Mo., 27.05.2019

Australian Shepherd hetzt in Steinhagen hinter Hasen her – Hundehalter fühlt sich von Jäger bedroht Streit um freilaufenden Hund

Der Butterweg verläuft parallel zum Upheider Weg zwischen Steinhagen und Amshausen – ein von Feldern und Wiesen geprägter Bereich, der sich zwischen der Autobahn und der Amshausener Siedlung an der Bahnlinie erstreckt.

Der Butterweg verläuft parallel zum Upheider Weg zwischen Steinhagen und Amshausen – ein von Feldern und Wiesen geprägter Bereich, der sich zwischen der Autobahn und der Amshausener Siedlung an der Bahnlinie erstreckt. Foto: Bluhm-Weinhold

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen-Amshausen  (WB). Eine Begegnung zwischen einem Hundehalter und einem Jagdpächter ist am Donnerstagabend am Butterweg in Amshausen eskaliert. Am Ende stehen drei Anzeigen bei der Polizei. Auslöser war ein Hund, der hinter Hasen hergejagt ist.

Der Hund, ein Australian Shepherd, gehört dem Gütersloher Tobias Rüffert, der alle paar Wochen, wie er sagte, mit seiner Lebensgefährtin und dann zwei Hunden im Bereich des Upheider Weges unterwegs ist. So auch am Donnerstagabend. »Wir wollten, dass sich die Hunde etwas austoben«, so Rüffert im Gespräch mit dem WESTFALEN-Blatt. Während der Hund sein Geschäft auf einer Wiese machte, hat er nach Darstellung Rüfferts einen Hasen aufgeschreckt und ist ihm nachgejagt. »Ich war einen Moment unaufmerksam«, so der Halter. Der Hund rannte los: »Mein Hund war nicht mehr ansprechbar. Das muss ich zugeben. Aber er kam dann zurück, und hat dabei einen zweiten Hasen aufgeschreckt.«

Hundehalter verärgert über Art und Weise der Beschimpfung

Das Geschehen sei von einem Jäger und einem Bauern von einem Hof aus beobachtet worden. Der Jäger sei mit seinem Auto auf ihn und seine Lebensgefährtin zugerast – »das Gewehr auf dem Rücksitz« – und habe sie angeschrien: »Wir sollten sofort den Hund unter Kontrolle bringen, sonst würde er erschossen.« Er sei sehr aggressiv gewesen, habe in einem Affenzahn mit seinem Auto den Hund verfolgt, sei dann zurückgekommen und habe zweimal seine Absicht wiederholt, den Hund zu erschießen, wie Rüffert schilderte, sowie weitere Beschuldigungen erhoben, »für Sachen, die hätten passieren können«. Was Tobias Rüffert ärgert: »Die Art und Weise, wie der Jäger uns beschimpft hat, stand im keinem Verhältnis zu dem Ereignis.«

Jagdpächter – oder vielmehr: Jagdschutzbeauftragter, wie die korrekte Bezeichnung lautet – ist in diesem Bereich Horst Pohlmann. Er sagte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT: »Ich habe nicht gedroht, den Hund zu erschießen. Ich habe gesagt, dass ich das Recht habe, den Hund zu erschießen.« Unbeeindruckt von den Rufen des Hundehalters, habe der Hund insgesamt drei Hasen in unterschiedliche Richtungen gehetzt, so Pohlmann. »Eine schlimme Situation«, sagte er. Und: »Die Angelegenheit ist sehr emotional aufgenommen worden.« Auch Pohlmann sah sich als Jäger beschimpft.

Jäger spricht von unverständlichem Verhalten zur Brut- und Setzzeit

»Tatsache ist, dass der Hund gewildert hat. Zur Setz- und Brutzeit ist das absolut unverständlich«, so Pohlmann. Der Hund sei bereits öfter freilaufend in dem Gebiet gesehen worden, sagte er. »Es ist unverantwortlich, dass man, wenn man weiß, dass der eigene Hund wildert, ihn frei laufen lässt und meint, er will nur spielen.« Pohlmann sagte, er sei hinter dem Hund hergefahren und hätte dabei auch aufs Gas gedrückt: »Denn ich hatte eine halbe Stunde vorher noch an der Bahnlinie Rehe gesehen und hatte Angst um die Tiere.«

Pohlmann schilderte, das er einige Tage vorher an der Bahnlinie eine Ricke tot aufgefunden habe, die augenscheinlich noch ein Kitz säugte: »Wir haben das Kitz gefunden und gerettet. Es wird jetzt von Hand aufgezogen.« Ob das Reh von einem Hund gestört worden und vor den Zug gelaufen sei, ließ sich nach Schilderung Pohlmanns nicht mehr feststellen, als ihm das tote Tier gemeldet worden sei. »Aber so etwas geschieht durch Beunruhigung des Wildes.« Im Bereich des Butterweges, der eigentlich ein ruhiges Gebiet sei, gebe es einen Bestand an Rehen, für die die Bahn keine Gefahr sei.

Drei Anzeigen bei der Polizei

Horst Pohlmann sagt, er habe »konsequent durchgegriffen«. Er rief die Polizei, die am Butterwegs nicht nur seine Anzeige gegen den Hundehalter aufnahm, sondern auch dessen Anzeige wegen Bedrohung gegen den Jagdschutzbeauftragten. Eine dritte Anzeige erstattete Rüfferts Lebensgefährtin wegen Beleidigung und Bedrohung gegen den Landwirt. Horst Pohlmann hat zudem das Steinhagener Ordnungsamt informiert.

Der Hegering Steinhagen hat bereits vor Wochen die Hundehalter auf die Brut- und Setzzeit der Wildtiere hingewiesen und um besondere Rücksichtnahme gebeten. Vor allem sollten sie die Wege nicht verlassen, um die Tiere nicht aufzuscheuchen. Hegeringleiter Frank Meise sagte gestern: »Während der Brut- und Setzzeit herrscht Leinenzwang in der ganzen Gemeinde.«

Kommentare

Der Jäger hat alles richtig gemacht!

Ich stelle mich voll und ganz hinter den Jäger! Einsicht und Anstand sind unter Hundehaltern leider nicht weit verbreitet. Unverschämtheiten haben unglaublich zugenommen, von Anleinen, Maulkorb etc. ganz zu schweigen. Es werden keine Regeln mehr beachtet. Alles ist voll mit Hundedreck! Über Artenrückgang, insbesondere bei Bodenbrütern oder Feldhasen, braucht sich niemand mehr wundern. Man sieht mittlerweile mehr Hunde als Kinder, am besten gleich mindestens drei auf einmal. Der Jäger hat aus meiner Sicht völlig richtig gehandelt.

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