Di., 05.11.2019

Steinhagen beschließt Medienentwicklungsplan für – Finanzierung der Endgeräte umstritten Wer bezahlt Schülern die Tablets?

Digitale Bildung: So wie hier die Schüler einer fünften Klasse sollen in Zukunft immer mehr Kinder und Jugendliche an ihren Schulen – und zu Hause – mit Tablets, Laptops und anderen technischen Geräten lernen.

Digitale Bildung: So wie hier die Schüler einer fünften Klasse sollen in Zukunft immer mehr Kinder und Jugendliche an ihren Schulen – und zu Hause – mit Tablets, Laptops und anderen technischen Geräten lernen. Foto: dpa

Von Volker Hagemann

Steinhagen (WB). Am Steinhagener Gymnasium haben iPads in den Tablet-Klassen längst Einzug gehalten. Hier und auch an den weiteren fünf Schulen in gemeindlicher Trägerschaft soll die Ausstattung mit digitalen Medien fortgesetzt werden. Umstritten sind allerdings die Aufteilung der Finanzierung und der Umfang der technischen Betreuung.

Welche Klassen sollen künftig welche Geräte nutzen und für welche Zwecke? Wer finanziert welchen Anteil? Ist der technische Support geklärt? Allein diese Fragen zeigen: Die digitale Entwicklung an den Schulen ist komplex. Daher hatte die Gemeinde Steinhagen im vergangenen Jahr die GEBIT aus Münster (Gesellschaft für Beratung sozialer Innovation und Informationstechnologie) mit einer detaillierten Medienentwicklungsplanung beauftragt.

Fast vier Millionen Euro sind im Haushaltsplanentwurf vorgesehen

Diesen in den vergangenen Monaten in enger Abstimmung mit Schulleitungen und Gemeindeverwaltung erstellten Plan – fast 60 Seiten umfassend – stellte Dr. Friedrich-Wilhelm Meyer von der GEBIT jetzt im Schulausschuss vor. Unter anderem geht es um die technische Ausstattung der zwei weiterführenden und der vier gemeindlichen Grundschulen, den Ausbau der Netz-Infrastruktur, den IT-Support und die Schulung der Lehrkräfte. Fast vier Millionen Euro sind im Haushaltsplanentwurf vorgesehen, um die Schulen bis 2023 passend auszustatten. »Schließlich fordert auch das Schulgesetz Nordrhein-Westfalen eine ›angemessene informationstechnische Ausstattung der Schulen‹«, erklärte Dr. Friedrich-Wilhelm Meyer. »Parallel dazu fordert der Digitalpakt Schule den Ausbau der Breitbandtechnologie.«

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Sind Tablets nicht als Lernmittel und somit als Eigentum der Schule anzusehen?

Henrike Hollweg-Lohrer (SPD)

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Auch wenn die Ausschussmitglieder sich einstimmig für die Medienentwicklungsplanung aussprachen – umstritten ist die Frage der Finanzierung der Endgeräte. Henrike Hollweg-Lohrer (SPD) formulierte einen Antrag ihrer Fraktion, die Kosten komplett auf die Schulen, also die Gemeinde als Träger, abzuwälzen: »Sind Tablets nicht als Lernmittel und somit als Eigentum der Schule anzusehen?« Das, so argumentiert sie, würde auch finanzschwache Familien entlasten.

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Unsere Erfahrungen mit Tablets zeigen leider auch, dass es manchmal einen wenig wertschätzenden Umgang einiger Schüler mit den Geräten gibt, weil sie ihnen ja nicht gehören.

Gymnasiums-Schulleiter Stefan Binder

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Gymnasiums-Schulleiter Stefan Binder berichtete allerdings auch von durchaus negativen Erfahrungen, wenn Familien diese Kosten komplett erstattet würden: »Unsere Erfahrungen mit Tablets in den vergangenen drei Jahren zeigen leider auch, dass es manchmal einen wenig wertschätzenden Umgang einiger Schüler mit den Geräten gibt, weil sie ihnen ja nicht gehören.« Das seien allerdings Einzelfälle, betont Binder. Das Steinhagener Gymnasium hatte im Jahr 2017 zur Erprobung die ersten Tablets angeschafft. Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es in den Oberstufen-Klassen etwa 300 schülereigene Endgeräte und weitere etwa 150 Endgeräte im Eigentum der Schule.

Der Vorschlag des Schulleiters: »Müssen Eltern zumindest einen Eigenanteil bezahlen, steigt die Verantwortung für die Geräte.« Immerhin spreche man von 400 Euro Neuwert pro Tablet.

Detlef Gohr (Grüne) brachte die Idee einer Kaution ins Spiel, die man für die Geräte hinterlegen könnte. Bürgermeister Klaus Besser (SPD) stellte aber auch klar: »Wenn etwas kaputt gemacht wird, das dem Schüler nicht gehört, ist er beziehungsweise seine Erziehungsberechtigten haftbar.«

Finanzierungsanteile werden später erneut beraten

Aus dem Beschluss, dem Medienentwicklungsplan zuzustimmen, wurde die Entscheidung über den jeweiligen Finanzierungsanteil für Schule und Eltern am Ende erst einmal ausgeklammert.

»Die Verwaltung schlägt vor, die Kosten zwischen Schule und Eltern je zur Hälfte aufzuteilen«, sagte Schulamtsleiterin Gabi Schneegaß. »Das haben wir so auch erst einmal in den Entwurf der nächsten Haushaltsplanung eingestellt.« Wenn diese beraten werde, greife man das Thema wieder auf.

Technische Unterstützung ist noch sehr ausbaufähig

Mehrbedarf herrscht beim IT-Support. Andreas Frerkes gehört zu fünf Lehrern am Steinhagener Gymnasium, die sich darum kümmern. »Wenn die Geräte auf den Schulträger übergehen, müssen wir uns auch um die Wartung kümmern. Das ist bei derzeit 450 Geräten kaum noch zu leisten.« Schon jetzt kämen etwa fünf Schüler pro Tag mit defekten Kabeln, Rissen im Display oder Softwareproblemen. Für die Schul-EDV hat die Gemeinde sogar eine eigene IT-Fachkraft.

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