Gruppe trifft sich regelmäßig im Steinhagener Calisthenics-Park
Einfach mal schön abhängen

Steinhagen  (WB). Anna steht Kopf, Peter liegt am Boden, und Peggy, David und Felix scheinen irgendwie zu schweben: Wenn die Sonne am frühen Abend die Bäume hinter der Realschule in ein besonderes Licht taucht, dann startet hier regelmäßig eine kleine Gruppe in ihren sportlichen Feierabend: die Mitglieder des Vereins „Apesthenics e.V.“.

Samstag, 25.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 25.07.2020, 05:03 Uhr
Linealgerade, wie die Laterne: Anna (23).
Foto: Volker Hagemann

Gleich vorweg: Jeder ist hier willkommen, und niemand muss von Anfang an als wer weiß wie sportlicher Crack loslegen. Die Fitness kommt schon mit der Zeit – wenn man zur Stange hält, im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür wurde hier im Juni 2017 – finanziert von der Annette-Schlichte-Steinhäger-Stiftung – für 12.500 Euro eine Outdoor-Fitnessanlage errichtet. Und die bietet mit Reckstangen, Sprossenwand und Parallelbarren aus stabilem Edelstahl sowie dem weichen Hackschnitzel-Boden schier unendliche Möglichkeiten, zu trainieren: Klimmzüge, Rudern und Beinheben sind hier genauso möglich wie Liegestütz, Kniebeugen, Handstand oder gar die „menschliche Flagge“.

Trend aus den USA

All das kommt bei den Nutzern gut an: Mehrmals pro Woche frönen die Sportler dem Calisthenics. Ein Kunstwort, das sich aus den griechischen Begriffen „kalos“ („schön“) und „sthenos“ („Kraft“) zusammensetzt. „Auch, wenn es um Kraft, Ausdauer und Mobilität geht – bei uns trainiert jeder, wie er kann und will, jeder hat seine persönlichen Ziele“, erklärt Felix (25) vom Vorstand der Apesthenics. „Vom Neueinsteiger bis zum Profi ist bei uns jedes Level vertreten, jeder hilft jedem.“

Als der Calisthenics-Trend vor Jahren aus den Parks in den USA auch nach Deutschland schwappte, waren die 2013 in Bielefeld gegründeten Apesthenics einer der ersten dieser Vereine in Deutschland. Mit dem Vereinsnamen (aus dem englischen „apes“ für Affen) beweisen die etwa 50 Mitglieder Humor: „Bei manchen Übungen liegt das schon recht nah...“, sagt das Steinhagener Vorstandsmitglied David (51) augenzwinkernd. Überhaupt sind auch Elemente aus dem Geräteturnen enthalten. Vorteil bei Calisthenics: „Im Gegensatz zum Krafttraining mit isolierten Übungen werden hier fast immer mehrere Muskelgruppen gleichzeitig angesprochen“, erklärt Felix. Er selbst kam vor sechs Jahren über Freunde zum Calisthenics. „Mich reizen vor allem die turnerischen Elemente.“

Ausgleich zum Bürojob

Anna ist seit dem vergangenen Jahr dabei: „Industriekauffrau ist ein ziemlich sitzlastiger Beruf. Daher hatte ich anfangs den Muskelkater meines Lebens“, erinnert sich die 23-Jährige. „Mir geht es insgesamt um etwas Kräftigung.“ Das ist bescheiden formuliert, denn inzwischen beherrscht sie auch einen Handstand in Perfektion. Erst vor drei Jahren stieß David zu der Gruppe. „Der Mensch muss sich bewegen“, sagt der 51-Jährige, der auch in der Natur einfach mal an einem Baumstamm etwas für seinen Trizeps tut. „Ich will schließlich gesund alt werden.“ Das findet auch Peggy (46), die ebenso wie er zugibt: „Klar, ein bisschen sehen und gesehen werden gehört bei vielen dazu...“

Melina (23) und Jasmin (41) sind fast seit Vereinsgründung dabei: „Für uns eine super Ergänzung zum Turnen!“ Erst Ende vergangenen Jahres gesellte sich Peter zu den Apesthenics. Kurz zuvor bekam er noch die Hiobsbotschaft: Verdacht auf Herzinfarkt. Das bestätigte sich glücklicherweise nicht. „Aber ich wollte danach fitter werden. Mit Ernährungsumstellung nahm ich 35 Kilo ab“, erinnert sich der 41-Jährige, während er vom Liegestütz verschnauft.

Großes Ziel: Handstand

Vor allem sitzend gestaltet sich der Arbeitsalltag auch bei Barbara: Die 32-jährige Produktmanagerin liebt seit drei Jahren Calisthenics. Am Parrallelbarren sieht es aus, als habe sie nie etwas Anderes gemacht. „O.K., früher habe ich schon etwas Leichtathletik gemacht.“Ziele hat sie nach wie vor: Einen Muscle up will sie hinkriegen – den Klimmzug in den Stütz. „Und Handstand wäre klasse...“

Zum Training ist jeder willkommen; die Mitglieder treffen sich aktuell in Steinhagen, Oerlinghausen und Bielefeld; bei der kontaktfreien Sportart gibt es genug Abstand, und alles wird regelmäßig desinfiziert. Nach den Ferien wird außerdem in der Sporthalle der Hans-Christian-Andersen Grundschule in Sennestadt trainiert. Näheres: www.apesthenics.com

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