Detlef Gohr will Steinhagens Bürgermeister werden
Auf dem Weg zum grünen Kandidaten

Steinhagen (WB). Mit einem weiteren Paukenschlag gewinnt der Kommunalwahlkampf in Steinhagen an Fahrt: Detlef Gohr wirft seinen Hut in den Ring und will für die Grünen als Bürgermeister kandidieren.

Samstag, 30.05.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 30.05.2020, 05:00 Uhr
Die naturnahe Gestaltung des Steinhagener Bürgerparks findet Detlef Gohr vorbildlich – durchaus auch als Anreiz für zukünftige Teile eines Gewerbegebietes. Digital sowie mit dem selbst gebauten „Dialogmobil“ geht es nun in den Wahlkampf. Foto: Volker Hagemann
Die naturnahe Gestaltung des Steinhagener Bürgerparks findet Detlef Gohr vorbildlich – durchaus auch als Anreiz für zukünftige Teile eines Gewerbegebietes. Digital sowie mit dem selbst gebauten „Dialogmobil“ geht es nun in den Wahlkampf. Foto: Volker Hagemann

Damit wäre Gohr in Steinhagen der erste grüne Bürgermeister-Kandidat seit 1999, als Johannes Wiemann-Wendt für die Grünen antrat. Wie schwer es stets gewesen ist, gegen den seit 1994 amtierenden Bürgermeister Klaus Besser anzutreten, sei auch den Grünen immer klar gewesen, gibt Detlef Gohr zu: „So lange Klaus Besser im Ring war, galt unsere Entscheidung, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen.“ Das hat sich seit Bessers Rückzugs-Ankündigung vom März geändert: „Und die Rückmeldungen unserer Mitglieder bestätigen uns darin, Detlef Gohr zu nominieren“, sagt Ortsverbandssprecherin Heike Horn. Auf der Wahlversammlung am 8. Juni soll Gohr formell zum Bürgermeister-Kandidaten gewählt werden.

Video-Chats kommen gut an

Steinhagens Grüne sind zuversichtlich, bei der Kommunalwahl am 13. September ein respektables Ergebnis zu erzielen und ihre Themen künftig noch besser umsetzen zu können: „26 Mitglieder hat allein der Ortsverband, und es werden mehr“, berichtet Heike Horn. Sicher spiele der Bundestrend eine Rolle, Detlef Gohr nennt die hohe Resonanz der Fridays-for-future-Demonstrationen. Doch kommunalpolitische Themen würden verstärkt diskutiert: „Schon unsere monatlichen Stammtische im ‚Dorfbullen‘ waren gut besucht. Jetzt sind es die Video-Chats, zuletzt dreimal pro Woche“, freut sich Detlef Gohr.

Zu diskutieren gebe es in Steinhagen schließlich reichlich: „Auch wenn wir aktuell eine rot-grüne Entscheidungsmehrheit in Ausschüssen und Rat haben, lässt sich vieles verbessern. Warum nicht weitere Baugebiete nach Richtlinien der Klimaschutzsiedlung planen?“, nennt Gohr ein Beispiel. Oder das Gewerbegebiet Detert: „Da darf nicht Gewerbe um jeden Preis entstehen, vielmehr sollten die Betriebe einen Branchenmix darstellen. Ein nachhaltiges, CO 2 -neutrales Quartier könnte familienfreundliche Arbeitsplätze mit hoher Aufenthaltsqualität verbinden, etwa mit Elementen wie Teichen, Bänken und Radwegen.“ Dass Unternehmen bereit zu ökologischen Zugeständnissen sind, zeige das Beispiel Getränke Kesten: „Die Firma plant für die neue Fläche westlich der Bahnhofstraße beispielsweise mit einem Gründach“, erinnert Gohr.

Bauvorhaben erst durch die Umweltberatung prüfen lassen

Stichwort Ortskern: „Die aktuelle Sanierung ist sinnvoll, wir Grüne hätten uns allerdings auch hier mehr Aufenthaltsqualität gewünscht, etwa durch ein weiteres Café oder Innenhöfe der Neubauten. Dann nähme man sich auch mehr Zeit zu einem Einkaufsbummel vor Ort.“ Dennoch sei er eher für Sanierung als Abriss alter Gebäude. „Auch das Gebrauchtwarenkaufhaus M & M muss bleiben, es steht für Nachhaltigkeit.“ Eine weitere Idee: „Bauvorhaben sollten erst durch die gemeindliche Umweltberatung geprüft werden.“

Auf gutem Wege sei die Gemeinde inzwischen beim Radverkehrskonzept: „Vor allem auch den Alltags-Radverkehr möchten wir noch viel mehr stärken, etwa durch Schutzstreifen und verbesserte Beschilderung“, so Gohr. Die Schulen will er bei der Umsetzung des Digitalpaktes unterstützen: „Da muss vor allem das Netz noch deutlich verbessert werden.“

Was muss ein Detlef Gohr als Bürgermeister im Rathaus vor allen Dingen gut können? „Ich muss in erster Linie gut zuhören können. Und auch wenn Politik oft aus Kompromissen besteht, unsere große Klammer ist immer der Klimaschutz, jedes Verwaltungshandeln muss ökologisch vertretbar sein.“

Schon in Brokdorf gegen Atomkraft demonstriert

Detlef Gohr, gebürtiger Mendener, wuchs in Dülmen auf, lebte später in Bielefeld und zog 1996 nach Steinhagen. Gohr studierte Sport und Sozialpädagogik auf Lehramt und ist heute selbständiger Mediengestalter und Fotograf. Der 59-Jährige ist mit einer Sonderpädagogin verheiratet, das Paar hat einen Sohn (30) und eine Tochter (25).

Schon früh hat er politisch mitgemischt: „Ende der 70er habe ich in Brokdorf gegen das Atomkraftwerk demonstriert“, erinnert er sich. Später wurde er Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Gütersloher Kreistag, 1999 übernahm Detlef Gohr in Steinhagen von Johannes Wiemann-Wendt den Fraktionsvorsitz. In seiner Freizeit kocht und wandert er gern, liebt seinen Garten und seine Motorrad-Oldtimer.

 

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