Jetzt erst recht: Gartenexpertin Dr. Heidi Lorey regt zur Nutzpflanzen-Aussaat an
Junges Gemüse im Staudenbeet

Steinhagen  (WB). Der eigene Garten – gleich doppelt wertvoll, sprich: nutzbringend in Zeiten wie diesen. Schließlich wird das Zuhausebleiben gerade verordnet. Dort kann man sich ungefährdet aufhalten und sinnbringend verausgaben. Und doch sollten Gartenbesitzer gerade nicht nur an Zierpflanzen und englischen Rasen denken, sondern auch an die eigene Versorgungslage. Die Steinhagener Gartenbauingenieurin Dr. Heidi Lorey bricht eine Lanze für den Gemüseanbau. Warum nicht Salat und Radieschen mit ins Staudenbeet säen?

Freitag, 10.04.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 05:02 Uhr
Hier wächst Winterportulak im Gewächshaus. Vielen Hobbygärtnern gilt er als Unkraut. Aber Heidi Lorey widerspricht: „Winterportulak kann man als Salat zubereiten.“ Nicht nur das Gewächshaus, auch die Beete kann man jetzt bestücken. Foto: Bluhm-Weinhold
Hier wächst Winterportulak im Gewächshaus. Vielen Hobbygärtnern gilt er als Unkraut. Aber Heidi Lorey widerspricht: „Winterportulak kann man als Salat zubereiten.“ Nicht nur das Gewächshaus, auch die Beete kann man jetzt bestücken. Foto: Bluhm-Weinhold

„Das sieht gut aus und füllt in den Beeten die Lücken nach dem Winter“, so Lorey. Und bereits in vier Wochen können Salat und Spinat in der Küche verarbeitet werden. Gerade jetzt in Corona-Zeiten, da wegen der knappen Erntehelfer die Obst- und Gemüseversorgung durchaus ein Thema ist, will die Gartenbauexpertin und Buchautorin strikte Denkmuster von Zier- und Nutzgarten auflösen. Früher war es so, vorne im Vorgarten die Blümchen, hinterm Haus Obst und Gemüse – aber so ein Salat ist in den Augen von Heidi Lorey beispielsweise eine tolle Beeteinfassung, Radieschen Spinat und Rucola sehen prima aus zwischen Pfingstrose und Storchenschnabel. „Der Salat gedeiht auf unseren trockenen Sandböden besser als Rasen“, sagt Heidi Lorey.

Samentüte in die Hand – und los geht’s

Jetzt sei die Zeit: „Einfach Samentüte in die Hand nehmen und loslegen“, macht die Gartenbauexpertin Mut, ganz nach eigenem Gusto zu entscheiden: Was essen wir denn gerne? Auch wer keinen Garten hat, hat laut Heidi Lorey keine Ausrede: „Ein Balkonkasten reicht schon für Salat und Spinat.“ Und selbst Tomaten, Lieblingsgemüse vieler Menschen, können jetzt schon als Jungpflanzen erworben werden – „wenn man sich die Aussaat und zweimal Umpflanzen sparen will“. Und selbst auf der Fensterbank kann man mit einem Geschirrtuch und Sämlingen anfangen.

Sie findet: „Gemüse hat eine eigene Ästhetik.“ Und das hat sie gemeinsam mit dem Grünflächenamt Gütersloh im vergangenen Jahr im Botanischen Garten gezeigt: Dort ist das Sommerblumenbeet – stets ein Highlight für die Gartenfans – nicht nur mit Tagetes, Fleißigem Lieschen und Vergissmeinnicht, sondern auch mit Kohl, Roter Bete und Fenchel bestückt worden – gewöhnungsbedürftig für manche, wie Heidi Lorey zugibt: „Ich habe Führungen dazu gemacht, um den Balken im Kopf abzubauen.“

Artischocke und Hirse neben Lavendel und Iris

Wichtig ist aus Sicht der Gartenbauingenieurin vielmehr, dass die Pflanzen mit den Böden klarkommen – sprich: Sand, wenig Wasser und zunehmend heiße Sommer. Da wächst in Loreys Garten vor allem Iris und Lavendel – aber eben auch Artischocke und Hirse. Das heimische Gemüse aber ging im Extremsommer 2019 an Wassermangel kaputt: „Mit dem ersten Regen im September habe ich Radieschen, Salat, Spinat, Endivien, Erbsen und Zuckerschoten eingesät. Alles ist super gewachsen bei Wintertemperaturen von bis zu zehn Grad. Bis Dezember hatten wir Gartengemüse.“

Lorey empfiehlt, sich auch in puncto Aussaat- und Pflanztermine von gewohnten Denkmustern zu verabschieden. „Grünkohl braucht nicht unbedingt Frost. Wenn man ihn nur 20 Zentimeter hoch werden lässt und dann erntet, ist er ganz zart“, hat sie die Empfehlung eines Fernsehkochs erfolgreich erprobt. Und Salate sind durchaus frosthart: „Wenn sie als Jungpflanze über den Winter stehen.“ Der Salat hat die gemeinen Frühlingsfröste der vorvergangenen Woche jedenfalls besser überlebt als die Hortensien oder Magnolien.

Derweil läuft in Loreys Gewächshaus schon die erste Salatproduktion der neuen Saison. Und auf dem Schreibtisch der Autorin liegen die Druckfahnen für ihr neues Buch über Wintergemüse. Das erscheint passend im Herbst.

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