Laukshof-Leiterin Sybille Hageresch geht in Ruhestand – und spricht über eigene Schulzeit
„Ich wollte das besser machen“

Steinhagen  (WB). Nicht mehr Ferien machen müssen in den Ferien – darauf freut sich Sybille Hageresch. Aber sie weiß auch: „Die Kollegen und die Kinder werden mir fehlen.“ Denn Ende Januar geht die Leiterin der Grundschule Laukshof mit 65 Jahren in den Ruhestand.

Freitag, 17.01.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 05:03 Uhr
Sybille Hageresch – mit einem Fischbrötchen aus Ton in der Hand – an einem Ort in ihrer Schule, der ihr besonders am Herzen liegt: im „KuLa“-Raum. Dort ist derzeit für das aktuelle „Kunst am Laukshof“-Projekt die Szenerie des legendären Vineta, einer einst untergegangenen Ostseestadt, künstlerisch von den Kindern nachempfunden worden. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold
Sybille Hageresch – mit einem Fischbrötchen aus Ton in der Hand – an einem Ort in ihrer Schule, der ihr besonders am Herzen liegt: im „KuLa“-Raum. Dort ist derzeit für das aktuelle „Kunst am Laukshof“-Projekt die Szenerie des legendären Vineta, einer einst untergegangenen Ostseestadt, künstlerisch von den Kindern nachempfunden worden. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Maßstäbe hat sie gesetzt, die Grundschule aufgebaut und weiterentwickelt. „Das haben wir zusammen getan. Man braucht ein offenes und aufgeschlossenes Kollegium, um gute Ideen umzusetzen“, sagt die Schulleiterin. Als Schwerpunkt nennt sie insbesondere die Entwicklung eines neuen Unterrichtskonzepts für das Gemeinsame Lernen (GL).

Seit 2012/13 setzt die Grundschule Laukshof die Inklusion um – mit einem höchst ausdifferenzierten pädagogischen Konzept von Arbeitsmaterialien und Zusatzaufgaben, die Schulleitung und Kollegium gemeinsam entwickelt haben, plus Begabtenförderung mit externen Kräften in Turnen, Französisch, Spanisch, der Mathe-Knobel-AG und vertiefendem Sachunterricht. Denn: „Die Schülerschaft ist noch unterschiedlicher geworden, von den Hochbegabten bis zu denen mit Förderbedarf.“ Gerade bescheinigt ihr die Qualitätsanalyse des Landes sehr gute Ergebnisse.

Gut versorgt: Gemeinde sehr schulfreundlich

Sybille Hageresch weiß aber auch: „Die Gemeinde ist sehr schulfreundlich und stattet uns finanziell und räumlich gut aus.“ So ist etwa 2016 in großem Stil für eine vergrößerte OGS und zusätzliche Differenzierungsräume umgebaut worden. Als GL-Schule ist der Laukshof ohnehin stellenmäßig gut ausgestattet, so dass eine Doppelbesetzung in Mathe und Deutsch möglich ist. In Sachen Sozialpädagogenstunden hat die Gemeinde just nachgelegt.

„Unterricht muss motivieren, damit die Kinder auf den Weg zum lebenslangen Lernen gebracht werden“, sagt Sybille Hageresch. Doch wenn sie in ihre eigene Grundschulzeit in Ratzeburg zurückdenkt, dann sind das eher demotivierende Erinnerungen an eine schreckliche Lehrerin in der ersten Klasse, die auch vor körperlichen Züchtigungen nicht zurückschreckte. Vielleicht aus diesen unschönen Erlebnissen heraus hat Sybille Hageresch früh den Wunsch gehabt, Lehrerin zu werden: „Ich wollte das besser machen“. Doch als sie ihr Studium absolvierte, kam sie mitten in die Lehrerschwemme der späten 70er, frühen 80er Jahre hinein. Und das hieß erst einmal: Zeitverträge.

Buchhandlung in Werther eröffnet

Als sie das erste Kind erwartete, zogen sie und ihr Ehemann nach Werther, wo sie auch heute noch leben. 1983 kam die Tochter, 1985 der Sohn zur Welt. Und Sybille Hageresch wurde – Buchhändlerin. „Es war immer mein Traum, eine Buchhandlung aufzumachen. Ich liebe Bücher.“ Die Situation im Buchhandel ist inzwischen noch schwieriger als damals, aber: „Wenn ich im Lotto gewinnen würde, und dazu müsste ich erst einmal spielen, dann würde ich am Alten Markt in Bielefeld eine Buchhandlung mit Café aufmachen. Dann würde ich Veranstaltungen machen und könnte Büchertische nach meinen Vorstellungen und nicht nach Bestsellerlisten zusammenstellen.“

1990 kehrte Sybille Hageresch zurück in den Schuldienst: „Ich hatte wieder Lust auf Schule.“ In Borgholzhausen stieg sie ein, dann baute sie die Bunte Schule in Versmold, eine kleine einzügige Schule, auf – und bewarb sich schließlich an den Laukshof, ebenfalls eine ganz junge, gerade zweijährige Schule damals.

Schöffin und Mitarbeiterin im Böckstiegel-Museum

Und was kommt nach der Schule? Die zukünftige Pensionärin freut sich schon auf mehr Zeit mit den Enkelkindern (anderthalb und drei Jahre alt) und hat sich diverse Ehrenämter gesucht. So ist sie Schöffin am Amtsgericht Bielefeld, an der Uni Bielefeld in der Vorbereitung des Lehrernachwuchses tätig und engagiert sich im Böckstiegel-Museum in Werther – eine Arbeit, die ihr angesichts des von ihr entwickelten Projekts „Kunst am Laukshof“ auch nahe liegt.

Nachfolger Christian Absi aus Enger

Ihren Nachfolger auf der Schulleiterposten kennt sie schon: Christian Absi, 47 Jahre alt, derzeit Schulleiter an der Grundschule Belke-Steinkamp/Besenkamp in Enger. Und eine Konrektoren-Stelle wird die Grundschule Laukshof ebenfalls wieder erhalten.

Was sie bedauert: „Dass ich die Einführung der neuen Medien nicht mehr mitmachen kann. Die werden Schule umkrempeln.“ Hätte es früher „Youtube“ gegeben, hätte sie etwa Physik wesentlich besser begriffen, ist sie sicher: „Gezielt eingesetzt, ist so etwas bereichernd.“

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