Mi., 18.03.2020

Einschränkungen: Steinhagens Bürgermeister wirbt für Verständnis – Baumarkt noch mehr gefragt „Endzeitstimmung ist fehl am Platze“

Susanne Giuliani (links) und Olga Bohn bitten die Kunden im Steinhagener Hagebaumarkt aus Schutzgründen um Abstand. Allzu Sorglose oder Uneinsichtige sollen daher durch den Palettenstapel vor dem Infotresen auf Abstand gehalten werden.

Susanne Giuliani (links) und Olga Bohn bitten die Kunden im Steinhagener Hagebaumarkt aus Schutzgründen um Abstand. Allzu Sorglose oder Uneinsichtige sollen daher durch den Palettenstapel vor dem Infotresen auf Abstand gehalten werden. Foto: Volker Hagemann

Von Volker Hagemann

Steinhagen (WB). Auch in Steinhagen sind zahlreiche Geschäfte geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Für den täglichen Bedarf gibt es aber alles.

Weiter öffnen dürfen Lebensmittelgeschäfte, Wochenmärkte (Donnerstagnachmittag in Steinhagen), Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Poststellen, Friseure, Reinigungen, Waschsalons, Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel. Dienstleister und Handwerker dürfen arbeiten. Zudem dürfen Lebensmittelgeschäfte zur Sicherstellung der Versorgung an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 18 Uhr öffnen, das gilt auch für Wochenmärkte, Lieferdienste, Apotheken und Großhandel.

14 bestätigte Corona-Fälle am Mittwochmittag in Steinhagen

14 bestätigte Corona-Fälle gibt es (Stand Mittwochmittag) in Steinhagen (12 waren es Dienstag). Bürgermeister Klaus Besser wendet sich auf www.steinhagen.de an die Bürger, ruft zu Verständnis und Hilfsbereitschaft auf.

Die verschärften Maßnahmen seien „geboten, damit unser Gesundheitssystem nicht überlastet und unser Miteinander von diesem Virus nicht noch mehr beeinträchtigt wird. Endzeitstimmung und Pessimismus sind fehl am Platze.“

Schlange stehen „wie auf dem Schachbrett“

„Es sieht ein bisschen aus wie verwinkelt stehende Figuren auf einem Schachbrett“, lobt Fleischermeister Werner Haskenhoff seine Kundschaft. Denn die halte beim Lebensmitteleinkauf im Geschäft an der Waldbadstraße respektvoll Abstand zueinander. Der Betrieb laufe normal weiter, mit Ausnahme des Partyservice.

Ein gemischtes Bild zeigt sich beim Einzelhandel: Lebensmittelgeschäfte öffnen, Cafés und Boutiquen sind geschlossen. Geöffnet ist beispielsweise die Optik-Oase: „Wir gelten als Dienstleister“, erklärt Augenoptikermeister Dirk Stolpe. Seinen Kunden stehen er und sein Team gerne zur Verfügung, bitten aber darum, von verschiebbaren Besuchen abzusehen.

Hagebau hat derzeit bis zu 300 Kunden mehr pro Tag

Allen Empfehlungen zum Trotz sind am Mittwoch viele unterwegs in Richtung Baumarkt. „Wir haben 200 bis 300 Kunden mehr pro Tag, Gefragt sind vor allem Garten- und Heimwerkerartikel“, berichten die Servicemitarbeiterinnen Olga Bohn und Susanne Giuliani. Nein, ums „Einigeln“ zu Hause gehe es ihm nicht, sagt ein Kunde mit einem Einkaufswagen voller Baustoffe. „Ist doch eh jetzt Saison dafür.“ Namentlich in der Zeitung will er aber nicht genannt werden. Vor der Infotheke halten die Mitarbeiter die Kunden mit einem Stapel Paletten, Flatterband und Hinweisschildern auf Mindestabstand, tragen wie im benachbarten Combi-Markt Schutzhandschuhe.

Am Eingang zum Combi können sich die Kunden Desinfektionstücher für die Einkaufswagen-Griffe ziehen. Auch hier appellieren Schilder an Uneinsichtige, bitte Mindestabstand zu anderen einzuhalten. Hinzu kommen rot-weiße Markierungsstreifen am Kassenband, die aber leider noch immer nicht jeder beachtet. Und noch etwas: Toilettenpapier gibt es wie gewohnt. Es wird allerdings nur noch in haushaltsüblichen Mengen ausgegeben.

Nur haushaltsübliche Mengen kaufen!

Haushaltsübliche Mengen – auf dieses Stichwort möchte auch Klaus Besser noch einmal ausdrücklich hinweisen. „Die Lebensmittelgeschäfte bleiben geöffnet. Auf der ganzen Welt ist wegen Corona noch keiner verhungert – nicht in Italien und auch nicht in Steinhagen!“, betont er.

Und das Leben im öffentlichen Raum? Gesperrt sind seit Mittwoch alle öffentlichen Spiel- und Bolzplätze. „Und das Ordnungsamt kontrolliert das auch rigoros. Nicht um die Menschen zu ärgern, sondern, um sie zu schützen“, betont der Bürgermeister. „Für eine personelle Aufstockung in diesem Bereich sind vorübergehend zusätzlich Mitarbeiter anderer Abteilungen dafür im Einsatz. Im Übrigen auch, um im Fall möglicher Erkrankung weiterhin genug Personal zu haben.“

Das Rathaus ist für den Besucherverkehr geschlossen, „auch das wird akzeptiert. Nur ganz vereinzelt klingelt jemand“, so der Bürgermeister. Etwa bei Trauerfällen: „Die Beurkundungen hierfür sind weiterhin nötig“, nennt er ein Beispiel. „Die Verwaltung ist telefonisch und per E-Mail erreichbar, fast alle sind fit, wir sind voll im Einsatz“, betont Klaus Besser.

Handarbeits-Lieferservice

Noch einmal zurück zum Einzelhandel: Ihr Geschäft, die Wollstube, ist wegen Corona geschlossen. Und so wird Inhaberin Doris Strothmann kreativ: „Weil viele jetzt noch mehr Zeit zu Hause verbringen müssen, ist womöglich mehr Zeit auch fürs Handarbeiten. Deshalb haben wir einen Bestell- und Bringdienst für unsere Wolle, Garne und anderen Artikel eingerichtet. Wir bringen die Dinge auf Wunsch bis nach Hause, sind dafür telefonisch oder per E-Mail zu den üblichen Geschäftszeiten erreichbar“, sagt Doris Strothmann.

Reichlich gestrickt haben derweil ihre Kundinnen: besonders kleine Mützchen, Socken und Ähnliches für Frühgeborene der Kinderklinik Bethel. „Das bringen wir diesmal natürlich erst nach der Coronakrise in die Kinderklinik“, betont sie.

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