Fr., 14.06.2019

Bewusstsein für Lebensmittel geschärft: Premiere der Schnippeldisco in Steinhagen kommt gut an – mit Video So schön kann Resteverwertung sein

Foto: Volker Hagemann

Von Volker Hagemann

Steinhagen (WB). »Der Verbraucher müsste bei sich selbst anfangen und beim Einkauf vor allem regionaler Ware den Vorzug geben – die nicht ständig tagesfrisch und makellos glanzvoll sein muss«, sagt Dagmar Heckmann vom Verein »Slow Food« e.V.. Was sich daraus Leckeres zaubern lässt, beweist eindrucksvoll Steinhagens erste Schnippeldisco .

Schon die Voraussetzungen sprechen eine deutliche Sprache: Bergeweise stapeln sich Obst, Gemüse, Brot und andere Leckereien am Stand, den das Klimaschutzmanagement der Gemeinde und der Verein »Slow Food« e.V. am Donnerstagnachmittag auf dem Steinhagener Wochenmarkt aufgebaut haben. Sehen diese Zutaten etwa schlecht aus oder wie kurz vor dem Verfallsdatum?

Berge an guten Lebensmittel-Resten auf den Tischen

Klare Antwort: Nein. »Und doch will und kann der Handel sie wegen minimaler optischer Mängel wie Flecken oder angewelktem Blattwerk nicht mehr verkaufen«, berichtet Gabi Siepen, zeigt dazu zwei eigentlich richtig gut aussehende Blumenkohlköpfe. »Und diese Ausbeute heute stammt lediglich aus zwei Märkten!«, spielt ihre Kollegin Anna Zühlke auf die Tonnen an Lebensmitteln an, die täglich in ganz Deutschland auf dem Müll landen. »Jedes achte Lebensmittel hierzulande wird weggeschmissen«, weiß Siepen.

Reichlich Ansporn also für die Initiatoren und Gäste der ersten Steinhagener Schnippeldisco! Zu den ersten Besuchern gehören Lucie Deppe und Karl Werner Frank aus Bielefeld-Quelle, die sich schon mit Schürzen und Gemüsemessern ausgestattet haben. »Eine tolle Idee, das unterstützen wir supergerne«, betonen sie, während sie Gemüse für einen bunten Salat zubereiten. Wenige Meter weiter riecht es verführerisch: Wolfram Halfar, Koch und Caterer aus Sennestadt, bereitet aus weiteren »Resten« eine Kartoffelpfanne zu, daneben brutzelt er Tofu. »Nachher kann jeder hier alles probieren«, verspricht er – das Buffet der vielfältigen »Reste« füllt sich zusehends.

Forderung, Gesetze zu ändern

Keine Überredungskunst brauchen Gabi Siepen und Anna Zühlke bei Valerie Schöppinger: Die 20-jährige Marktbesucherin ist spontan, schnappt sich Küchentücher und Schälmesser und legt los. »Eine super Idee! Ich versuche ohnehin immer, regional einzukaufen und möglichst nur die Menge, die ich in absehbarer Zeit auch aufbrauchen kann«, sagt sie.

Die Motivation der Besucher ist groß. Bei aller Freude über den guten Zuspruch: Dagmar Heckmann hat auch Wünsche an den Gesetzgeber. »Die gemeinnützigen Tafeln, die dankbare Abnehmer für gut erhaltene übrig gebliebene Lebensmittel sind, dürfen den Geschäften laut Gesetz keine Milchprodukte abnehmen, die kurz vor dem angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum – dem MHD – stehen. Das ist übertrieben und müsste dringend überarbeitet werden«, meint Heckmann. »Und dass es für sehr lange lagerfähige Produkte wie Salz, Nudeln oder sogar Windeln ein MHD gibt, ist ein Irrsinn.«

Etwas sparsam bei Steinhagens Schnippeldisco-Premiere: die Musik – nur wenige mochten in die Pedale treten, um per Dynamo den nötigen Strom zu erzeugen...

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