Auch zu Spitzenverbrauchszeiten im Sommer: Warum es in der Patthorst so verlässlich sprudelt
„Steinhagener Wasserversorgung stabil“

Steinhagen (WB). Eine Wasserwarnung hat es selbst in den Hitzesommern 2018 und 2019 in Steinhagen nicht gegeben. Und somit keine Beschränkung bei der Gartenbewässerung. Stattdessen „exportiert“ Steinhagen sogar Wasser – per Verbundleitung nach Bielefeld und nun im Notverbund über die TWO Halle auch nach Borgholzhausen. Während viele Kommunen in den Hitzephasen des Sommers Wassermangel befürchten, ist die Lage in der Gemeinde entspannt. Die Wasserreserven der Patthorst sind offenbar unerschöpflich. Oder? „Die Menschen in Steinhagen müssen sich keine Sorgen machen. Dennoch sollten sie sparsam mit Wasser umgehen. Es ist ein wertvolles Gut“, sagt Gemeindewerke-Geschäftsführer Stefan Lütgemeier.

Samstag, 15.08.2020, 05:00 Uhr
An den Brunnen in der Patthorst wird kontinuierlich gebaut: Nachdem in den vergangenen Jahren zwei zusätzliche Brunnen gebohrt worden und in Betrieb gegangen sind, werden im zweiten Teil der Maßnahme nun alte zurückgebaut. Foto: Bluhm-Weinhold
An den Brunnen in der Patthorst wird kontinuierlich gebaut: Nachdem in den vergangenen Jahren zwei zusätzliche Brunnen gebohrt worden und in Betrieb gegangen sind, werden im zweiten Teil der Maßnahme nun alte zurückgebaut. Foto: Bluhm-Weinhold

Aus neun Brunnen wird im Waldgebiet der Patthorst aus einer Tiefe von 15 bis 22 Metern das wertvolle Nass gewonnen. Es ist so rein, dass es nicht einmal aufbereitet werden muss. Es geht dann ins Wasserwerk in der Patthorst, wo es einen Zwischenspeicher von 500 Kubikmetern gibt, und von dort aus weiter über zwei Haupttransportleitungen in die Hochbehälter am Langenberg, die zusammen ein Volumen von 2200 Kubikmeter haben.

Entwicklung im Blick

Bei 4500 Kubikmeter liegt derzeit der Tagesverbrauch der Gemeinde – in der aktuellen Hitzephase machen sich die Spitzenverbräuche durch die Gartenbewässerung und die Befüllung von Gartenpools bemerkbar. Diese gab es früher nicht oder zumindest nicht in dieser Zahl. „Das Nutzerverhalten hat sich geändert“, sagt Stefan Lütgemeier. Die Tagesspitzen werden zurzeit abends gegen 20 Uhr erreicht, denn dann werden die Gärten gewässert. Trotz der Spitzenverbräuche: „Die Versorgung ist stabil auch auf hohem Niveau. Wir haben keine Probleme, sondern auch noch Reserven“, so der Gemeindewerkechef.

Doch das geänderte Nutzerverhalten muss man ebenso wie die Entwicklung der Gemeinde beobachten und darauf das Wasserversorgungskonzept ausrichten, wie Bürgermeister Klaus Besser, Aufsichtsratschef der Gemeindewerke, erklärt. „Wir arbeiten kontinuierlich am Netz, um den Bedarf erfüllen zu können“, sagt er. Seit 2018 gibt es ein „größeres“ Konzept, das bis 2022 läuft. „Danach müssen wir weitersehen, ob man zum Beispiel einen dritten Hochbehälter oder zusätzliche Fördermöglichkeiten braucht.“ Denn mit den Neubaugebieten in Amshausen, wo an die 100 Haushalte dazukommen werden, und in Brockhagen sowie mit dem Gewerbegebiet Detert wird es auf absehbare Zeit viele neue Verbraucher geben.

Arbeit an den Brunnen

Die Arbeit an den Brunnen im Patthorster Wald ist eine permanente Aufgabe. Früher waren es nur vier, später viele Jahre acht Brunnen, heute neun. Zwei neue Brunnen sind in der jüngsten Zeit dazu gekommen, die zwei alte ersetzen. „Ein Brunnen hält etwa 40 bis 45 Jahre. Irgendwann kann man alte Brunnen nicht mehr aufbereiten. Dann muss man neu bohren. Aber mehr als anderthalb Brunnen pro Jahr schaffen wir auch nicht“, sagt Stefan Lütgemeier – ein Hinweis darauf, wie wichtig eine langfristige Planung bei der Wassergewinnung ist: „Die Kapazitäten des Brunnenbauers haben wir fest gebucht schon bis 2033, sagt er. Bis 2036 läuft das aktuelle Wasserrecht: 1,34 Millionen Kubikmeter darf die Gemeinde pro Jahr fördern. „Davon schöpfen wir pro Jahr 85 Prozent aus“, so Lütgemeier.

Jahresabsatz bleibt gleich

Denn trotz der Spitzen im Sommer: „Der Jahresabsatz ist nicht wesentlich gestiegen“, so Lütgemeier. Und wenn auch das Wasserentnahmegebiet auf 7,4 Quadratkilometern in der Patthorst liegt – das so genannte Nährgebiet ist Amshausen. Denn dort ist die wasserundurchlässige Lehmschicht, die mehr oder weniger die Gemeinde durchzieht, offen. Das Gelände hat Gefälle. „Was dort abregnet, kommt über das Erdreich irgendwann in der Patthorst an“, so Lütgemeier. Das kann je nach Bodenbeschaffenheit zwei bis vier Jahre dauern. Und es geht gleich in die grundwasserführenden Schichten im zweiten Stock – unter besagter Lehmschicht.

Gewinnung nur im Winter

Einerseits vertrocknen die Wälder auch im Teuto, weil die Bäume nicht genug Feuchtigkeit bekommen, andererseits haben die trockenen Sommer keine Auswirkungen auf die Grundwasserbildung. Das hängt mit der hydrologischen Zweiteilung des Jahres zusammen: „Für uns Versorger interessant ist nur das Winterhalbjahr“, so Lütgemeier. Denn im Sommer dienen die Niederschläge nur der Vegetation – oder eben nicht, wenn es zu wenig sind. „Die Pflanzen, die Bäume leben von den Niederschlägen, nicht vom Grundwasser“, so Lütgemeier: „Für uns entscheidend zur Grundwasserneubildung sind die Niederschlagsmengen im Winter“, so Lütgemeier. Dann ruht die Vegetation, und Regen oder auch Schnee sickern tiefer in die Böden ein – bis ins Grundwasser. Daran haben weder die Extremsommer noch die milderen Winter etwas geändert: „Im langjährigen Mittel haben wir neutrale Niederschläge“, sagt der Gemeindewerkechef.

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