Fr., 15.03.2019

Hegering Steinhagen beklagt Schäden für brütende Vögel Unangeleinte Hunde machen Wildtieren Stress

Unangeleint durch Feld und Wiese – so wie auf diesem Bild sollte es gerade jetzt zur Brut- und Setzzeit eben nicht sein. Die Jagdpächter wünschen sich die Einsicht aller Herrchen und Frauchen, ihre Vierbeiner anzuleinen.

Unangeleint durch Feld und Wiese – so wie auf diesem Bild sollte es gerade jetzt zur Brut- und Setzzeit eben nicht sein. Die Jagdpächter wünschen sich die Einsicht aller Herrchen und Frauchen, ihre Vierbeiner anzuleinen. Foto: dpa

Von Volker Hagemann

Steinhagen (WB). Immer wieder wird Hegeringsleiter Frank Meise in diesen Tagen von Jägern auf freilaufende Hunde im Außenbereich angesprochen. Das sei gerade jetzt zur Brut- und Setzzeit ein großes Problem, sagt er.

Denn Tiere wie Kiebitze, Rebhühner, Brachvögel und viele andere befänden sich jetzt in ihrer Brutzeit, beispielsweise auch in den Ströher Wiesen. »Unangeleinte Hunde bedeuten großen Stress für brütende Tiere und erst recht für Jungtiere«, erklärt Frank Meise. »Die Hunde müssen gar nicht einmal immer gleich auf andere Tiere losgehen; es reicht schon, dass sie grundsätzlich ohne Leine frei durch Wiesen, Felder und Wälder laufen können, sei es nur aus Neugier oder Spieltrieb. Das sorgt bei Vögeln und anderen Wildtieren für Unruhe, und oft bleiben dann zahlreiche Gelege unbebrütet – oder es werden erst gar keine Eier gelegt«, beschreibt er die dramatischen Folgen.

Vögel brüten jetzt, Ricken sind bereits hochtragend

Der Hegering appelliert daher an die Vernunft aller Hundehalter: »Selbst wenn auf den ersten Blick weit und breit scheinbar keine anderen Tiere zu sehen sind – es ist wichtig, gerade jetzt im Außenbereich die Hunde an der kurzen Leine zu führen«, bittet Frank Meise, der selbst Hundehalter ist. »Auch die ersten Hasen kommen jetzt bald zur Welt, und viele Ricken sind ebenfalls hochtragend; Ende März dürften die ersten Rehkitze geboren werden.«

Verständnis für die Hundehalter – trotzdem Appell an alle zum Anleinen

Frank Meise und seine Jagdkollegen wollen niemandem etwas Böses und keinesfalls alle Hundehalter über einen Kamm scheren, wie er ausdrücklich betont. »Wir haben durchaus Verständnis dafür, dass Hunde viel Bewegung brauchen. Bleibt man mit ihnen auf den Wegen, ist das auch völlig in Ordnung. Dennoch sind leider längst nicht alle Hundehalter einsichtig, wenn wir sie höflich auf das Thema ansprechen«, beobachtet er immer wieder. »Es hilft auch nicht, zu sagen: ›Der hört immer auf mich‹. Jeder Hund macht mal etwas Blödsinn«, weiß Meise selbst. »Und leider hat eben nicht jeder sein Tier im Griff.«

Darüber hinaus stellten unangeleinte Hunde ein Problem dar, wenn sie in freier Landschaft buddeln, so der Hegeringsleiter: »Dabei müssen die Landwirte die Felder für Ernte und Futtermittelgewinnung nutzen können.«

"

Wir Jäger werden leider oft pauschal als die Bösen hingestellt, die nur Tiere abknallen.

Frank Meise, Hegering Steinhagen

"

Meise und seine Kollegen haben zudem mit einem Imageproblem zu kämpfen: »Wir Jäger werden gerne pauschal als die Bösen hingestellt, die wahllos Tiere abknallen. Das ist natürlich Quatsch. Wir legen beispielsweise freiwillig Grünstreifen an, um das Niederwild zu erhalten, stellen Saatgut zur Verfügung, um mit Biotopflächen, Wildäckern und Wiesen auch etwas für die Insekten zu tun«, gibt er nur einige Beispiele.

Der Kiebitz ist ohnehin schon stark bedroht

Wie wichtig der Schutz der am Boden brütenden Vogelarten ist, zeigt das Beispiel des Kiebitz: Noch vor 50 Jahren war er auf Feldern und Wiesen in Deutschland häufig zu sehen. Heute ist er aus vielen Agrarlandschaften verschwunden. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) gilt er mittlerweile sogar als stark gefährdet.

Zwischen 1992 und 2016 sind die Kiebitz-Bestände hierzulande um 88 Prozent zurückgegangen. Als Hauptgrund nennt der NABU die hochintensive Landwirtschaft, die Feuchtwiesen trockenlegt und zu Ackerland macht oder die Bewirtschaftung nicht an die Bedürfnisse der Wiesenbrüter anpasst. Umso wertvoller sind Feuchtwiesen wie auf dem Ströhen, und umso wichtiger ist es, den Tieren nicht zusätzlich Stress zu verursachen.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6471063?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F