Corona-Krise: Steinhagener Firma entwickelt Anlage zur Entkeimung
Schutzanzüge wiederverwenden

Steinhagen (WB). Schutzanzüge und Masken sind ein rares Gut in diesen Tagen – und sie drohen noch knapper zu werden, wenn das Coronavirus weiter um sich greift. Doch woher nehmen, wenn der Nachschub ausbleibt?

Montag, 30.03.2020, 04:05 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 05:00 Uhr
Christian Buske (links) zu Gast beim Roten Kreuz im Landkreis Hassberge: Dort steht ein Plasmatreat-Sterilisationsschrank. Foto: Plamatreat
Christian Buske (links) zu Gast beim Roten Kreuz im Landkreis Hassberge: Dort steht ein Plasmatreat-Sterilisationsschrank. Foto: Plamatreat

Die Antwort könnte sein: nicht wegwerfen, sondern entkeimen und wiederverwenden. Und zwar ohne Chemie. Dafür entwickelt das Unternehmen Plasmatreat aus Steinhagen (Kreis Gütersloh) jetzt eine entsprechende Anlage. Nun ist sie in Bayern im Praxistest.

Plasmatreat (250 Mitarbeiter weltweit in 15 Niederlassungen, 45 Millionen Euro Umsatz 2018) ist Weltmarktführer im so genannten Open-Air-Plasma zur Oberflächenvorbehandlung. Doch der hochenergetische Hightech-Stoff Plasma kann mehr: nämlich auch Oberflächen steril machen. Seit 2016 hat die Steinhagener Firma in einem Forschungsprojekt mit dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung und der Firma m-u-t aus Wedel, unterstützt vom Bundesforschungsministerium, ein Verfahren zur mobilen Dekontamination entwickelt. Was damals unter dem Eindruck der Ebola-Epidemie seinen Anfang nahm, könnte nun angesichts der Corona-Pandemie zur Einsatzreife gelangen.

Das hofft jedenfalls Geschäftsführer Dipl.-Ing. Christian Buske. Denn das Verfahren ist bisher noch nicht zugelassen. Und das könnte auch noch ein Jahr dauern, wenn das Prozedere seinen normalen Lauf durch die Instanzen nähme. Doch das Rote Kreuz in Bayern, seit 2016 beratend mit im Boot, will solange nicht warten.

„Viele Krankenhäuser sind interessiert“

„Dort ist man der Meinung, dass nun ein Katastrophenfall vorliegt und man deshalb diese Technik anwenden will und darf“, schildert Christian Buske. Am vorigen Mittwoch ist die erste Anlage nach Bayern geliefert worden. Ein zweites Gerät geht diese Woche an ein Partnerinstitut, das die Plasmaentkeimung an Coronaviren erprobt. Denn bisher hat Mikrobiologe Prof. Dr. Thomas Schmitt-John mit seinem Team in den Forschungslaboren in Steinhagen mit Bakterien, etwa den Bacillus atrophaeus, gearbeitet. „Gegen Endosporen hat Plasma eine sehr gute Wirksamkeit“, so Buske. Und nach bisherigen Erkenntnissen braucht es für die Abtötung des Coronavirus’ auf Oberflächen sogar nur ein Drittel der Energie.

„Wir sollten genügend Masken haben für diesen Krisenfall und nicht darüber nachdenken, wie wir sie wiederverwendbar machen“, sagt Christian Buske. Doch er weiß auch: „Feuerwehr und Katastrophenschutz sind froh, wenn sie irgendeinen Schutz haben.“ Die Materialien von Schutzmasken und Anzügen können nicht heiß behandelt werden, sondern brauchen ein kaltes Verfahren. Das Prinzip, das im Dekontaminationsprojekt entwickelt worden ist: Luft, Wasser und ein Verdampfer führen zu plasma-aktiviertem Wasserdampf, der die Erreger tötet. Plasmatreat könnte die Anlagen, die „Sterilisationsschränke“, in kleiner Serie bereits bauen. Fünf Einheiten sind schon verkauft: „Viele Krankenhäuser sind interessiert, um für ihre Belegschaft direkt im Haus die Masken desinfizieren zu können.“

Völlig abgeschottet voneinander

Indes ist das Unternehmen Plasmatreat selbst im Krisenmodus – und das schon, seitdem Ende Januar das China-Geschäft einbrach. Bisher gab es zwar noch keine Corona-Infektion in der eigenen Mitarbeiterschaft. Doch für den Fall der Fälle will man natürlich arbeitsfähig bleiben.

Man hält sich strikt an die Pandemie-Pläne des Branchenverbandes und an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Und so sind am 135 Mitarbeiter starken Hauptsitz in Steinhagen vier Betriebseinheiten gebildet worden, die völlig abgeschottet voneinander arbeiten. Viele Beschäftigte sind in Homeoffice. Aus den Labors werden Tests live gesendet. Auch sind alle 15 weltweiten Niederlassungen mit Ersatzteilen versorgt worden, um unabhängig weiterarbeiten zu können. Und während das Virus den Rest der Welt fest im Griff hat, vernimmt Buske von seiner Niederlassung in Shanghai wieder positive Signale.

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