Wie Steinhagens Zweiradhändler trotzdem den Saisonstart meistern
Sorge um internationale Zulieferer

Steinhagen (WB). Mit frühlingshaften Temperaturen lockt es Hobbygärtner und Fahrradausflügler wieder vermehrt nach draußen. Und ausgerechnet zum Saisonbeginn mussten Geschäfte wie das von Zweirad- und Gartengerätehändler Thomas Lüking und das von Zweiradhändler Rolf Magerkohl wochenlang schließen – zumindest den Ladenverkauf. Seit Anfang dieser Woche ist die Zwangspause vorbei , ihre Läden dürfen wieder öffnen. Wie ist die Stimmung?

Donnerstag, 23.04.2020, 07:30 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 07:40 Uhr
Diese Vespa eines Kunden ist mittlerweile 51 Jahre alt. Doch Jutta und Thomas Lüking haben auch noch mehrere neue Modelle des Italo-Klassikers auf Lager. Foto: Volker Hagemann
Diese Vespa eines Kunden ist mittlerweile 51 Jahre alt. Doch Jutta und Thomas Lüking haben auch noch mehrere neue Modelle des Italo-Klassikers auf Lager. Foto: Volker Hagemann

Frühlingsfest musste abgesagt werden

Durchwachsen, aber voller Optimismus, wie es Jutta und Thomas Lüking vorsichtig ausdrücken. Am vergangenen Wochenende hätten sie auf ihrem Gelände an der Bielefelder Straße eigentlich ihr jährliches Frühlingsfest in Form der bekannten kleinen Gewerbeschau mit weiteren Mitstreitern gefeiert – doch die Corona-Krise hat auch ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kann man ein solches Event nachholen, vielleicht im Herbst? „Eher nicht, denn für die meisten ist eben der Frühling die Zeit der Besichtigungen und Neuanschaffungen, das Wetter motiviert“, weiß Thomas Lüking. Er und Ehefrau Jutta betonen aber trotz zurückliegender Schließung auch ausdrücklich: „Das Allerwichtigste ist doch, dass man gesund bleibt.“

Derweil blieben in Nordrhein-Westfalen die Bau- und Gartenmärkte geöffnet. Und auch dort gibt es ja vielfach Fahrräder, Zubehör und Gartengeräte. Ist das gerecht? Könnte manch ein Kunde deswegen möglicherweise abgewandert sein? Thomas Lüking zuckt mit den Schultern. „Beziffern kann man das natürlich nicht. Und wir können uns ja letztlich nur nach den Vorgaben der Politik richten.“

Dabei gibt es gerade jetzt neben neuen Fahrradmodellen auch viele Zubehör-Neuheiten. Und immerhin: „Unsere Werkstatt durften wir ja weiter offen halten, da ist die Nachfrage glücklicherweise ungebrochen“, berichtet Jutta Lüking. Dennoch hoffen die beiden Händler, dass nun mit der Wiederöffnung auch des Ladengeschäfts wieder treue Kunden kommen. „Denn viele haben jetzt mehr Zeit zum Schauen und um sich in Sachen Fahrräder zu informieren, sei es durch Urlaub oder zwangsweise auch durch Kurzarbeit“, weiß Thomas Lüking.

Lieferanten sind flexibel

Die ersten Interessenten kamen denn auch gleich am Montag. „Wir haben Desinfektionsmittel und achten darauf, dass sich nie zu viele Kunden gleichzeitig im Geschäft aufhalten, dann ist das mit dem Abstand auch kein Problem“, so Lüking. Dankbar ist er zum einen den Kunden, die ihnen die Treue halten, zum anderen den Lieferanten: „Die sind zum Glück flexibel. Anstelle der sonst üblichen Mengen ermöglichen sie uns derzeit auch die Abnahme von kleineren Stückzahlen oder auch einzelnen Fahrrädern.“

Indes seien die Folgen der Corona-Krise wohl noch nicht ausgestanden, mutmaßt Thomas Lüking: „Fahrradhersteller Giant, der in Taiwan, China und den Niederlanden produziert, stellte vorübergehend seine Produktion ein. Mal sehen, wie sich das noch auf die Lieferung auch von Ersatzteilen auswirkt.“ Und bei Piaggio in Italien, Hersteller unter anderem der Vespa-Motorroller, ruhe die Produktion sogar noch jetzt, berichtet Lüking. Glücklicherweise habe er aber einen umfangreichen Lagerbestand an aktuellen Modellen und Ersatzteilen.

Antriebe stammen aus Fernost

Trotz Schließung des Ladengeschäftes: Auch Rolf, Jutta und Sebastian Magerkohl haben in den vergangenen Wochen zumindest in der Werkstatt gut zu tun gehabt. „Und hin und wieder konnten wir etwas ausliefern.“ Dennoch sei vor allem der sonst schon im März starke Zubehörverkauf auf der Strecke geblieben. Seit der Wiederöffnung geht es nun in ihrem Geschäft an der Woerdener Straße zur einen Tür hinein, zur anderen hinaus, um enge Begegnungen im Laden zu vermeiden. Auch die Magerkohls sind ihren Kunden dankbar für die Treue. Um Kunden und Mitarbeiter zu schützen, empfehlen sie: „Wer etwa einen Helm sucht, sollte sich, wenn es geht, schon vorab über Größe und Optik informieren, um die Anprobe auf ein Mindestmaß zu reduzieren“, bittet Rolf Magerkohl um Verständnis. Und es wird natürlich stets desinfiziert.

Die Corona-Krise ist auch ein Anlass, verstärkt auf heimische Produkte zu setzen.

Rolf Magerkohl

Aktuell gibt es auch bei ihnen mehrere Modellneuheiten. Und obwohl auch bei Zweirad Magerkohl Fahrrad- und Ersatzteillager gut bestückt sind, schauen sie mit Sorge in andere Produktionsländer: „Die Rahmen der meisten Fahrräder und auch die Elektromotoren kommen aus Fernost. Wie Produktions- und Lieferschwierigkeiten durch Corona sich auswirken, wird sich wohl erst verzögert zeigen“, fürchtet Rolf Magerkohl. Für ihn auch ein Anlass, erneut vermehrt auf heimische Produkte und Hersteller hinzuweisen. „Denn die Globalisierung ist nicht immer nur von Vorteil...“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7380537?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F
Bundestag beschließt Grundrente
Eine Grundrente könnte verabschiedet werden.
Nachrichten-Ticker