Erste Hilfe bei Kindern: Ann Christin Baumgärtner erläutert im Interview, was anders ist – Kurs in Steinhagen
„Keine kleinen Erwachsenen“

Steinhagen (WB). Vom Wohnzimmerschrank schnell mal in die Küche gekrabbelt und an den bunten Flaschen genuckelt – wenn kleine Kinder auf Entdeckungstour gehen, ist das zwar spannend für sie, kann aber richtig gefährlich werden. Wie Eltern im Notfall reagieren sollten, erläutert Kinderkrankenschwester Ann Christin Baumgärtner am 11. und am 20. Februar in Theorie und Praxis in Steinhagen. Vorab sprach Volker Hagemann mit der 42-Jährigen Lehrkraft für Erste Hilfe.

Donnerstag, 06.02.2020, 07:00 Uhr
Gefährliche Neugier auf bunte Flaschen: Nahezu zwei Drittel aller Unfälle im Kindesalter geschehen im privaten Umfeld. Da ist es wichtig, dass Eltern oder Großeltern wissen, wie sie im Fall des Falles richtig reagieren. Foto: Arbeiter-Samariter-Bund/Hannibal
Gefährliche Neugier auf bunte Flaschen: Nahezu zwei Drittel aller Unfälle im Kindesalter geschehen im privaten Umfeld. Da ist es wichtig, dass Eltern oder Großeltern wissen, wie sie im Fall des Falles richtig reagieren. Foto: Arbeiter-Samariter-Bund/Hannibal

Ob Stürze oder das Nuckeln an Flaschen mit Haushaltsmitteln – welches sind die häufigsten Anlässe bei denen Eltern Sofortmaßnahmen oder Erste Hilfe anwenden müssen?

Ann Christin Baumgärtner: Alle 18 Sekunden verunglückt ein Kind. Stürze passieren gerade in den ersten Lebensjahren jedem Kind beinahe täglich, so dass sie die häufigsten Unfälle im Kindesalter sind. Meist reichen zum Glück eine korrekte Wundversorgung und der elterliche Trost. Allerdings sollten gefährliche Verletzungen nach Möglichkeit verhindert werden. Genauso wie das Nuckeln an Haushaltsmitteln. Vergiftungen betreffen ungefähr 80.000 Kinder pro Jahr in Deutschland. Das ist unvorstellbar! Darum erfahren die teilnehmenden Eltern nicht nur, was zu tun ist, wenn ihr Kind verunglückt ist, sondern auch, im Vorhinein Gefahren zu erkennen. So sprechen wir am 11. Februar über das kindersichere Zuhause und schulen den elterlichen Blick auf mögliche Unfallrisiken im Umfeld des Kindes.

Reagieren Eltern in der Regel richtig, oder besteht noch mehr Handlungsbedarf?

Ann Christin Baumgärtner: Sein eigenes Kind verletzt oder gar bewusstlos zu sehen, ist für alle Eltern ein Riesenschock! In so einer Situation reagieren viele verständlicherweise in Angst um ihr Kind panisch und hilflos. Nur regelmäßige Übungen und Wiederholungen der Ersten Hilfe, so wie wir sie zum Beispiel am zweiten Termin am 20. Februar durchführen, festigen Wissen und Fähigkeiten. Dieses kann dann auch in der größten Stresssituation abgerufen werden. Nahezu zwei Drittel aller Unfälle im Kindesalter geschehen im privaten Umfeld. Eltern müssen wissen, was zu tun ist.

 

Was wird oft falsch gemacht?

Ann Christin Baumgärtner: Kleine Krabbelkinder auf Entdeckungstour erkunden ihre Umwelt mit allen Sinnen. Dazu gehört, dass sie alles Greifbare auch mit dem Mund erkunden. Schnell kann es dabei zum Einatmen von Kleinteilen kommen – umgangssprachlich „in die falsche Röhre bekommen“. Das Kind droht zu ersticken, und die Eltern müssen schnell reagieren. In Eile und Panik wird das Kind dann oft kopfüber an den Füßen gehalten und kräftig geschüttelt. Das kann sehr gefährlich sein!

 

Beispiel Erkältung oder (leichtes) Fieber: Muss es immer die chemische Keule sein, oder sollte man sich wieder mehr auf alte Hausmittel besinnen?

 

Ann Christin Baumgärtner: Die chemische Keule muss nicht immer sein. Ein Abkühlungsbad oder Wadenwickel sind unter bestimmten Voraussetzungen wirksame Methoden zur Fiebersenkung. Es gibt viele, beinahe vergessene Hausmittel, die sich gerade für unsere Jüngsten gut eignen. Allerdings kommt man manchmal nicht ohne Medikamente aus. Dann ist es gut, wenn Eltern sie sicher anwenden können.

Nach Stürzen oder Unfällen im Haushalt oder unterwegs: Muss man gerade bei Säuglingen oder noch sehr kleinen Kindern Angst haben, etwas falsch zu machen? Dass man zu vorsichtig oder zögerlich reagiert?

 

Ann Christin Baumgärtner: Kleine Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Gerade bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung muss man seine Kraft gut der Körpergröße des Kindes anpassen. Eltern haben da oft Hemmungen, diese auszuführen, aus der Angst, ihrem Kind zu schaden. Das wird in den Kursen ganz oft deutlich. Aussagen, wie „das würde ich mich gar nicht trauen“ höre ich zu Beginn meiner Veranstaltungen immer wieder. Nach dem Praxistraining sieht das ganz anders aus. Die Eltern gehen mit dem guten Gefühl, in jeder Situation (erst-)helfen zu können, nach Hause.

 

Vortrag und Praxiskurs in Steinhagen geplant

Ann Christin Baumgärtner ist Kinderkrankenschwester, Kindernotfall- und Präventionstrainerin und Lehrkraft für Erste Hilfe. Am Dienstag, 11. Februar, vermittelt sie „Sofortmaßnahmen bei Unfällen und Krankheiten von Kindern“.

 

Beginn ist um 19 Uhr in der Begegnungsstätte, Brockhagener Straße 30. Der Besuch ist Voraussetzung für den Crashkurs „Richtig rea­gieren im Notfall – Erste Hilfe am Kind“ am Donnerstag, 20. Februar, 17 bis 19.30 Uhr in der Begegnungsstätte. Beides richtet sich an Eltern von Kindern bis sechs Jahre.

 

Es ist eine Anmeldung erforderlich im Familienzentrum, Telefon 0 52 04/88 82 13, E-Mail: familienzentrum.steinhagen@diakonie-halle.de.

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