Gastwirt Peter Krebs zieht für beliebtes Hotel-Restaurant wegen der eingetretenen und noch zu erwartenden Umsatzverluste die Reißleine
Wegen Corona: Steinhagener „Graf Bernhard“ schließt endgültig

Steinhagen (WB). Einer der Gastronomen, der das Leben in Steinhagen in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Aktivitäten besonders nachhaltig geprägt hat, zieht in der Corona-Krise die Reißleine. Peter Krebs, seit 13 Jahren Betreiber des Hotel-Restaurants „Graf Bernhard 1344“, hat am Donnerstag mitgeteilt, dass er seinen Betrieb auch nach anstehenden Corona-Lockerungen nicht wieder öffnen wird. Zu dieser Entscheidung sieht sich der Gastronom aufgrund der nicht mehr aufholbaren Umsatzverluste in diesem Jahr gezwungen.

Freitag, 08.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 13:52 Uhr
Vor 13 Jahren wurde das „Hotel-Restaurant „Graf Bernhard 1344“ eröffnet. Jetzt sieht der Betreiber Corona bedingt keine Perspektive mehr und schließt den Betrieb ganz. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold
Vor 13 Jahren wurde das „Hotel-Restaurant „Graf Bernhard 1344“ eröffnet. Jetzt sieht der Betreiber Corona bedingt keine Perspektive mehr und schließt den Betrieb ganz. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Gastwirte-Paar setzt jetzt auf ein Café in Bad Rothenfelde

Bereits am kommenden Montag werden Peter Krebs und seine Frau Alexandra sowie Sohn Mario (20) ein kleines Café mit Weinhandel im Kurort Bad Rothenfelde in unmittelbarer Nähe der Salinen unter dem Namen „Komm und bleib” eröffnen. Die Eröffnung dieses Lokals war zunächst eigentlich als zweites Standbein neben dem „Graf Bernhard“ vorgesehen, wird nun aber aufgrund der jüngsten Entwicklungen die alleinige Gastronomie des Ehepaares Krebs sein.

Gastwirt Peter Krebs bedauert die Schließung sehr.

Gastwirt Peter Krebs bedauert die Schließung sehr. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Seit der Pandemie bedingten Zwangsschließung der Gastronomie bereits Mitte März hagelte es nach Darstellung von Peter Krebs Stornierungen und Absagen von Gästen. Betroffen waren demnach viele Hochzeiten, aber auch Geburtstags- und sogar drei große Weihnachtsfeiern sowie ein großes Oktoberfest im späteren Verlauf des Jahres. Mit 70 Sitzplätzen im Restaurant, etwa 150 Plätzen im großen Saal, 50 Plätzen im Wintergarten sowie einem Biergarten zählt das „Graf Bernhard“ zu einem der großen Bewirtungsbetriebe im Umkreis. Viele der Feiergäste haben dabei im Graf-Bernhard-Hotel übernachtet wie auch viele Geschäftsreisende, die umliegende Unternehmen aufgesucht haben, oder auch Besucher attraktiver Veranstaltungen in und um Steinhagen.

Umsatzverlust auf mindestens eine halbe Million Euro in diesem Jahr hochgerechnet

Was die Zwangsschließung an Umsatzverlusten für seinen Betrieb bedeutet, rechnet Peter Krebs im Gespräch mit dem WB vor. „Der Januar und Februar waren sehr gut, und auch der März lief noch gut. Und dennoch gibt es schon jetzt ein Umsatzminus von 250.000 Euro im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres“, sagt Krebs. Und wenn man nun die weitere Entwicklung des Jahres mit all den Pandemie bedingten Einschränkungen sowie den bereits erfolgten Stornierungen zusammenrechne, komme man auf einen Umsatzverlust von mindestens einer halben Million Euro.

„In Steinhagen leben wir von Feierlichkeiten und dem Hotel. Der Kostenapparat dafür ist hoch. Die Entscheidung zur Schließung jetzt, so schwer sie mir fällt, ist reiner Selbstschutz“, sagt Krebs, der die anhaltenden Unsicherheiten über die Zukunftsperspektive für Gastronomie als weitere, große Belastung empfindet. „Wie soll das alles denn funktionieren?“, hat er große Zweifel, dass nach der Umsetzung der Corona bedingten Vorgaben noch ausreichend Geld verdient werden kann. Trotz aller Hilfen und Kredite werde die Bank irgendwann einschreiten. Für ein kleineres Café, wie er es nächste Woche eröffnet, sieht er grundsätzlich bessere Chancen.

40 Mitarbeiter im „Graf Bernhard“ verlieren ihren Job

Die 40 Mitarbeiter im „Graf Bernhard“, darunter 20 fest Angestellte, hat Krebs vor Tagen über seine Schließungsentscheidung informiert. „Das sind gute Fachleute, die jetzt noch Chancen haben, anderswo eine Anstellung zu finden. In einigen Monaten werden viel mehr Betriebe aufgegeben haben, dann wird es schwerer, einen Job zu bekommen“, so Krebs. Bisher waren die Beschäftigten in Kurzarbeit 100 Prozent.

Der Abschied vom „Graf Bernhard“, das er vor 15 Jahren von dem mittlerweile verstorbenen Bauunternehmer Arno General gepachtet und über fast zwei Jahre aufwändig umgebaut hatte, fällt Peter Krebs hörbar schwer. „Ich bin jetzt 53 Jahre alt. Wäre ich noch 30, hätte ich es vielleicht noch einmal versucht. Aber nicht mit dieser Corona bedingten Perspektive“, sagt Krebs.

Gastronom Peter Krebs war Macher und Motor für viele Feste im Ort

Der Gastronom ahnt, dass viele Steinhagener neben den vielen privaten Festivitäten nun die großen Karnevals- und Silvesterfeiern oder auch das überaus beliebte Eisstock-Schießen vermissen werden. Peter Krebs, der in Amshausen aufgewachsen ist, einst Bäcker lernte und früher auch das „Steinhäger-Häuschen“ im Ort betrieb, war auch bei Festen in der Gemeinde ein wichtiger Motor. Köche-Markt oder Heide- und Weinfest haben auch vom Engagement der Krebs-Familie profitiert. „Das braucht Menschen, die Lust darauf haben. Wenn man mich fragen sollte, bin ich aber weiter bereit zu helfen“, sagt Krebs.

In den vergangenen Wochen sind im „Graf Bernhard“ auch aufmunternde Rückmeldungen von Gästen eingegangen. Seit einigen Tagen informiert das Ehepaar Krebs viele Gäste persönlich über die Entwicklung. Und auf dem Anrufbeantworter läuft eine Bandansage, in der erläutert wird, warum die Reißleine gezogen wird.

Der WB-Kommentar zum Thema “Graf Bernhard”

Die Schließung des „Graf Bernhard 1344“ ist für Steinhagen aus mehreren Gründen ein Paukenschlag. Zum einen wird schlaglichtartig klar, welchen bösen Folgen die Pandemie bedingten Zwangsschließungen in der Gastronomie haben können. Wenn ein sonst so gut frequentierter Betrieb wie das „Graf Bernhard“ für die Nach-Corona-Zeit schon keine erfolgversprechende Perspektive sieht, wie wird es dann erst anderen Betrieben ergehen, die weniger stark sind?

Tausende Steinhagener haben an diesem Ort über Jahre schöne Stunden verbracht, die viele wohl jetzt vermissen werden. Das ist auch ein persönliches Verdienst des Wirte-Paars Krebs und ihrer Mannschaft. Ob es jemals so schön wieder werden wird?

Und schließlich: Peter Krebs war über Jahre wichtiger Motor und Macher für viele erfolgreiche Großveranstaltungen im Ort. Auch hier steht die Frage im Raum, ob sich ein solcher Verlust tatsächlich kompensieren lässt. Es ist eine bittere Nachricht für Steinhagen. Stefan Küppers

 

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