WLS-Geschäftsführer Thomas Leimkuhl über die Corona-Folgen im Speditionsgeschäft
„Wertschätzung der Fahrer erhalten“

Steinhagen (WB). „Ich wünsche mir, dass wir das hohe Maß an Rücksichtnahme mit in die Zukunft nehmen, wenn diese Krise überwunden ist“, sagt Thomas Leimkuhl, seit 2005 Geschäftsführer des familiengeführten Traditionsunternehmens WLS-Spedition. Darüber hinaus hofft er, dass die Wertschätzung der Lkw-Fahrer als wichtiger Bestandteil unseres marktwirtschaftlich orientierten Landes auch weiterhin erhalten bleibt.

Dienstag, 21.04.2020, 12:00 Uhr
Die Nachfrage nach Speditionsleistungen liegt bei WLS während der Corona-Krise nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Leimkuhl derzeit etwa ein Drittel unter Normalniveau. Ungefähr die Hälfte der Mitarbeiter erledigen ihre Arbeit im Homeoffice. Foto:
Die Nachfrage nach Speditionsleistungen liegt bei WLS während der Corona-Krise nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Leimkuhl derzeit etwa ein Drittel unter Normalniveau. Ungefähr die Hälfte der Mitarbeiter erledigen ihre Arbeit im Homeoffice.

Seiner Ansicht nach ist Deutschland bisher mit den verhängten Maßnahmen ganz gut gefahren, und das Gesundheitssystem habe die Lage offenbar ganz gut im Griff. Dennoch sei sein Unternehmen – wie viele andere auch – nur unzureichend auf die Corona-Pandemie vorbereitet gewesen, denn mit derartigen Auswirkungen habe niemand rechnen können. „Die Lage ist schwierig, wenngleich immer noch besser als in anderen Bereichen“, räumt Thomas Leimkuhl ein.

Nachfrage sinkt um ein Drittel

Die Nachfrage liegt nach seinen Angaben derzeit etwa 35 Prozent unter Normalniveau. Der Führungskreis hat eine Taskforce gebildet und tauscht sich täglich in Videomeetings aus. Etwa die Hälfte aller Mitarbeiter nutzen die Möglichkeiten von Homeoffice, die Büros in der Niederlassung sind entsprechend ausgedünnt. Dennoch komme man um Kurzarbeit nicht herum, und „Leute mit Erkältung schicken wir sofort nach Hause“, betont Leimkuhl.

Für die Fahrer gelten besondere Schutzmaßnahmen wie Masken und Handschuhe. Anfangs habe man auf selbst genähten Mundschutz zurückgreifen müssen, unlängst ist eine Charge neuer Artikel eingetroffen. Allerdings haben sich die Bedingungen für die „Helden der Landstraße“ teils ins Unzumutbare verändert. Das gilt neben Zugang zu Sanitäranlagen vor allem für das Verpflegungsangebot. Raststätten und Autohöfe halten derzeit nur ein sehr reduziertes Angebot bereit, das in keinem Verhältnis zum Bedarf steht.

Verheerende Kettenreaktionen

Neben dem boomenden Segment Lebensmittel-Transport liegen die marktführenden Kapazitäten von WLS insbesondere im Bereich der Langgut- und Bauelemente-Logistik. Hier zeigen sich derzeit verheerende Kettenreaktionen. Weil Montagearbeiter keine Übernachtungsmöglichkeiten finden, kann nicht gebaut werden, obwohl es erlaubt wäre. Das An- und Ummelden von Fahrzeugen ist zur Zeit nicht möglich. Transporte in europäische Nachbarländer kommen ins Stocken, zurückkehrende Fahrer sind von unterschiedlichen Quarantänemaßnahmen betroffen.

Auf diesem Gebiet wünscht sich Thomas Leimkuhl mehr aufeinander abgestimmte Regelungen der Gesundheitsämter. „Auch betriebsinterne Schulungen für die 240 in Steinhagen und 180 am Standort Erfurt beschäftigten Mitarbeiter sind derzeit nicht möglich.“ Lohndumping etwa durch osteuropäische Fahrer sei dagegen bisher noch kein Thema.

Ökonomie und Ökologie verzahnen

Für ein Unternehmen wie WLS mit rund 40 Millionen Euro Jahresumsatz gibt es keine Soforthilfen, vergünstigte Kredite bezeichnet Leimkuhl als „staatlich verordnete Insolvenzverschleppung“, denn das, was jetzt nicht verdient wird, könne man später auch nicht wieder reinholen.

Beeindruckt hat den Geschäftsführer die Ruhe und Akzeptanz, mit der in Deutschland parteiübergreifend agiert wurde. Neben dem Fortschritt in Sachen Digitalisierung sieht er auch Möglichkeiten, künftig Ökologie und Ökonomie besser miteinander zu verbinden und europäischer zu denken. Jeder Einzelne fange an, über seinen Lebensstil nachzudenken, eine Rückkehr zur Vielfliegerei ist in seinen Augen wenig wahrscheinlich. Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 werde aber erst das Jahr 2021 klare Erkenntnisse bringen, davon ist Thomas Leimkuhl überzeugt.

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