Steinhagenerin Dr. Heidi Lorey hat neues Buch über „Wintergemüse“ veröffentlicht
Spinat und Salat bei Minusgraden

Steinhagen (WB). Na klar, Kohl ist das Wintergemüse schlechthin – deshalb gebührt ihm in Dr. Heidi Loreys neuestem Buch auch das frostig gestaltete Titelbild: Denn es geht in dem siebten Werk der promovierten Gartenbauingenieurin aus Steinhagen um das „Wintergemüse – Frische Ernte in der kalten Jahreszeit“. Und das ist mehr als Chinakohl, Grünkohl und Rosenkohl und ihre Verwandten: Auch Möhren, Radieschen und Salat, Spinat und Erbsensprossen lassen sich bis spät im Jahr aus dem eigenen Beet ernten.

Samstag, 17.10.2020, 03:36 Uhr aktualisiert: 17.10.2020, 03:40 Uhr
Kapuzinerkresse, Pak Choi, Kohl, Kopfsalat, Porree: All das wächst an Wintergemüse in Heidi Loreys Hochbeet, beschrieben sind sie wie mehr als 30 andere im neuen Buch. Nur das Salatpflänzchen Winterportulak vermisst die Expertin noch im Beet.. Foto: Bluhm-Weinhold
Kapuzinerkresse, Pak Choi, Kohl, Kopfsalat, Porree: All das wächst an Wintergemüse in Heidi Loreys Hochbeet, beschrieben sind sie wie mehr als 30 andere im neuen Buch. Nur das Salatpflänzchen Winterportulak vermisst die Expertin noch im Beet.. Foto: Bluhm-Weinhold

„In der Gartenliteratur heißt es immer, dass ab September der Garten abgeschlossen, noch ein bisschen sauber gemacht und mit den Zwiebelpflanzen bestückt wird“, schildert Heidi Lorey. Doch das stimmt nicht: „Ich habe prächtige Radieschen im Oktober. Und im Frühjahr quäle ich mich damit, bis sie etwas werden“, sagt sie. Zwar sind die Nächte jetzt schon kühl, und auch die Feigen werden wohl nicht mehr reif werden: „Das ist das Zeichen, dass Herbst ist.“ Doch den Salat aus dem Hochbeet kann sie bis in den Dezember hinein ernten, die resistente Kapuzinerkresse blüht noch und der Pak Choi, der Chinesische Senfkohl, ist kräftig gewachsen – in Stücke geschnitten, kurz mit Öl in der Pfanne geschwenkt, mit Käse überbacken, und fertig ist ein leckeres Gericht.

Phänologische Jahreszeiten

Heidi Lorey richtet sich nicht mehr nach dem Kalender, sondern nach den phänologischen Jahreszeiten. Diesen Kalender schreiben die Pflanzen, und der besagt, dass der Vorfrühling beginnt, wenn die Haselnuss blüht und der Winter, wenn die Stiel-Eiche ihre Blätter verliert. „Es hat sich alles 14 Tage nach hinten gezogen“, so Lorey. Der Winter der Pflanzen beginnt nunmehr erst Mitte November, und er ist kürzer: Bereits Mitte Februar beginnt der Vorfrühling – also besagte Haselnuss-Blüte.

Aus ihren gärtnerischen Erlebnissen und phänologischen Beobachtungen heraus, hatte sie die Idee zum Buch, um eine Lanze zu brechen für das heimische Gemüse. Der Verlag Ulmer war Feuer und Flamme, und dass sie da offenbar einen Nerv getroffen hat auch bei den Gärtnern, das merkt sie gerade in Chat-Foren im Internet besonders am Interesse junger Leute: „Ein kleines bisschen Selbstversorgung mit selbstangebautem Gemüse macht Spaß und ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Das Gemüse ist frisch und kostet keinen Strom“, sagt sie.

40 ausführliche Portraits von Asia-Salat bis Winterrettich sowie von Wildkräutern stellen die Winterkulturen und die Ernte vor, informieren den Hobbygärtner über Frosthärte und Lagerung sowie über Gefahren für die Pflänzchen und über Fehler, die man machen kann. Nicht umsonst spricht Heidi Lorey vom „Potenzial einer vergessenen Jahreszeit“, und sie erklärt erst einmal Grundsätzliches zum Gärtnern im Winter. Dass man dabei aber Glasglocken und möglicherweise Folientunnel einsetzen kann, das hat im vom Nachhaltigkeitsgedanken geprägten Internet-Chat auch schon Stirnrunzeln hervorgerufen, wie die Autorin schildert.

Säen im August

Also doch: (Hoch-)Beet pur. Dafür aber muss der Gärtner lange bevor der Winter kommt, tätig werden. Wer im Oktober, November und später ernten will, der muss im Spätsommer und Frühherbst den Samen in die Erde bringen. Möhren zum Beispiel Anfang August. „Da war der Boden knochentrocken. Und ich wässere meinen Garten auch nicht. Aber im September, da ging das Wachstum los“, schildert Heidi Lorey. 105 bis 190 Tage benötigten Spätmöhren für das Wurzelwachstum, schreibt die Gartenbauingenieurin. Dass auch noch im Winter etwas wächst, dafür ist ihr die Gründüngung der Landwirte Beweis genug: „Wenn diese Pflanzen wachsen, dann tut es Spinat auch.“ Im Herbst sprießt das Gemüse sogar besser: Denn der Boden ist noch warm vom Sommer. Im Frühjahr müssen sich die Samen dagegen in der vom Winter ausgekühlten Erde entwickeln.

Das siebte Buch – „hoffentlich nicht das verflixte siebte Buch“, so Lorey – soll nicht das letzte bleiben. Das nächste ist schon in Arbeit. Angefangen hat die Autorenkarriere der Steinhagener Gartenexpertin 2002 mit „Tartuffli“, dem Buch über alte und heutzutage seltene Kartoffelsorten. Denn der Steinhagenerin liegt daran, heimische Sorten zu hegen und zu pflegen und zu erhalten. Das gilt für Kartoffelsorten ebenso wie für Wintergemüse. „Exoten“ nicht ausgeschlossen. Auch Pak Choi und Portulak sind schließlich eingebürgerte Pflanzen

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