Zehn mit dem Coronavirus Infizierte in Steinhagen: Bürgermeister erwartet stark steigende Zahl
„Wir sind jetzt im Krisenmodus“

Steinhagen (WB). Zehn Steinhagener Bürger sind inzwischen offiziell mit dem Coronavirus infiziert – 80 sind es im Kreis Gütersloh. So der Stand Montagmittag.

Montag, 16.03.2020, 18:18 Uhr aktualisiert: 16.03.2020, 18:34 Uhr
Medikamente und andere Artikel reichen die Apotheken-Angestellten Regine Redekop (links) und Carmen Steinmeyer durch Plexiglas. Foto: Volker Hagemann
Medikamente und andere Artikel reichen die Apotheken-Angestellten Regine Redekop (links) und Carmen Steinmeyer durch Plexiglas. Foto: Volker Hagemann

„Doch die Zahlen werden deutlich steigen“, sagt Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser. Ein Schwerpunkt ist Brockhagen: „Das liegt an den Rückkehrern aus Ischgl, die auch noch intensiv soziale Kontakte gepflegt haben. Etwa bei einer Party und bei einer Jagdversammlung. Das führt zu einem Anstieg, ohne dass man schließlich noch Infektionsketten nachvollziehen kann, und zu einer hohen Dunkelziffer“, so Besser.

„Wir sind im Krisenmodus“, sagte er. Sensible Bereiche wie Kläranlage und Strom- und Gasversorgung arbeiten jetzt wochenweise in zwei Teams. Der Krisenstab im Rathaus hat am Montag erstmals nicht im Bürgermeister-, sondern im Sitzungszimmer getagt, um genügend Platz zwischen den Teilnehmern herzustellen. Ordnungsamtsleiterin Ellen Strothenke, derzeit in Quarantäne und Homeoffice, war zugeschaltet. Weitere Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus, um die Arbeitsfähigkeit der Behörde sicherzustellen. Beispiel: Internet. Ein Mitarbeiter ist im Rathaus, eine Kollegin zu Hause. So soll sichergestellt werden, dass es immer jemanden gibt, der die Homepage der Gemeinde mit den aktuellsten Informationen bestücken kann.

Neue Hotline für ehrenamtlichen Einkaufsservice

Dort ist jetzt eine Hotline eingerichtet (0 52 04/997-207), unter der sich im Generationenbüro alle melden können, die für ältere Menschen Besorgungen machen möchten sowie alle, die diesen Service in Anspruch nehmen wollen. „Wir wollen kriminelle Trittbrettfahrer vermeiden“, so Besser. Die Hilfsbereitschaft ist gut.

Alle Veranstaltungen in der Gemeinde sind abgesagt und verboten, (kommerzielle) Einrichtungen geschlossen, die Gastronomie ist angewiesen, Tische auf zwei Meter Abstand zu setzen und auf Hygieneregeln hinzuweisen. Das wird auch kontrolliert. Ansammlungen sind nicht erlaubt. „Die Maifeiern auf dem Ströhen würden in diesem Jahr aufgelöst.“

Nicht jeder ist einsichtig

Die Einsicht, auf Distanz zu gehen, Kontakte zu meiden, haben aber offenbar nicht alle: Insbesondere Jugendliche sollen sich in größeren Gruppen am Wochenende zu privaten Parties verabredet haben und durch die Gemeinde gezogen sein.

Verbieten kann die Gemeinde Feiern in Privaträumen nicht. Aber: „In der Wertigkeit des Grundgesetzes stehen an oberster Stelle Leben und Gesundheit. Die Bewegungsfreiheit ist nachrangig“, so Besser: „Es geht derzeit darum, so viele Menschen wie möglich nicht sterben zu lassen.“

Scheiben am Apotheken-Tresen

Derweil sieht es in den Steinhagener Apotheken ein bisschen aus wie früher am Fahrkaltenschalter: Plexiglasscheiben über dem Tresen sollen in der Apotheke am Markt und in der Mühlen-Apotheke vor Tröpfcheninfektion schützen. „Wir möchten größten Schutz vor einer Übertragung des Coronavirus bieten“, erklärt Apothekerin Christina Heitland diese baulichen Veränderungen: Medikamente und andere Artikel reichen die Angestellten neuerdings durch Plexiglas – eine Empfehlung der Apothekerkammer. Und: Nur zur einen Tür geht’s hinein, zur anderen hinaus, zwei Meter Abstand zu anderen Kunden und zu den Angestellten sollten selbstverständlich sein.

Christina Heitland appelliert außerdem: „Bitte zahlen Sie möglichst mit EC-Karte. Wer den begründeten Verdacht hat, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, Fieber, Husten oder Atemprobleme hat, soll bitte nicht in Apotheke oder Arztpraxis kommen, sondern zunächst 116 117 anrufen“, betont sie.

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