Kurz vor der Corona-Krise besuchen André Quakernack und Freunde noch die Projekte
Bürgerkomitee blickt besorgt nach Benin

Steinhagen (WB). Heike Kunter, Vorsitzende des Gemeinde-Bürgerkomitees für Entwicklungszusammenarbeit, und Ehemann Harald leben in Corona-Zeiten seit vier Wochen in selbst gewählter Isolation in Brockhagen. Ihre Gedanken sind aber in Afrika: „Umso mehr bangen wir um unsere Freunde dort“, so Heike Kunter. Das Bürgerkomitee unterstützt insbesondere derzeit in Benin viele Projekte.

Donnerstag, 16.04.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 16.04.2020, 05:00 Uhr
Ein Projekt von Ford Hagemeier und Birkholz Elektrotechnik zusammen mit dem Bürgerkomitees: die Schule in Dekanmé. André Quakernack und Marco Diekmann haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es sie überhaupt gibt. Foto:
Ein Projekt von Ford Hagemeier und Birkholz Elektrotechnik zusammen mit dem Bürgerkomitees: die Schule in Dekanmé. André Quakernack und Marco Diekmann haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es sie überhaupt gibt.

Nur zwei Beatmungsgeräte für zehn Millionen Einwohner

„Kaum zu glauben, dass es für zehn Millionen Einwohner im Benin nur zwei Beatmungsgeräte gab. Ich hoffe, es sind inzwischen mehr“, so Kunter. Ebenso wie hier seien die Schulen und die Uni dort auch geschlossen. „Aber die Maßnahme kam viel zu spät. Ebenso die vorgesehenen Tests in den Großstädten, die nach meiner Kenntnis noch nicht durchgeführt wurden.“

Die Zahl von 16 Corona-Fällen erscheint ihr viel zu niedrig zu sein. Sie fürchtet eine massenhafte Ausbreitung aufgrund der Lebenssituation: „Die Menschen leben in den Dörfern und auf der Lagune viel zu dicht aufeinander. Außerdem erreichen sie die Nachrichten oftmals nicht. Voodoo-Fetische und Gebete gelten als Schutzmaßnahmen!“ Und mit dem Händewaschen bei Wasserknappheit ist das auch so eine Sache.

Delegation war kürzlich noch vor Ort

Kurz bevor die Corona-Pandemie in Deutschland ausbrach, war mit André Quakernack, Marco Diekmann, Marc Averes, Meike Pauly-Evers und Hans-Christian Pauly noch eine Delegation vor Ort, die die Projekte des Bürgerkomitees besuchte. Der Haller Ford-Händler André Quakernack und sein Freundeskreis engagieren sich seit Jahren in Zusammenarbeit mit dem Steinhagener Bürgerkomitee stark im Schulbau in Benin – und das mit zuletzt spektakulärem Erfolg (siehe Extra-Kasten). „2017 wurde das erste Ford Store Hagemeier College in dem afrikanischen Land errichtet. Die Schule wird täglich von 330 Kindern besucht und trägt zur Verbesserung der Bildung in Benin bei. In den Jahren 2018 bis 2020 wurden zwei weitere Schulbauten finanziert“, berichtete er jüngst.

Nun waren die Reisenden, begleitet vom bewährten Ansprechpartner des Bürgerkomitees vor Ort, Prof. Dr. Mensah Wekenon Tokponto, unterwegs zu diversen Schulneubauten. Aber ihr Interesse galt nicht nur den Schulen. Erster Anlaufpunkt: die Krankenstation St. Joseph in der Lagune So-Tchanhoue, wo unter unfassbar unzureichenden Umständen Schwester Solange und ihr kleines Team für die Versorgung der Bevölkerung das Nötigste tun.

Eine Geburt kostet fünf Euro – Geld, das nicht jede Familie hat

„In der Station St. Joseph stellen wir einige Veränderungen fest, es gibt mehr Strom, eine Solarleuchte steht im Eingang und wir besichtigen den Labor- und Verwaltungstrakt. Aus unserer Sicht geradezu katastrophale Zustände, insbesondere wenn einem der medizinische Bereich nicht so ganz fremd ist. Aber es gilt eben ‚besser was Gebrauchtes als gar nichts‘, und alle versuchen, aus nichts das Beste zu machen. Gelegentlich hat man aber doch den Eindruck, dass das Projekt für das wenige Personal einfach eine Nummer zu groß ist“, schreibt Hans-Christian Pauly in seinem Reisebericht.

„Vor dem Mittagessen übergeben wir unsere Hilfslieferung, die in den großen Räumen plötzlich gar nicht mehr so groß aussieht. Mensah hat vom Bürgerkomitee noch 1000 Euro in bar dabei, die gerne angenommen werden.“ Das Geld ist für die stationären Geburten bestimmt. Fünf Euro kostet eine Geburt – doch so viel Geld kann sich nicht jede Familie leisten. Die Folge: Viele Frauen gebären unter den schlimmsten hygienischen Bedingungen in ihren Hütten.

Viel Betrieb bei den Möbeltischlern

Die selbstfinanzierten Schulen in Adignigon und Dekanmé liegen auf dem Weg – beide sind längst in Betrieb. Viel los ist bei den Möbeltischlern, wo auch die Schulbänke für die Bürgerkomitee-Projekte angefertigt werden. In Assa-Game flattern in der Schule Ballons mit der Aufschrift „Atomkraft – nein Danke“. Und das mit voller Berechtigung, wird doch die Schule komplett mit Solarenergie dank einer vom Bürgerkomitee finanzierten Anlage betrieben.

Die AFAP-Kooperative an der Grenze zu Nigeria ist ebenfalls ein Projekt des Bürgerkomitees: Anfangs war es auf die Nothilfe für Kinder ausgelegt, inzwischen dient es der Förderung der Selbstständigkeit etwa durch die Gewinnung von Palmöl und einer Welszucht.

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