Sa., 16.03.2019

Landrat diskutiert mit CDU-Senioren »Lügde kann auch hier passieren, aber...«

Vorsitzender Jürgen Kies (links) begrüßt Landrat Sven-Georg Adenauer bei der Seniorenunion.

Vorsitzender Jürgen Kies (links) begrüßt Landrat Sven-Georg Adenauer bei der Seniorenunion. Foto: Bluhm-Weinhold

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen   (WB). Kann ein Fall wie in Lügde auch im Kreis Gütersloh passieren? »Ja, das kann hier auch passieren, aber wir tun alles dafür, um eine solche theoretische Wahrscheinlichkeit auszuschließen«, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer jetzt bei der CDU-Seniorenunion in Steinhagen.

Alt-Bürgermeister Heinrich Consbruch hatte den Gast aus Gütersloh, oberster Chef sowohl der Kreisverwaltung als auch der Polizeibehörde, bei der Versammlung in der Alten Feuerwehr auf den Missbrauchs-Skandal in Lippe und die in Misskredit geratenen Behörden und Behördenleiter angesprochen. Adenauer sagte: »Der Kindesmissbrauch ist ein Thema, das alle betroffen macht. Ich habe mich mit unserem Jugendamt zusammengesetzt und rekapituliert: Welche Sicherungsvorkehrungen haben wir? Reicht das?«

Der Landrat erklärte: »Bis jemand ein Pflegekind bekommt, sind hohe Hürden zu nehmen. Wir haben ein feinjustiertes System, das effizient arbeitet. Aber wenn jemand kriminelle Energie hat und uns etwas vormacht, ja, dann könnte uns das auch passieren.« Die Entscheidung der Jugendämter der Kreise Hameln und Bad Pyrmont aber nennt er einen Skandal, denn: »Man kann doch an den äußeren Umständen auf dem Campingplatz schon sehen, dass sich dort kein Kind wohl fühlen würde.«

»Hier haben gleich zwei Jugendämter versagt«

»Wäre es auch im Kreis Gütersloh möglich, dass ein alleinstehender Mann, der auf einem Campingplatz lebt, überhaupt ein Pflegekind zugesprochen bekommt?«, wollte Herbert Mikoteit wissen. »Ich hätte dazu nicht Ja gesagt. Ich verstehe nicht, dass hier gleich zwei Jugendämter versagt haben«, sagte Adenauer deutlich.

»Der zweite Skandal ist die Aufarbeitung«

»Der zweite Skandal ist die Aufarbeitung«, so Adenauer. Unfassbar finden die CDU-Senioren die zweite Dimension des Falles: die Abgründe, die sich in der lippischen Polizei auftun. Wie kann es etwa sein, dass ein Polizeibeamter aus dem Kreis Gütersloh, der wegen des Besitzes tausender kinderpornografischer Dateien 2013 zu 3200 Euro Geldstrafe verurteilt worden ist, in Lippe weiterarbeiten darf? Mit dem Fall Lügde ist er dort nicht befasst. »Ich wollte ihn damals entlassen«, betonte Adenauer. Aber vor dem Verwaltungsgericht bekam der Polizist Recht und kam nach Lippe. »So etwas wirft ein schlechtes Licht auf die Polizei«, meinte der Landrat. »Wie soll man der Polizei noch vertrauen?«, fragte Herbert Mikoteit.

»Wir brauchen härtere Urteile«

Jochen Drewitz meint, dass auch die Justiz andere Urteile fällen müsse. Adenauer stimmt dem zu: »Es passiert unseren Beamten, dass Leute, die sie festgenommen haben, wieder freigelassen werden. Die Justiz ist sicherlich überlastet. Aber wir brauchen auch härtere Urteile. Denn harte Strafen schrecken ab.« Zudem ist es seiner Meinung nach wichtig, dass die Strafe auf dem Fuße folgt: »Wir führen Gespräche mit Richtern und Staatsanwälten auf beschleunigte Verfahren. Wenn ein Delikt gleich bestraft wird, hat das eine andere Wirkung als wenn es Monate bis zum Prozess dauert.«

»Die Menschen im Kreis waren noch nie so sicher«

Nicht nachvollziehbar finden die Steinhagener CDU-Senioren hingegen, dass sich Innenminister Herbert Reul (CDU) Kritik im Fall Lügde gefallen lassen muss, etwa von der Opposition. Adenauer wurde beauftragt, ihm persönlich Dank aus Steinhagen auszurichten: »Denn wir hatten noch nie eine so große innere Sicherheit in NRW«, sagte Heinrich Consbruch. Am Freitag traf Adenauer Reul in Düsseldorf.

Zumal der Landrat zuvor berichtet hatte: »Die Menschen im Kreis Gütersloh haben noch nie so sicher gelebt wie derzeit.« 2003 wurden 25.000 Straftaten registriert, 2018 noch 16.512 – minus 35 Prozent. Die Zahl der Einbrüche hat sich von 719 im Jahr 2015 auf 240 im vergangenen Jahr reduziert. »Aber die Kehrseite ist, dass Polizei angezogen wird. Darüber will ich mit dem Minister sprechen. Denn wenn wir weniger Polizei haben, spricht sich das herum«, warnte er mit Blick auch auf den A33-Lückenschluss: »Um zu vermeiden, dass osteuropäische Banden hier Wohnungseinbrüche begehen, ergreifen wir Maßnahmen.«

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