Mi., 25.03.2020

Läden bieten Bringdienst – Floristik wieder auf – Friseure zu Einzelhandel wird mobil

Antje Dreessen ist froh, ihren Blumenladen wieder aufmachen zu dürfen. Eine monatelange Schließung wäre das Aus gewesen. Auch wenn Importe aus Übersee fehlen, der Großmarkt liefert ihre genügend Blumen aus Deutschland und Holland.

Antje Dreessen ist froh, ihren Blumenladen wieder aufmachen zu dürfen. Eine monatelange Schließung wäre das Aus gewesen. Auch wenn Importe aus Übersee fehlen, der Großmarkt liefert ihre genügend Blumen aus Deutschland und Holland. Foto: Bluhm-Weinhold

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen  (WB). Gerade jetzt in der Krise gilt: Nicht im Online-Handel das Geld ausgeben, sondern, schon aus Solidarität, im Einzelhandel vor Ort. Denn der ist verfügbar. Trotz geschlossener Ladentür entwickeln die Händler kreative Ideen, wie sie die Kunden dennoch beliefern. Und die Floristen dürfen sogar die Läden wieder öffnen – im Gegensatz zu den Friseuren, die nun absolute Kontaktsperre zur Kundschaft haben. Ein Blick ins Steinhagener Zentrum.

Ob Parfümerie Mennecke, die Buchhandlung Lechtermann, der Spielzeugladen Wunschkiste, das Modelädchen Wandelbar oder auch die Eiscafés: Sie alle bieten einen Bringdienst. In der Buchhandlung Lechtermann kann man täglich von 10 bis 14 Uhr anrufen, seine Bestellung aufgeben und sich auch beraten lassen. Susanne Lechtermann und ihr Team liefern die gewünschte Lektüre frei Haus. Bezahlung: bar im Umschlag an der Haustür. „Ich hänge immerzu am Telefon, in der Kasse bleibt aber noch recht wenig hängen“, sagt die Buchhändlerin. Das Angebot wird also genutzt, muss sich aber herumsprechen.

Kontakt mit Kunden halten

Auch das von Svenja Pohlmann. Die Inhaberin der Wunschkiste nimmt ebenfalls Bestellungen der im Laden verfügbaren Artikel an und liefert sie aus, wenn der Betrag überwiesen ist oder Barzahlung vereinbart ist: „Auch das geht kontaktlos“, sagt sie. Der Lieferservice sei freilich nur eine minimale Einnahmemöglichkeit. „Aber man hält Kontakt mit den Kunden. Viele machen mir Mut, nicht aufzugeben.“ Sie appelliert an die Steinhagener: „Kauft lokal, wenn ihr in einem Jahr noch die Geschäfte vor Ort haben wollt.“

Und damit dürfte sie vielen aus dem Herzen sprechen. Auch dem Team von Wandelbar, das ebenfalls auf telefonische oder E-Mail-Bestellung und nach Überweisung Gutscheine verschickt – „anders geht es bei uns ja nicht, da man Mode schließlich anprobieren muss“, sagt Sandra Diedrigkeit. Bei Anke Mennecke kann man ebenfalls Produkte bestellen und bringen lassen: „Ich liefere inzwischen jeden Tag aus.“ Kosmetische Behandlungen und Fußpflege sind seit Montag nicht mehr erlaubt.

Eis und Blumen

Selbst auf Eis müssen die Steinhagener nicht verzichten. Das Eiscafé Smile bietet bei rechtzeitiger telefonischer Vorbestellung donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr einen Bringdienst an, das Bellagio Abholmöglichkeiten.

Blumenhändlerin Antje Dreessen öffnet hingegen ihren Laden wieder. So wie alle anderen musste auch sie sich der Allgemeinverfügung der Gemeinde beugen. Doch dann kam der Landeserlass, der die Floristen den Gartenmärkten gleichstellt. „Ich war überrascht, bin aber froh, dass ich die Kunden wieder bedienen kann“, sagt sie auch mit Blick auf die Hauptgeschäftszeit zu Ostern und zum Muttertag. Zwei Kunden dürfen sich gleichzeitig im Laden aufhalten, weitere müssten draußen warten. Oder man bestellt: Dreessen liefert auch aus.

Friseurmeisterin hat auf Erlass gewartet

Benjamin Merten wird Blumen Vollbracht ebenfalls wieder öffnen: „Aber erst in der Karwoche. Die Maschinerie muss erst wieder anlaufen. Wir müssen schauen, welche Händler liefern können.“ Trotz Ladenöffnung halten sich seine Erwartungen in Grenzen: Denn ab Montag wird die Bahnhofstraße saniert.

Zehra Kopal-Hop (Coiffeur Hop) hat ihren Friseursalon seit Montag geschlossen, Kurzarbeit für das zehnköpfige Team ist beantragt. Die Schließung lag in der Luft, schließlich arbeiten Friseure nah am Menschen: „Ich habe darauf gehofft, dass der Bescheid kommt, dass wir zumachen dürfen“, sagt sie und fand es doch wichtig, den Erlass erst abzuwarten: „Es kann ja nicht jeder so zumachen, wie es ihm passt. Was sollen den Kassiererinnen, Physiotherapeuten oder Beschäftigte in der Apotheke sagen?“ Nun sei es ein klarer Schnitt.

Ein schmerzlicher indes: Seit 15 Jahren ist Zehra Kopal-Hop selbstständig in Steinhagen und einiges gewohnt. „Die Friseurbranche ist ja allgemein ein Kampf und man hat nicht viele Rücklagen.“ Ohne staatliche Hilfe wäre es jetzt nicht zu schaffen. Und mit? Auch nicht über viele Monate...

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