Mario Lüddemann aus Verl trainiert Teilnehmer der ersten deutschen Börsenmeisterschaft
Unter Druck leidet die Strategie

Verl (WB). Mit dem Auf und Ab an der Börse kennt sich Mario Lüddemann aus. Seit 16 Jahren arbeitet der Verler als privater Händler. Der 48-Jährige hat sogar so viel Erfahrung im sogenannten Daytrading, dass er anderen Tipps gibt – als Coach bei der ersten deutschen Börsenmeisterschaft.

Donnerstag, 25.09.2014, 11:23 Uhr
Mario Lüddemann aus Verl trainiert Teilnehmer der ersten deutschen Börsenmeisterschaft : Unter Druck leidet die Strategie
Als privater Börsenhändler verdient der Verler Mario Lüddemann sein Geld mit Aktienhandel. Dazu verfolgt er täglich die Kurvenverläufe von Aktien an mehreren Bildschirmen. Sein Wissen gibt der 48-Jährige jetzt bei der deutschen Börsenmeisterschaft weiter. Foto: Rajkumar Mukherjee

Das Börsenspiel, initiiert von der Aktionärsbank, findet im Internet statt. Mit einem virtuellen Depot können Teilnehmer Punkte sammeln und bis zu 50.000 Euro gewinnen. Nach der Vorrunde wird Lüddemann als Coach im November bei der »World of Trading«-Messe in Frankfurt einem von insgesamt 16 Gewinnern aus jedem Bundesland zugelost. Drei Wochen erklärt er, wie man als Händler Kurvenverläufe von Aktien auswertet. Die Siegerehrung findet anschließend im Dezember an der Frankfurter Börse statt.

Ob virtuell oder real – Wertpapierhandel hat mit Psychologie zu tun, sagt Lüddemann: »90 Prozent verlieren an der Börse, weil sie nicht mit Verlusten umgehen können.« Ein Problem für Anleger sei, dass sie unter Druck ihre Strategie wechseln und somit mögliche Kursersteigerungen nicht mitnehmen können.

Börsenhobby startet mit Volksaktien

Wissen in Finanzmathematik bringt Lüddemann aus seiner früheren Tätigkeit als Versicherungsmakler mit. Wegen eines Bandscheibenvorfalls musste er den Beruf aufgeben und besann sich seines Hobbys, das in der Boomphase deutscher »Volksaktien« begann. »Meine ersten Telekomaktien habe ich 1996 gekauft und dann mehr Geld mit dem Trading verdient«, erinnert er sich.

Schätzungsweise 1000 berufliche Daytrader gibt es in Deutschland, sagt Lüddemann. Seit er dazugehört, beurteilt er täglich Kurvenverläufe und Trends. Dabei muss er bei jedem Handel entscheiden, wann für bestimmte Werte der beste Zeitpunkt zum Kauf oder Verkauf ist. Steigt der Wert innerhalb dieser Zeitspanne, erzielt Lüddemann einen Gewinn. Derzeit macht er etwa 2500 Trades im Jahr. Angepasst an die Handelszeiten auf dem Parkett in Frankfurt, arbeitet er von 8.30 bis 17.30 Uhr, beobachtet nachmittags den US-Markt. Dazu stehen auf seinem Schreibtisch im Dachgeschoss gleich fünf Bildschirme, um keine Information zu verpassen. »Die Käufe gehen in Sekunden um die Welt, da mein Broker in den USA sitzt«, erklärt Lüddemann.

Investitionslimit: ein Prozent

Angefangen hat er 1998 mit einem Handelskapital von 5000 Mark. Aus dieser Zeit stammt sein Limit: Ich investiere an jedem Arbeitstag ein Prozent«, sagt er. Insgesamt konnte er sein Handelskapital in 16 Jahren 250-mal steigern. Verluste machte er hingegen 2001 mit dem Zusammenbruch des »Neuen Marktes«, bei dem er 100 000 Euro verlor. Daher sei es wichtig, sich selbst immer wieder »zu erden«. Dabei hilft ihm seine Familie, mit Ehefrau Anke und den beiden Söhnen.

Viel verspricht der Markt derzeit, etwa mit der Milliarden schweren Aktienausgabe des chinesischen Medienkonzerns »Alibaba«. »Aber wie rechtfertigt man den Wert dieses Unternehmens?«, fragt Lüddemann kritisch. Aktientipps gibt er übrigens keine. »Oft werde ich im Urlaub gefragt. Aber da halte ich lieber zurück«, sagt Mario Lüddemann.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2766043?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F
„Etliche von uns sind kurz vor dem Burn-out“
In Hausarztpraxen haben die Mitarbeiter aktuell nicht nur viel Stress. Manchmal werden sie auch beleidigt und bedroht. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker