Handwerksausstellung rund um Brockhagens alte Dorfschule fasziniert
Maschinen erzählen Geschichte(n)

Steinhagen-Brockhagen(WB). Ein historischer Amboss, eine Lederpoliermaschine oder ein Jahrzehnte altes Relikt der Brockhagener Wassermühlen: Wer sich gern mit historischen Dingen und der lokalen Geschichte beschäftigt, sollte unbedingt einen Ausflug zur alten Brockhagener Dorfschule unternehmen, denn auf dem Außengelände hat die Chronikgruppe des Heimatvereins Brockhagen eine informative Dauerausstellung aufgebaut. Zehn lokale Handwerksbetriebe haben die Ausstellung finanziell unterstützt.

Dienstag, 07.07.2020, 07:00 Uhr
Die hat vieles gesehen: Etwa 100 Jahre lang war diese Ledermangel bei Schuhmacher Bruno Goldbecker in Betrieb. Zehn lokale Handwerksbetriebe haben die Ausstellung rund um die Alte Dorfschule Brockhagen finanziell unterstützt. Foto: Malte Krammenschneider
Die hat vieles gesehen: Etwa 100 Jahre lang war diese Ledermangel bei Schuhmacher Bruno Goldbecker in Betrieb. Zehn lokale Handwerksbetriebe haben die Ausstellung rund um die Alte Dorfschule Brockhagen finanziell unterstützt. Foto: Malte Krammenschneider

„Wir präsentieren Handwerksbetriebe, die schon lange nicht mehr existieren. Wir wollen ihnen damit ein Denkmal setzen“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins Brockhagen, Wilken Ordelheide, der sich über das Gelingen der Ausstellung spürbar freut. Ihm liegt es schließlich am Herzen, auch den heranwachsenden Generationen die Geschichte seiner Heimat näher zu bringen – was sehr gut funktionieren dürfte. Zum einen, weil die Ausstellung mit viel Liebe zum Detail konzipiert wurde, und zum anderen kann sie ganz coronatauglich unter freiem Himmel bestaunt werden.

Handwerk im Fokus

Alle Besucher tauchen dabei mit Hilfe von Info-Tafeln in eine vergangene Zeit ein, in der Brockhagen noch viele Handwerksbetriebe beheimatete. Darunter viele Schmieden, wie die von Arnold und Wilhelm Kochbeck, die auch für ihre Pferdebeschläge bekannt war. Historisch erwähnt wird auch Jakob Boos, der ebenfalls das glühende Eisen formte und nebenbei noch als Standesbeamter tätig war. Heinrich Pohlmann und Sohnemann Reinhold verkauften neben ihren Schmiedearbeiten schließlich die ersten Traktoren im Dorf.

Doch nicht nur eine Reihe von Schmieden befanden sich in und rund um Brockhagen, auch einige Wassermühlen wurden damals betrieben. So zum Beispiel die Mühle Diekmann in Vennort. Eine königliche Zwangsmühle (Bauern waren hierbei vertraglich verpflichtet, nur dort ihr Korn zu mahlen), welche ursprünglich zum Hof Cronsbruch gehörte. Darüber hinaus gab es Sussieks Korn-Mühle am Abrooksbach, wo später ein Sägewerk betrieben wurde. Heute wird dort aus Wasserkraft Strom erzeugt, und Wolfgang Lehnert betreibt hier eine gemütliche Gaststätte.

27 Häuser standen leer

Bis zur Entwicklung der mechanischen Spinnerei war Brockhagen übrigens auch ein echter „Hotspot“ der Hausspinnerei. 250 davon gab es davon um das Jahr 1850. Im Laufe der Jahre wurden es jedoch immer weniger, und Teile der Bevölkerung verarmten. „Zu dieser Zeit wanderten viele nach Amerika aus, und es wird berichtet, dass in Brockhagen 27 Häuser leer standen“, erzählt Wilken Ordelheide. Die letzte noch betriebene Hausspinnerei befand sich in Brockmanns Kotten, wo bis 1950 Sackleinen gewebt wurden. Dort ist die sogenannte Spinnstube (auch Wirkekammer genannt) immer noch vorhanden.

Nicht mehr zu bestaunen sind derweil die Feldbrandziegeleien, wie die auf Gut Patthorst oder die auf Hof Ordelheide, welche schon 1822 im Kataster erwähnt wurde. Beeindruckend ist zudem die Tatsache, dass die Ziegelei auf Hof Reckmeyer in Sandforth, wo pro Jahr rund 60.000 Steine gebrannt wurden, rund 200 Jahre in Betrieb gewesen sein soll.

Früher der größte Ort

Auch Schuhmacherwerkstätten und Ladengeschäfte wie die von Bruno Goldbecker, Herbert Aufderhorst oder Willi und Werner Uffmann wird mit historischen Geräten wie einer Poliermaschine die Ehre erwiesen – sie machen deutlich, dass Brockhagen durch die vielen Betriebe vor über 200 Jahren einen ganz anderen Status inne hatte. „Um 1800 war es der größte Ort im Altkreis mit rund 2000 Einwohnern“, so Wilken Ordelheide.

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