Fr., 17.05.2019

»Umweltbelastung« bis »Pleite«: Roland Gerstmayr aus Steinhagen wehrt sich gegen fragwürdige Vorwürfe Ein Entsorger kämpft um seine Existenz

Nur ein Beispiel, mit dem er kämpft: Diesen Resthaufen aus alten Sporthallenböden und Trittschalldämmung soll Roland Gerstmayr bis Oktober auf maximal 300 Tonnen abgebaut haben. Von einst 10.000 (!) Tonnen, die sein Vorgänger hinterließ, sind es schon jetzt nur noch 380. Dennoch rügt ihn die Bezirksregierung.

Nur ein Beispiel, mit dem er kämpft: Diesen Resthaufen aus alten Sporthallenböden und Trittschalldämmung soll Roland Gerstmayr bis Oktober auf maximal 300 Tonnen abgebaut haben. Von einst 10.000 (!) Tonnen, die sein Vorgänger hinterließ, sind es schon jetzt nur noch 380. Dennoch rügt ihn die Bezirksregierung. Foto: Volker Hagemann

Von Volker Hagemann

Steinhagen-Amshausen (WB). Der plötzliche Rückzug eines großen Auftraggebers, Altlasten des Vorgängers, Vorwürfe der Bezirksregierung über angebliche Umweltbelastungen und das Gerücht der kompletten Insolvenz: Der Amshausener Entsorgungsfachmann Roland Gerstmayr kämpft derzeit an vielen Fronten.

Das Betriebsgelände der Firma Gerstmayr in Ascheloh macht auf den ersten Blick einen geordneten Eindruck. Was auffällt: Mehrere erst ein bis zwei Jahre alte Lkw stehen ungenutzt auf dem Gelände. »Die hatten wir zum Teil erst vergangenes Jahr angeschafft«, erklärt Roland Gerstmayr, Vater des Geschäftsführers Alexander Gerstmayr. Denn 2018 hatte er mit einem großen süddeutschen Lebensmittel-Discounter eine Vereinbarung getroffen: Dieser will selbst ins Abfallgeschäft einsteigen und wollte dafür auch den Steinhagener Entsorgungsbetrieb übernehmen – Gerstmayr mit seinen 27 Angestellten hätte dadurch von großen Aufträgen profitiert.

Großer Discounter sprang ab und gab Tönsmeier den Zuschlag

Dann der Schock: Nach Gerstmayrs Darstellung kündigte der Discounter zum 30. November 2018 den Vertrag – »ohne Angabe von Gründen, und für ein persönliches Gespräch war niemand mehr erreichbar«, berichtet Roland Gerstmayr, dem so der größte Auftraggeber wegbrach. Statt dem Amshausener Unternehmen gab der Handelsriese auf einmal der Entsorgungsfirma Tönsmeier aus Porta Westfalica den Vorzug und übernahm diese für ihr geplantes großes Abfallgeschäft.

Andere bisherige Auftraggeber seien schwer zu halten, weil das Image des Entsorgers seit kurzem angekratzt ist – zu Unrecht, sagt Gerstmayr: »Zuletzt wurde gar eine angebliche Pleite in die Welt gesetzt.« Richtig sei: »Eine der drei ansässigen Firmen, die Gerstmayr Entsorgung & Recycling, hat Insolvenz angemeldet.« Mit nur noch sieben Angestellten will man aber den Betrieb weiterführen.

Hinterlassenschaften des Vorgängers

Dabei kämpft man noch mit Hinterlassenschaften eines Vorgängers, der vorübergehend die Entsorgungsaufgaben auf Gerstmayrs Grundstück erfüllte. »Dieser hinterließ einen zehntausend Tonnen großen Abfallberg aus alten Sporthallenböden und Trittschalldämmung. Mit der Bezirksregierung Detmold einigten wir uns im Februar 2019 auf dessen Entsorgung bis spätestens Oktober 2019.« Schon jetzt ist der Haufen auf 380 Tonnen – nur noch knapp vier Prozent der Ursprungsmenge – geschrumpft, ab Oktober dürfen dann maximal 300 Tonnen Kunststoff auf dem Gelände gelagert werden.

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Wir haben nichts zu verbergen. Alle beklagten Missstände sind sofort nach Bekanntgabe abgearbeitet worden.

Roland Gerstmayr

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Trotz dieser Frist wirft ihm die Bezirksregierung nach ihrer »Umweltinspektion« wieder die Überschreitung der genehmigten Lagerkapazität vor – ein »schwerwiegender Mangel«. Kopfschütteln bei Roland Gerstmayr: »Den Bericht erhielt ich erst am 5. März 2019 – gut sechs Monate nach der Prüfung.« Weiterer Vorwurf: die »nicht ordnungsgemäße Lagerung von Elektroaltgeräten und gewerblichen Mischabfällen«. Gerstmayr erinnert sich: »Bei einer Inspektion wurden in einem Metallschrott-Haufen diverser Elektroschrott wie PC-Einzelteile, eine Lampe und eine Bohrmaschine gefunden. Der Haufen war gerade erst angeliefert worden, er musste doch erst noch geprüft und nachsortiert werden.«

Der Firmenchef beteuert: »Wir haben nichts zu verbergen. Alle beklagten Missstände sind sofort nach Bekanntgabe abgearbeitet worden.« Auch als jemand, der als Vorsitzender der Schützengesellschaft Halle in der Öffentlichkeit steht, sorgt er sich um seinen Ruf. Alexander und Roland Gerstmayr hoffen nun, wenigstens bisherige Auftraggeber halten zu können. »Viele Vorwürfe machen ungeprüft die Runde. Das kann einem Betrieb das Genick brechen.«

Betrieb 1992 gegründet: Es gab nie wesentliche Beanstandungen

Die Entsorgungsfirma Gerstmayr wurde 1992 gegründet. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal am Ascheloher Weg in Amshausen trennt das Unternehmen Gewerbeabfälle wie Kunststoffe, Papier, Schrott und andere Metalle, Holz und Bauschutt, unter anderem mit Hilfe einer Sortieranlage. Was nicht recycelt und in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden kann, wird auf Deponien und in der Müllverbrennungsanlage entsorgt.

Das Unternehmen ist zertifiziert; vor den jetzigen Vorwürfen der Bezirksregierung waren sämtliche Betriebs- und Umweltprüfungen nach Unternehmensangaben schon seit der Firmengründung ohne wesentliche Beanstandung.

 

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