Pre Zero lässt zahlreiche Wertstofftonnen in Steinhagen ungeleert und offen stehen
Falsch sortiert?

Steinhagen (WB). So viele Anrufe wie am vergangenen Montag hat Steinhagens Abfallberaterin Anke Ulonska noch nie an einem Abfuhrtag der gelben Tonne bekommen: Ein Dutzend Bürgerinnen und Bürger beschwerte sich im Rathaus über nicht geleerte Behältnisse, die zudem offen stehen gelassen wurden.

Mittwoch, 06.11.2019, 07:00 Uhr
Was ist hier falsch? Der Besitzer dieser Wertstofftonne kann einen Fehler beim Befüllen nicht erkennen, Abfallberaterin Anke Ulonska auch nicht. Doch die Mitarbeiter von Pre Zero haben an der Tilsiter Straße nicht nur diese, sondern auch andere Tonnen stehen lassen. Foto: privat
Was ist hier falsch? Der Besitzer dieser Wertstofftonne kann einen Fehler beim Befüllen nicht erkennen, Abfallberaterin Anke Ulonska auch nicht. Doch die Mitarbeiter von Pre Zero haben an der Tilsiter Straße nicht nur diese, sondern auch andere Tonnen stehen lassen.

Entsorger Pre Zero spricht von einem »Versehen«: »Es ist ein Malheur passiert, das wir zutiefst bedauern«, sagte Pressesprecher Boris Ziegler dem WESTFALEN-BLATT. Was genau schief gelaufen ist, wollte er nicht ausführen, sondern verwies auf Interna.

Jeder konnte den Abfall der anderen sehen

Was war passiert? Ein Drittel bis die Hälfte der Tonnen seien in seiner Straße nicht geleert worden, berichtete ein Anwohner der Tilsiter Straße dem WESTFALEN-BLATT am Dienstag. »Es war kein Aufkleber dran, keine Information, warum die Tonne stehen gelassen wurde. Dafür standen überall die Deckel offen«, schilderte er: Hätte es geregnet, wäre sie voll Wasser gelaufen, hätte es gestürmt, wäre der Inhalt durch die Gegend geflogen. Für ihn ein »Skandal«: »Jeder konnte den Abfall der anderen sehen. Wo bleibt denn da die Intimsphäre?«

Was er selbst falsch gemacht haben soll, ist ihm schleierhaft: »Bei mir war nichts drin, was dort nicht hineingehört«, beteuerte er und schickte ein Foto – »unter Zeugen gemacht« – ins Rathaus.

Mit der Taktik, die Tonne nicht zu leeren und den Deckel offen zu lassen, kann kein Bürger etwas anfangen. Man muss schon wissen, was falsch war.

Abfallberaterin Anke Ulonska

Auch Anke Ulonska kann das Vorgehen von Pre Zero nicht nachvollziehen. »Die Mitarbeiter haben das Recht, Tonnen zu kontrollieren und bei Fehleinwürfen stehen zu lassen. Aber das wird normalerweise mit einem roten Aufkleber deutlich gemacht und dem Hinweis auf den Grund der Nichtentleerung«, sagte sie. Ob keine Aufkleber mehr vorhanden waren, kann sie nur mutmaßen. »Mit der Taktik, die Tonne nicht zu leeren und den Deckel offen zu lassen, kann kein Bürger etwas anfangen. Man muss schon wissen, was falsch war«, sagt sie auch mit Hinweis auf die funktionierenden Kontrollen bei der Biotonne.

Anke Ulonska weiß, dass es beim Wertstoff durchaus eine hohe Fehlerquote gibt. Aber so viele Beschwerden wie am Montag nennt sie »einen krassen Einzelfall«. Aus der gesamten Upmannsiedlung bis zur Bahnhofstraße sind am Montagmittag und -nachmittag Anrufe eingegangen. »In den Gesprächen wurde schon klar, dass es Fehleinwürfe gab. Eine Wachstischdecke gehört nicht hinein. Klarsichthüllen aus dem Büro auch nicht. Es ist kein Verpackungsmaterial. Aber da ist es vielleicht noch eine andere Frage, ob gekippt wird oder nicht.«

Bürger dürfen ausnahmsweise gelbe Säcke an die Straße stellen

Pre Zero bietet den betroffenen Bürgern nun an, ihren Wertstoffabfall bis zur nächsten Leerung in Gelben Säcken zu sammeln. »Das ist aus unserer Sicht eine pragmatische Lösung, aber eine einmalige Sache«, sagte Boris Ziegler, der versicherte, auch die gelben Säcke würden dann ausnahmsweise mitgenommen.

Die Beutel gibt es im Rathaus, wie Anke Ulonska sagte. Angesprochen von Bürgern auf eine Nachleerung durch Pre Zero, sagte sie: »Wir haben kein Weisungsrecht. Ob Tonnen nachgeleert werden, ist Sache des Entsorgers.«

Kommentar

So viele Fehleinwürfe in der Gelben Tonne? Da reibt man sich in der Tat ungläubig die Augen. Dass mancher Bürger auch andere Kunststoffe in den Tiefen der 120-Liter-Tonne verschwinden lässt, ist vermutlich nicht abwegig. Und: Tonnen auf ihren Inhalt hin zu kontrollieren, ist das gute Recht des Entsorgers. Aber was der Gebührenzahler verlangen darf, ist eine angemessene Information über sein Fehlverhalten.

Hier ist etwas anderes schief gelaufen. Die Entschuldigung des Unternehmens ist zu akzeptieren, wirklich befriedigen kann sie nicht: Denn Betroffene sitzen vier weitere Wochen auf einem wachsenden Wertstoffberg. Annemarie Bluhm-Weinhold

 

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