahrgangsstufenleiterin für die Q1 und hatte ganz konkret zwei, drei geeignete Schüler vor Augen. Für die hatte ich gehofft, dass das Projekt klappt.« Nach dem ersten Gespräch mit Anne Bühner, das dem Kennenlernen mit Biografie und der persönlichen Lebenssituation dient, wartet Sonja Klose ab, ob sich die Schüler bei ihr für weitere Beratungen melden.

»Manche brauchen nur ein einziges Gespräch, einen Impuls. Andere sehe ich öfter, und manche begleite ich auch im Übergang zur Hochschule. Insbesondere Bewerbung, Einschreibung und die erste Zeit an der Uni sind schwer«, weiß Bühner, die gemeinsam mit Kollegin Jasmin Schaumburg für die Schulen in Bielefeld und im Kreis Gütersloh zuständig ist. Einmal pro Monat sind sie an jeder Schule, Zeit ist dann für sechs Scouting-Gespräche von je 30 Minuten. Vier bis fünf Beratungsgespräche führen sie im Schnitt mit jedem. Auf OWL-Ebene sind mehr als 1000 Schüler im Projekt.

Ergebnisoffen und individuell

Wenn Anne Bühner betont, ergebnisoffen und individuell zu arbeiten, dann meint sie damit, dass sie für jeden seinen ganz persönlichen besten Weg suchen hilft – der muss nicht unbedingt an die Hochschule führen, sondern kann auch Berufsausbildung heißen. Was ihr wichtig ist: auch die Türen zu Stipendien öffnen, unabhängig von Zeugnisnoten. »Viele engagieren sich in Ehrenämtern, sind zu Hause besonders eingespannt oder jobben. Wir müssen Leistung im Kontext sehen.«

Anne Bühner ist gut vernetzt mit den 70 bis 80 Talentscouts in NRW. So können auch exotische Wünsche erfüllt werden – etwa der nach einem Studium der Pferdewirtschaftoder der Luft- und Raumfahrt.

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