Do., 16.05.2019

Nach 43 Jahren muss sich Steinhagener Pflanzenfreundin Ulrike Sprick neue Bleibe suchen – mit Video Abschied vom Kräuterkotten

Durchblick im Grünen: »Ich kenne alle Pflanzen bei ihrem Vornamen«, sagt Ulrike Sprick augenzwinkernd. Wo sie ihr künftiges Domizil haben wird, steht in den Sternen; doch auch dort soll wieder Grünes, Blühendes und Heilsames Platz finden.

Durchblick im Grünen: »Ich kenne alle Pflanzen bei ihrem Vornamen«, sagt Ulrike Sprick augenzwinkernd. Wo sie ihr künftiges Domizil haben wird, steht in den Sternen; doch auch dort soll wieder Grünes, Blühendes und Heilsames Platz finden. Foto: Volker Hagemann

Von Volker Hagemann

Steinhagen-Brockhagen (WB). Ihr paradiesisches Gartenreich hat sie fast ein halbes Jahrhundert lang wachsen lassen, ganz behutsam gestaltet. Besuch kam aus Steinhagen und von weiter her, sogar aus der Mongolei. Doch nach 43 Jahren muss Ulrike Sprick ihren Kräuterkotten in Brockhagen bald verlassen.

Nur wenige hundert Meter Luftlinie sind es bis zu Hörmann und WLS. Und dennoch: Wer sich über den Feldweg am Waldrand entlang dem kleinen Fachwerkkotten von Kräuterfachfrau Ulrike Sprick nähert, wähnt sich weitab des Trubels – und steht plötzlich auf fast verwunschenem Terrain. Grünes und Blühendes darf sich hier natürlicher als anderswo ausbreiten. Hier zeigt sich, welche Schönheit Spitzwegerich, Löwenzahn, Beifuß, Giersch und weitere Wildkräuter entwickeln können – wenn man sie lässt. Die chemische Keule ist bei Ulrike Sprick gottlob undenkbar. Und vor allem weiß sie, wie sich viele dieser Wildpflanzen als Mittel gegen manches Leiden verwenden lassen.

Mit alldem ist – zumindest an diesem herrlichen Ort – bald Schluss. Der Eigentümer hat Eigenbedarf angekündigt. »Nach 43 Jahren habe ich die Nachricht mit einer gewissen Gelassenheit aufgenommen«, berichtet Sprick. »Im kommenden Herbst soll eine junge Familie mit Kindern einziehen. Sie werden meine Nachfolger; es ist mir wichtig, dass meine Oase hier erhalten wird«, hofft die langjährige Mieterin. Böse sei sie nicht: »Es ist der richtige Zeitpunkt, denn bei aller Natürlichkeit bedeutet es einen riesigen Pflegeaufwand. Das braucht viel Kraft.«

Kleines Häuschen im Grünen wäre schön

Ihrer Leidenschaft als »Kräuterhexe«, wie viele sie längst liebevoll nennen, möchte Ulrike Sprick weiterhin frönen, sucht einen kleineren geeigneten Ort dafür, ein Häuschen im Grünen.

Das mehrere tausend Quadratmeter große Areal in Brockhagen ist nach und nach entstanden, Sprick entdeckte das Häuschen auf einem umgepflügten Acker 1976 zufällig durch einen Tipp ihrer Schwägerin: »Als ich um die Ecke bog, wusste ich: Das ist es!« Denn Pflanzen waren schon als Kind ihre Leidenschaft: »Mit vier Jahren habe ich halbtote Pflänzchen vom Kompost erfolgreich zurück ins Beet gerettet, sogar aus dem Abfallbehälter des Friedhofs. Es sind schließlich Lebewesen, Pflanzen sind beseelt.«

Heilkräuter im Selbstversuch zusammengestellt

Als Sprick, damals Fremdsprachensekretärin bei den britischen Streitkräften in Bielefeld, länger erkrankte, verschrieb ihr ein Heilpraktiker gepresste Pflanzen – »die mich erfolgreich heilten. Das war der Türöffner zur Pflanzenwelt. Ich habe in den Buchhandlungen ständig nach Kräuterbüchern gestöbert. In meinem neuen Domizil am Kotten konnte ich dann alles anbauen und ausprobieren. Ich war mein bestes Versuchskaninchen.«

Auch ein Schamane aus der Mongolei war schon da

Das sprach sich zunehmend bei Freunden und Bekannten herum, es entstanden gemeinsame Kräutergänge und Kochrunden. Und als Ulrike Spricks späterer Arbeitgeber Torrington dicht machte, sagte sie sich: »Arbeitslos, aber nicht einfallslos. Also habe ich die Kräuterküche ins Leben gerufen.« Das Programm wuchs, umfasst Kochkurse, Vorträge am Kamin, Meditationen, Gartenfeste, Mai- und Mittsommerfeiern am Lagerfeuer. »Am spannendsten fand ich den Besuch der ›Wilden Karawane‹, die durch die Natur wandern, und die Heilungszeremonie mit dem Schamanen Okoo. Der kam über seinen in Versmold lebenden Bekannten extra aus der Mongolei nach Brockhagen«, erinnert sich Ulrike Sprick.

Weise Frauen einst zu Unrecht als »Hexen« verurteilt

Die Brockhagenerin blickt dankbar auf die vergangenen Jahrzehnte zurück und ist gespannt, wo sie sich künftig niederlassen kann. Und was sie dort anpflanzen könnte. »Mit meinem angesammelten Kräuterwissen sehe ich es auch als Pflicht an, durch meine Kurse die früher zu Unrecht als ›Hexen‹ verurteilten weisen Frauen zu rehabilitieren.«

Offene Gartenpforten am Sonntag, 19. Mai

  • Zum letzten Mal lädt Ulrike Sprick für Sonntag, 19. Mai, noch einmal zum Fest anlässlich der »Offenen Gartenpforten« ein. Fast 20 Aussteller sind mit Pflanzen, Gartendeko und Kunsthandwerk dabei, Musik und Verpflegung gibt’s auch. Beginn ist um 11 Uhr am Kräuterkotten, Gütersloher Straße 57. Kräuterrundgang ist um 14 Uhr.
  • Ebenfalls am Sonntag, 19. Mai, öffnet Athina Eleni Naoumi von 11 bis 18 Uhr ihren naturnahen Garten an der Harsewinkler Straße 21. Auch hier finden zahlreiche Kräuter und weitere Pflanzen Platz, ergänzt von vielen dekorativen Stücken.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6615446?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F