Razzia bei Waffensammler: Explosionen sind weithin zu hören
Kontrollierte Sprengungen

Steinhagen  (WB). Der Knall war ohrenbetäubend. »Wie von einer Bombe«, schildert ein Anwohner. Ein Polizeigroßeinsatz am Schnatweg in Steinhagen gegen einen Waffensammler war Mittwochabend und in der Nacht zu Donnerstag weithin hörbar und bis ins Haller Zentrum spürbar. Nicht zum ersten Mal durchsuchte die Polizei das Haus – bereits vor 14 Jahren hob sie dort das damals größte illegale Waffenlager in NRW aus.

Freitag, 15.11.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 05:00 Uhr
Die Gewehre waren kleiner Teil der Waffen, die Ermittler wie Kriminaloberrat Joachim Brauneck (links) und Kriminalkommissar Siegbert Vornholt 2005 sicherstellten. Archiv-Foto: Christian Althoff
Die Gewehre waren kleiner Teil der Waffen, die Ermittler wie Kriminaloberrat Joachim Brauneck (links) und Kriminalkommissar Siegbert Vornholt 2005 sicherstellten. Archiv- Foto: Christian Althoff

Diesmal fanden die Ermittler auf dem privaten, etwas abseits im Wald gelegenen Anwesen im Wald verbotene Gegenstände, Waffen und Sprengmittel. Und am Donnerstagmorgen die Leiche des 66-jährigen Hausbesitzers, der sich offenbar das Leben genommen hatte.

Etwa von 19 Uhr an am Mittwochabend wunderten sich Anwohner nördlich der B68 und in Amshausen über Explosionen in halbstündlichem bis stündlichem Abstand. Was sie hörten, waren die kontrollierten Sprengungen von Chemikalien, die die Experten des Landeskriminalamtes vornahmen, weil ihnen der Transport der Sprengmittel zu riskant war. »Wir sind gegen 1 Uhr nach Hause gekommen. Da hörten wir einen Knall, so laut, dass wir dachten, ein Tankwagen wäre explodiert. Die Tassen sind fast aus dem Schrank geflogen«, berichtet ein Nachbar. Was ihn wunderte: Nach dem immensen Knall war kein Martinshorn zu hören. Noch zwei weitere Male rummste es in der Nacht. Immer mit zeitlichem Abstand von 45 bis 60 Minuten. Zu sehen gewesen sei nichts.

Erschütterungen waren noch im Haller Zentrum zu spüren

»Ein Freund, der nahe dem Haller Zentrum wohnt, rief an und berichtete, dass selbst dort noch die Druckwelle zu spüren gewesen sei«, so der Anwohner weiter. Auch im Fitnessstudio am Künsebecker Weg, also geschätzt zwei Kilometer entfernt, wunderten sich Sportler über Erschütterungen.

Den 66-jährigen Waffensammler beschreibt ein Nachbar als »netten Mann«. Gelegentlich sei man sich über den Weg gelaufen beim Spaziergang mit dem Hund. Sonst habe man von ihm nicht viel gesehen. Auch für die Gemeindeverwaltung Steinhagen sei er »völlig unauffällig« gewesen, wie Bürgermeister Klaus Besser sagte.

650 Waffen schon 2005 im Haus gefunden

Von einem spektakulären Fund in dem Anwesen des Handwerkers und passionierten Jägers berichtete das WESTFALEN-BLATT im Juni 2005. 150 Gewehre, zum Teil Luftgewehre, und 500 Pistolen und Revolver waren sichergestellt worden. Selbst einen Raketenwerfer, 15 Kilo TNT und 2,5 Kilo gewerblichen Sprengstoff hatte die Polizei gefunden. Das Ausmaß überstieg alles, was Ermittler bis dahin je in NRW gefunden hatten. Und für die Polizei vor Ort war es erst recht »einmalig«, wie der damalige Bezirksbeamte sagte. Sonst werde höchstens ein- oder zweimal im Jahr in der Gemeinde eine Waffe sichergestellt. Obwohl man ihm 2005 seine Waffen wegnahm, ihn zu einer Bewährungsstrafe verurteilte, hatte der Mann erneut Waffen gehortet.

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