Aus gesundheitlichen Gründen schließt Karl-Heinz Sieker sein Steinhagener Geschäft
Mit 76 ist Schluss

Steinhagen (WB). Wer Lego oder Playmobil suchte, das neueste Siku-Automodell, die passende Ersatzkanne für die Kaffeemaschine, Gartengeräte, Geschirrtücher oder einen Schlitten, wurde bei Sieker fündig. Über Jahrzehnte ist das Haushaltswaren- und Spielzeuggeschäft im Steinhagener Ortskern für Generationen Anlaufpunkt gewesen. Doch nun hat sich Karl-Heinz Sieker endgültig entschlossen, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu öffnen.

Freitag, 18.09.2020, 02:00 Uhr
Generationen haben hier Gläser, Porzellan, Bügelbretter, Lego und Playmobil gekauft: Das Haushaltswaren- und Spielzeuggeschäft Sieker am heutigen Fivizzanoplatz ist 1978 errichtet worden. Das Ladenlokal im Erdgeschoss soll nun vermietet werden. Foto: Volker Hagemann
Generationen haben hier Gläser, Porzellan, Bügelbretter, Lego und Playmobil gekauft: Das Haushaltswaren- und Spielzeuggeschäft Sieker am heutigen Fivizzanoplatz ist 1978 errichtet worden. Das Ladenlokal im Erdgeschoss soll nun vermietet werden. Foto: Volker Hagemann

„Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder lange hin und her überlegt, und erst vergangene Woche ist dann meine Entscheidung gefallen, aufzuhören – schweren Herzens“, berichtet Karl-Heinz Sieker im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Denn der 76-Jährige unterzieht sich derzeit einer längeren Krebstherapie. „Ich bin zwar optimistisch und fühle mich auch wieder gut, aber es ist schwer zu planen, wann und wie es im Laden weitergehen kann“, sagt er.

Zuletzt war im Januar geöffnet

Im Januar dieses Jahres hatte er noch drei Wochen lang geöffnet, dann musste er wegen seiner Behandlung wieder schließen: „Ich hätte danach zwischendurch immer nur tageweise öffnen können, das funktionierte nicht.“ Obendrein kam im März die Corona-Pandemie hinzu, was das Ganze zusätzlich erschwert habe, sagt Sieker: „Meine Familie und Freunde haben mich gefragt, ob ich mir die Corona-Auflagen im Laden parallel zu meiner angeschlagenen Gesundheit überhaupt noch antun wolle, ich sei ja schließlich mit 76 auch Risikopatient.“

Karl-Heinz Sieker zieht jetzt die Konsequenz und schließt endgültig, sein 180 Quadratmeter großes Ladenlokal am Fivizzanoplatz will er nun mit Hilfe des Haller Immobilienbüros Luther vermieten. Wie die Resonanz darauf ausfallen wird, wie es in den Räumen weitergehen könne, das sei alles noch offen: „Es gab zwar in den vergangenen Jahren immer wieder mal Interessenten für die Geschäftsräume, aber ein solches Haushaltswaren- und Spielzeuggeschäft wird wohl kaum noch jemand betreiben wollen“, mutmaßt der 76-Jährige. „Das rechnet sich heute nicht mehr; für mich als Eigentümer war es zuletzt eher ein Hobby.“ Zu groß sei längst die Konkurrenz durch gut sortierte Supermärkte und vor allem durch das Internet.

Noch stehen in den Schaufenstern des Geschäfts am Fivizzanoplatz Geschirr und Spielzeug. „Vielleicht kann ich dafür einen Komplett-Abnehmer finden, oder ich organisiere noch einen Abverkauf“, überlegt Sieker.

Über 80 Jahre Tradition

Seit mehr als 80 Jahren existiert das Geschäft, das sein Vater Heinrich 1937 gründete: Im 2016 abgerissenen Haus Meier an der Bahnhof-/Ecke Mühlenstraße (wo heute die „Residenz am Bürgerpark“ steht) gab es zunächst Haushalts- und Eisenwaren. 1950 zog Sieker in einen Neubau an der Queller Straße (neben der Zahnarztpraxis Wübben), fünf Jahre darauf wurden Spielwaren ins Sortiment aufgenommen. 1975 übernahm Karl-Heinz Sieker das elterliche Traditionsgeschäft, drei Jahre später wurde das heutige Ladengeschäft am Kastanienplatz (später Fivizzanoplatz) errichtet.

Auch wenn Karl-Heinz Sieker schweren Herzens schließt und betont, im Laden habe er sich immer am wohlsten gefühlt – er freut sich auch darauf, es künftig etwas ruhiger angehen lassen zu können. „Sobald es mir gesundheitlich wieder besser geht, würde ich gerne auch wieder die eine oder andere Kurzreise unternehmen“, plant er.

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