Zahl der Anträge ist in Steinhagen um zehn Prozent gestiegen
Mehr Familien brauchen Wohngeld

Steinhagen (WB) -

Kurzarbeit, möglicherweise sogar Job-Verlust: Die Corona-Pandemie hat für viele Menschen auch in Steinhagen finanzielle Folgen. „Das merken wir etwa beim Wohngeld“, sagt Birgit Pape, Leiterin des Amtes für Generationen, Arbeit, Soziales und Integration im Steinhagener Rathaus: „Wir hatten 2020 etwa zehn Prozent mehr Anträge.“

Mittwoch, 13.01.2021, 18:27 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 21:00 Uhr
Viele Familien müssen jetzt noch spitzer rechnen: In Steinhagen ist die Zahl der Anträge auf Wohngeld in der Corona-Pandemie deutlich gestiegen.
Viele Familien müssen jetzt noch spitzer rechnen: In Steinhagen ist die Zahl der Anträge auf Wohngeld in der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Foto: dpa

Und sie wisse nicht, wie sich das weiter entwickeln werde, sagt Birgit Pape. „Das ist alles sehr vage und hängt natürlich davon ab, wie die Unternehmen in Steinhagen durch die Krise kommen“, sagt sie.

Birgit Pape weist ausdrücklich darauf hin: Nicht nur als Unterstützung für Mietzahlungen, sondern auch, um Kredite für ein Eigenheim zu leisten, könne Wohngeld beantragt werden. „Viele Hausbesitzer verbrauchen erst ihr Erspartes. Das muss man aber gar nicht.“ Das sei in diesem Fall anders als bei Hartz IV.

Dass viele Familien derzeit in Not seien, führt die Sozialamtsleiterin auch auf zwei weitere Gründe zurück: „Kurzarbeitergeld, zumal wenn es von der Firma aufgestockt wird, ist zwar für den Moment gut. Aber es muss noch versteuert werden. Und auch die zehn zusätzlichen Kinder-Betreuungstage, die gerade beschlossen worden sind, helfen zwar kurzfristig, weil Schulen und Kitas geschlossen sind. Aber sie entsprechen nicht dem Brutto, sondern der Leistung bei der Betreuung kranker Kinder.“

Was nicht gestiegen ist, das sind die Anträge auf Grundsicherung. „Das betrifft zumeist ältere Menschen“, sagt sie. Anders sehe das aus bei den Sozialhilfeleistungen, die über das Jobcenter abgewickelt werden.

Die Beratungsangebote des Amtes für Generationen, Arbeit, Soziales und Integration laufen weiter wie bisher – „nur eben telefonisch oder per Post oder E-Mail.“ Das funktioniert in Teilen auch sehr gut, etwa bei der Pflegeberatung oder bei der Wohnungsvermittlung. Es hakt aber bei der Rentenberatung, die zurückgeschraubt worden ist. Oder auch bei der Wohnraumberatung, weil Vorort-Termine nicht möglich sind.

Gut angelaufen ist das Projekt „Steinhagen hilft sich“, wo es um Einkaufshilfen und sonstige Unterstützung im Alltag geht, bereits im Frühjahr. 35 Unterstützer hatten sich damals gemeldet und 20 Haushalte, die Hilfe brauchten. „Diese Kontakte halten noch“, weiß Regina Fleer-Meyer vom Generationenbüro. Nur eine neue Anfrage habe sie bisher im zweiten Lockdown gehabt. „Ich vermute, dass die Familien das über die Feiertage selbst abgefangen haben“, so Fleer-Meyer. Sie rechnet aber wieder mit steigenden Anfragen. „Mit dem Familienzentrum und den Kirchengemeinde haben wir jetzt noch eine Video-Konferenz, weil wir Bedarfe abstimmen wollen“, sagt sie.

Entspannt ist die Situation im Bereich der Asylbewerber – sowohl bei den Leistungen als auch bei der Unterbringung. „Wer Arbeit hatte, der hat sie auch behalten. Selbst in den Zeitarbeitsfirmen“, so Pape. Weggebrochen seien zum Teil aber Nebenjobs.

In den Übergangsheimen sei derzeit genug Platz, dass eine Einzelzimmerbelegung möglich sei. „Wir haben aber noch eine Aufnahmeverpflichtung“, sagt Birgit Pape und weist auf die Erfüllungsquote der Gemeinde hin, die derzeit bei 81,64 Prozent liegt.

Vom Virus verschon sind die Unterkünfte. Bislang habe es nur einen positiv getesteten Mann gegeben. Ihn und seine Frau hatte man schnell in dem für Quarantäne vorbehaltenen Teil der Einrichtung Am Cronsbach unterbringen können. Vorsorglich wegen eines Schulkontakts hatte sich eine Flüchtlingsfamilie mit eigener Wohnung in Isolation begeben müssen.

Was Birgit Pape fehlt, sind die Kontakte: „Das Kaffeetrinken für pflegende Angehörige wird es auch in diesem März nicht geben“, sagt sie: „Aber man kann nicht alles auf die Zeit nach Corona verschieben.“ So denkt man im Sozialamt auch über andere Formate nach: Podcats, Online-Meetings oder auch Telefongespräche – „Hauptsache man kann den Kontakt halten.“

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