Steinhagener Oliver Stümann und Paderborner Max Rohland inszenieren digital eine Gedichtreihe
Jeden Tag ein kleines Stück Kultur

Steinhagen (WB). Es sind kurze Stücke, nur ein paar Verse. Aber sie nehmen die Stimmungen, denen in der derzeitigen coronabedingten Krisensituation emotional jeder unterliegen dürfte, auf: mal traurig, mal hoffnungsvoll, mal humorvoll oder auch mit einem gewissen Sarkasmus. Berührend, witzig, grotesk, erotisch, auf jeden Fall immer wieder anders. Es lebe die kulturelle Vielfalt – verdichtet in einem Gedicht. Und das schenken der Steinhagener Kulturorganisator Oliver Stümann und der Paderborner Schauspieler Max Rohland allen, die es hören wollen, jeden Tag aufs Neue.

Donnerstag, 30.04.2020, 07:30 Uhr
Mit der Pandemie hat das nichts zu tun: „Corona“ hat der Dichter Paul Celan (1920-1970) sein Gedicht genannt, das Max Rohland für seine Homepage eingesprochen hat. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold
Mit der Pandemie hat das nichts zu tun: „Corona“ hat der Dichter Paul Celan (1920-1970) sein Gedicht genannt, das Max Rohland für seine Homepage eingesprochen hat. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Von Hildegard von Bingen bis zu Franz Kafka

Ihr kleines Stück Kultur ist unter dem Titel „Unser täglich Gedicht gib uns heute“ auf der Website von Max Rohland zu hören (maxrohland.de/unser-taeglich-gedicht-gib-uns-heute). „Ein kleines Divertissement in diesen seltsamen Zeiten“, sagt Oliver Stümann. Der Steinhagener sucht die Stücke aus, die der Schauspieler und Sprachkünstler Rohland einliest.

Dabei kennt das Duo keine Grenzen: Hildegard von Bingens „Seele“ ist ebenso dabei wie „Corona“ von Paul Celan, „Auf der Galerie“ von Franz Kafka, „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff oder Martin Walsers „Wie immer“, das Ängste und Lagerkoller der augenblicklichen „Bleib-daheim“-Gesellschaft nicht besser auf den Punkt hätte bringen können: „Und ich bin noch im Zimmer – wie immer“. Und selbst vor Schillers „Pest“ schreckt das Duo nicht zurück.

Kultur in einem schlanken Format

„Am Anfang der Krise habe ich mit Max Rohland überlegt, wie man Kultur in einem schlanken Format machen kann“, so Stümann. Unentgeltlich, angetrieben von dem Wunsch, der Kultur auch in Zeiten der Pandemie, da ihr der Live-Auftritt auf der Bühne versagt bleibt, verfiel das Duo auf den Weg der digitalen Vermittlung. Nichts einfacher – und kostengünstiger –, als die Homepage des Schauspielers zu nutzen und die Lyrik sprechen zu lassen: Sie könne Mut machen und Trost spenden in diesen Zeiten, so Stümann. So kann sich jeder sein kleines Stück Kultur täglich mit auf den Weg nehmen.

„Kultur hat für uns existenziellen Stellenwert. Sie ist nicht verzichtbar“, so Stümann, der durchaus die Gefahr sieht, dass Kultur Brachland werden könnte angesichts der Einschränkungen des Kulturbetriebes. Kultur lebt von der Begegnung, doch die findet zurzeit nicht statt. Vielleicht gar nicht mehr in diesem Jahr, sagt der Steinhagener mit Blick auf seine eigene Veranstaltungsreihe „Kunstbegegnungen“, in der es gerade um die Einblicke in die Arbeit von Künstlern und um das Gespräch darüber geht. Für ihn nicht nachvollziehbar: „Die Baumärkte haben auf. Da muss man auch überlegen, wie man für die Kultur mehr Offenheit herstellt.“

Lesungen im MP3-Format auch für Senioreneinrichtungen

„Aber man muss ja irgendwie weiterarbeiten“, so Stümann. Mit Max Rohland hat er schon öfter Projekte auf die Beine gestellt, unter anderem im November 2019 auch in der Brockhagener St. Georgskirche. Nun also sind die beiden im kleinen digitalen Format tätig und bekommen darauf nach Angaben Stümanns sehr gute Resonanz: „Wir werden wahrgenommen. Auch überregional.“

Da der Zustand der Kulturabstinenz durchaus noch länger anhalten kann, wollen Stümann und Rohland auf einfachem Weg, nämlich als MP3-Format, ihre kleinen Lesungen auch in die Senioreneinrichtungen schicken.

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