Stichwahl-Kandidaten Süß (SPD) und Bante-Ortega (CDU) im Doppel-Interview
Ausschüsse neu denken, Rat einigen

Steinhagen  (WB). Wer steht zukünftig an der Spitze der Gemeinde Steinhagen? Sarah Süß (28, SPD) oder Hans-Heino Bante-Ortega (62, CDU)? Für kommenden Sonntag, 27. September, sind die Steinhagener zur Stichwahl aufgerufen. WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Annemarie Bluhm-Weinhold hat die beiden Bürgermeisterkandidaten zu einem Doppel-Interview gebeten.

Mittwoch, 23.09.2020, 03:55 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 04:00 Uhr
Wer zieht ins Steinhagener Rathaus als Bürgermeister oder Bürgermeisterin ein? Hans-Heino Bante-Ortega oder Sarah Süß? Beim Doppel-Interview mit dem WESTFALEN-BLATT zeigt sich, dass sich die beide Kandidaten gut verstehen und einen fairen Umgang pflegen. Foto: Bluhm-Weinhold
Wer zieht ins Steinhagener Rathaus als Bürgermeister oder Bürgermeisterin ein? Hans-Heino Bante-Ortega oder Sarah Süß? Beim Doppel-Interview mit dem WESTFALEN-BLATT zeigt sich, dass sich die beide Kandidaten gut verstehen und einen fairen Umgang pflegen. Foto: Bluhm-Weinhold

Wie häufig sind Sie auf Ihren „Steinhagen Song“ angesprochen worden?

Hans-Heino Bante-Ortega: Oft, wie oft, das kann ich gar nicht sagen. Ich war erstaunt, vor allem wie viele Senioren auf „You Tube“ unterwegs sind und das gesehen haben. Die Rückmeldungen waren teils sehr euphorisch, andere wollten sich mit ihrer Meinung aber auch nicht festlegen. Aber der Song war ja auch nicht das einzige im Wahlkampf.

 

Aber vielleicht ein Mittel, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Wie auch der rote Roller. Ist der gut angekommen?

Sarah Süß: Auf jeden Fall, wobei ich gar nicht weiß, ob ich nicht auch öfter gefragt wurde, wann ich mal singe. Der rote Roller ist ein Hingucker. Am Anfang, als die Leute ihn zum ersten Mal gesehen haben, wurde ganz viel gewunken. Gerade weil er Elektro ist und es in der Umgebung kaum einen gibt. Da kommt man auch auf andere Themen zu sprechen.

 

Was waren für Sie denkwürdige Momente im Wahlkampf?

Süß: Insgesamt das Feedback. Es waren viele gute Gespräche. Ein sehr schöner Moment war, als mir ein völlig fremdes Mädchen ein Bild gemalt hat: einen Glückspilz für den Wahlsonntag. Bante-Ortega: Es waren bei mir auch viele positive Momente. Ich hatte auch so Erlebnisse, dass plötzlich ein kleiner Junge stehen blieb, und mich gefragt hat, ob ich das sei auf dem Plakat. Auch Jugendliche, die mich gesehen haben und dann meinen Song abspielten.

 

Warum wären Sie die geeignete Bürgermeisterin/der geeignete Bürgermeister für Steinhagen? Welche Qualifikationen sehen sie da vor allem?

Süß: Ich bringe die berufliche Qualifikation mit. Als Rechtspflegerin habe ich die Qualifikation für den gehobenen Verwaltungsdienst. Es ist keine ganz schlechte Grundlage, aus dem juristischen Bereich zu kommen. Das Menschliche ist auch ganz wichtig. Viele haben mir das Feedback gegeben, dass ich ihnen zuhören würde. Das ist wichtig für die Menschen, das Gefühl zu haben, dass da ein guter Ansprechpartner für sie ist. Bante-Ortega: Ich komme zwar nicht aus der Verwaltung. Und wir sind unterschiedlich vom Alter und vom Typ. Das macht den Wahlkampf auch aus. Wenn wir relativ gleich wären, dann würden wir das Spektrum der Bürger auch gar nicht so wiedergeben. Ich bin mehr gesellschaftlich orientiert. Wenn ich meine Fantasie spielen lasse, müsste es eigentlich zwei Bürgermeisterposten geben. Aber wenn man so lange dabei ist wie ich – das erste Mal habe ich Mitte der 80er Jahre kandidiert –, dann weiß man um Inhalte und Schwerpunkte. Man kennt sich aus mit Verwaltung, wenn auch aus einer anderen Warte. Ich habe auch als selbstständiger Malermeister und als Vorsitzender des TuS Brockhagen Buchführung gemacht.

 

Es sind ja noch andere Qualitäten gefragt: Im Gemeinderat ist Sitzgleichheit zwischen CDU und SPD, die Grünen sind stärker, es gibt drei Einzelkämpfer. Was wird man die Bürgermeisterin/der Bürgermeister da zu leisten haben?

Süß: Das ist natürlich ein ganz anderes Gefüge als vorher, und das wird sicherlich sehr spannend. Große Herausforderung ist, dass die AfD einen Sitz bekommen hat. Ich hatte gehofft, dass das nicht passiert. Aber es ist jetzt so und damit müssen wir umgehen. Eine Aufgabe des Bürgermeisters sehe ich darin, die demokratischen Parteien zusammenzuhalten und zu sagen: Hier müssen wir jetzt den Schulterschluss üben und klarmachen, dass Antidemokratisches und Hetzerisches keinen Platz hat bei uns. Ich hoffe, dass es eine gute Zusammenarbeit aller, auch der Einzelkämpfer wird. Bei der AfD gehe ich davon erst einmal nicht aus. Bante-Ortega: Wir müssen jetzt sachbezogen arbeiten. Wir haben Corona. Die Autoindustrie schwächelt, wodurch Schaeffler betroffen ist. Wir haben in der Vergangenheit viel investiert und sind darauf angewiesen, dass wir Geld wieder hereinbekommen. Da müssen vom Bürgermeisteramt im Sinne der sachlichen Verständigung Impulse ausgehen, was für Steinhagen wichtig ist und deutlich machen, dass Ideologien außen vor bleiben. Süß: Ergänzend dazu vielleicht: In der Vergangenheit wurden große und wichtige Entscheidungen meist einstimmig beschlossen. Gerade jetzt, da wir alle vor der Herausforderung Corona stehen, kann man nur hoffen, dass das auch in Zukunft so ist.

 

Die Detert-Entwicklung, Wohnungsbauförderung, Umweltschutz und Klimamanagement, Digitalisierung – das sind große Themen für die Parteien. Aber für den Bürgermeister, die Bürgermeisterin stellt sich ja auch die Frage, wo Akzente zu setzen und Impulse zu geben sind. Wo sind die Stellschrauben für Sie?

Süß: Stellschrauben sind überall. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, einen separaten Umwelt- und Klimaschutzausschuss einzurichten. Das ginge mit einer Mehrheit im Rat. Dadurch geben wir dem ganzen Bereich einen höheren Stellenwert und stellen sicher, dass das Thema noch mehr in die Ratsarbeit einfließt. Ich könnte mir im Rahmen der Digitalisierung auch eine Stelle Digitalisierungsmanagement vorstellen, damit Digitalisierung übergreifend in einer Art Stabsstelle angesiedelt ist, weil es in alle Bereiche hineinspielt. Bante-Ortega: Das Bürgermeisteramt muss jetzt die Netzwirkungen unterstützen, die entstehen müssen. Es kann kein Ausschuss alleine eine Thematik behandeln. Wenn man einen Umweltausschuss einrichtet, muss man auch bedenken, dass Entscheidungen im Außenbereich, etwa zu Bachrenaturierungen oder Baugenehmigungen, Angelegenheit des Kreises sind. Diese Netzwerke müssen stark gepflegt werden. Das ist auch bei der Digitalisierung und dem Breitbandausbau so, der zwischen mehreren Kommunen und dem Kreis läuft. Ich sehe, dass wir auch generell Ausschüsse überdenken müssen. Vieles greift ineinander. Wenn ich bei Umwelt bin und klimaneutrales Bauen fördern will, dann bin ich auch beim Bauausschuss. Umweltschutz, Energetik, Wirtschaftsförderung, Wohnungsbauförderung: Das sind brennend heiße Themen. Da kommt man in der bisherigen Form nicht mehr zu Ergebnissen. Süß: Es ist ein Prozess, und man kann gut die Arbeit der Ausschüsse vernetzen, wie du sagst. Wenn es etwa um einen Bau einer Schule geht, dann muss es im Schulausschuss um das Konzept gehen, dann muss es aber mit den Experten im Bauausschuss auch um den Bau gehen und im Umwelt- oder Klimaschutzausschuss über die energetischen Dinge gesprochen werden. Übergreifende Themen müssen durch mehrere Ausschüsse gehen.

 

Der Bürgermeister ist ja nicht nur Verwaltungschef und Chef des Gemeinderates, sondern auch für die Bürger da. Wie wird man Bürgermeister, Bürgermeisterin für alle?

Bante-Ortega: Neutralität muss man haben. Parteidenken, das will auch keiner. Es kommen ja alle auf einen zu. Ich halte das für sehr wichtig, Bürgermeister aller Bürger zu sein. Unabhängig davon, dass man im Rat die Bürgermeisterstimme hat. Aber das Politische muss man ablegen, wenn man bei den Bürgern ist. Süß: Der Begriff sagt ja auch, dass man ein Bürger ist. Ich bin überzeugte Sozialdemokratin. Aber die Grundwerte, die ich habe, begünstigen es, im Bürgermeisteramt für alle Bürger da zu sein. Da darf man sich nicht aufs Parteibuch berufen, das muss egal sein. Sondern man muss Ansprechpartner für alle sein und Dinge, die im Rathaus passieren, auch erklären können.

 

Welche Prinzipien sind Ihnen wichtig? Allgemein, fürs Amt?

Süß: Als Sozialdemokratin ist mir Gerechtigkeit ganz wichtig. Was das Amt angeht, ist es wichtig, ansprechbar für alle zu sein und ein gutes Miteinander mit den Kollegen zu haben. Ich bin zwar sehr jung, aber es ist altersunabhängig: Man kann gut zusammenarbeiten, wenn man angenehm miteinander umgeht. Bante-Ortega: Mein Prinzip ist Treue. Ich bin dem Dorf treu, ich bin meiner Frau treu, ich bin mir selbst treu. Ehrlichkeit, überhaupt die christlichen Grundwerte. Die habe ich in mir. Ganz, ganz wichtig: Die Wertschätzung des anderen. Die darf nicht leiden Süß: Das zeigt sich auch jetzt im Wahlkampf, bei uns beiden zumindest. Wir essen auch donnerstags nach dem Stand am Markt nochmal ein Eis. Das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Man muss nicht einer Meinung sein, aber wertschätzen kann man sich trotzdem.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7597036?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F
Komiker Karl Dall im Alter von 79 Jahren gestorben
Karl Dall ist tot.
Nachrichten-Ticker