Leiterin Sabine Weitzel verlässt Steinhagener Matthias-Claudius-Haus
„Hier wird gelebt und gelacht“

Steinhagen -

Sabine Weitzel, langjährige Leiterin des Matthias-Claudius-Hauses, verlässt zum Jahresende das Steinhagener Altenheim. Die 54-Jährige wird Regionalleiterin im Evangelischen Johanneswerk, zu dem auch das MCH gehört, und ist damit für mehrere Einrichtungen zuständig.

Montag, 07.12.2020, 18:31 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 18:34 Uhr
Leiterin Sabine Weitzel verlässt Steinhagener Matthias-Claudius-Haus: „Hier wird gelebt und gelacht“

 

„Mir war von Anfang klar, dass ich nicht für immer bleiben möchte“, sagt sie. Knapp drei Jahre war sie zunächst Hauswirtschaftsleiterin und wurde nach einer Traineezeit 2013 Einrichtungsleiterin. Die Nachfolgerin Katharina Schaffeld, die zum 1. Januar 2021 übernimmt, ist bereist seit dem 1. April im Matthias-Claudius-Haus – und kam damit just in die Phase des ersten Lockdowns. Corona, eine weitere Herausforderung, zusätzlich zum „normalen“ Arbeitspensum einer Heimleiterin und zusätzlich zu den außerordentlichen Aufgaben, die sie auf der Großbaustelle zu erfüllen hat. Das Matthias-Claudius-Haus wird bekanntlich derzeit umfassend umgebaut.

Im Steinhagener Altenheim scheint man die Pandemie im Griff zu haben. „Wir sind relativ abstinent“, sagt Sabine Weitzel mit Blick auf die Strukturen im Haus: „Die Wohnbereiche bleiben unter sich.“ So sind selbst so weit wie möglich die gleichen Betreuungskräfte zugeordnet. „Das Virus käme von außen nach innen“, sagt sie.

So wie es offenbar auch bei dem einzigen Covid-Fall, den es seit Anbeginn der Pandemie im MCH gibt, ihrer Meinung nach gewesen sein muss (WB vom 4. Dezember). Ein über 80-jähriger herzkranker Bewohner war in der vergangenen Woche positiv getestet worden. Ein Schnelltest war negativ, das Ergebnis des zweiten PCR-Tests stand Montag noch aus. Doch das Konzept des Altenheims scheint zu greifen: Quarantäne für den alten Herrn, Versorgung des betroffenen nur in Vollschutzanzügen, die im Zimmer an- und ausgezogen werden, separates Spülen seines Geschirrs. Dass der Bewohner stets schon FFP2-Maske trug, dass das auch alle Pflegekräfte tun, dass Maskenpflicht überall im Haus außerhalb des eigenen Wohnbereichs gilt, ist offenbar effizient. Auch Schnelltests werden regelmäßig auf Mitarbeitende und Besucher angewendet.

Indes macht sich Sabine Weitzel Gedanken über die Weihnachtsbesuche. Ohnehin stellt sich die Frage, welche Regelungen bis dahin gelten. Das Altenheim und seine Leitung stellen sich seit Monaten auf mitunter täglich wechselnde neue Vorgaben – und deren schnelle Umsetzung – ein. „Kaum ist ein Prozess in Gang gesetzt, rast schon der nächste heran“, sagt sie: „Das macht es schwierig, einen roten Faden für Mitarbeitende, Bewohner und Angehörige zu finden.“

Und die Stimmung im Haus? Im Frühjahr schwankte sie zwischen Einsamkeit, teilweise Verzweiflung und dem Gefühl, behütet zu sein. „Wir haben Kontakte durch das gekippte Fenster im Erdgeschoss, durch Videotelefonie und Videobotschaften so gut es ging ermöglicht“, so Weitzel. Doch Besucher, die sich „illegal“ einschlichen, gab es auch.

Sabine Weitzels Schwerpunkte während ihrer Leitung des MCH war zum einen die Information über Demenz. „Kidzeln“ (Kindern Demenz erklären) hieß das vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt, das generationenübergreifend sensibilisieren sollte angesichts immer höherer Zahlen dementer Menschen. Es ist inzwischen fest verankert etwa im benachbarten Kindergarten.

Der zweite Schwerpunkt ist die Quartiersentwicklung, auch da hat das Haus Pilotfunktion – das heißt intern sektorenübergreifende Pflegeangebote, die aber auch nach außen wirken. Zudem ist das Haus etwa durch Kulturangebote gut vernetzt in die Gemeinde hinein – auch wenn zurzeit Coronapause ist.

Die Zukunft der Quartiersarbeit ist zudem Thema von Sabine Weitzels Masterarbeit, die sie in den nächsten Monaten schreiben wird. Denn die Heimleiterin studiert am Institut für Diakoniemanagement Bethel-Wuppertal. Auch das gehört zur Qualifikation für die Regionalleitung.

Das MCH und Steinhagen wird sie vermissen: „Es ist ein Ort, an dem man sich lebhaft umeinander kümmert“, sagt sie mit Blick auf das Netzwerk, das enorme ehrenamtliche Engagement und ein interessiertes Umfeld. Was ihr stets wichtig war zu zeigen: „Ein Altenheim ist kein Aufbewahrungsort, wo Trübsinn herrscht. Hier wir gelebt und gelacht“, erinnert sie sich auch an Parties, die mit Bewohnern gefeiert worden sind und laut in die Nachbarschaft drangen.

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