Gut ein Jahr im Amt: Tanja Heinemann kämpft für guten Ruf der Gesamtschule Verl
Eine Überzeugungstäterin

Verl (WB/keig). Vor gut einem Jahr hat sie die Gesamtschule Verl als Leiterin übernommen. Es ist kein Geheimnis, dass es nicht wirklich rund lief bis zu diesem Zeitpunkt. Tanja Heinemann hat die Ärmel hochgekrempelt. Ihre Ziele steckt sie hoch: »Ich will, dass das hier eine Schule wird, die in Verl nicht mehr wegzudenken ist.« Gegenüber dieser Zeitung zieht sie eine Jahresbilanz.

Freitag, 13.10.2017, 06:00 Uhr aktualisiert: 14.10.2017, 20:21 Uhr
Tanja Heinemann leitet seit gut einem Jahr die Gesamtschule Verl (763 Schüler und 68 Lehrer). Zuvor war sie stellvertretende Leiterin der Gesamtschule Salzkotten. Sie hat Deutsch und Englisch für Sekundarstufe I und II studiert, später noch »Darstellen und Gestalten«. Foto: Kerstin Eigendorf
Tanja Heinemann leitet seit gut einem Jahr die Gesamtschule Verl (763 Schüler und 68 Lehrer). Zuvor war sie stellvertretende Leiterin der Gesamtschule Salzkotten. Sie hat Deutsch und Englisch für Sekundarstufe I und II studiert, später noch »Darstellen und Gestalten«. Foto: Kerstin Eigendorf

 

Wer mit ihr spricht, merkt sofort: Das ist eine Überzeugungstäterin. »Qualität« ist eines der Wörter, das ihr locker, aber bestimmt immer wieder über die Lippen kommt, wenn es um ihre Vorstellung von Schule geht. Sie ist stolz darauf, dass ihre Achtklässler bei der Lernstandserhebung »überdurchschnittlich abgeschnitten haben in allen Fächern«. Nicht ohne zu vergessen, wem sie das zu verdanken hat. »Das ist ein gutes Zeichen für die Arbeit der Kollegen«, betont die Teamplayerin. Alles stehe und falle mit einer guten Zusammenarbeit zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. Diese habe sich in dem vergangenen Jahr deutlich verbessert, sei mittlerweile selbstverständlich.

Die 42-jährige Paderbornerin macht sich nichts vor. Sie kennt die Vorurteile gegenüber Gesamtschulen. Und sie kämpft mit Leidenschaft gegen sie an. »Es wird immer so getan, als seien die guten Schüler am Gymnasium und der Rest kommt zu uns«, sagt die zweifache Mutter. Das sei aber Quatsch. »Die Bezirksregierung hat Schüler aus achten und neunten Klassen gezielt angefragt im Zuge eines Begabungsforums. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass wir viele sehr gute Schüler haben.«

Beim Stichwort Qualität wird sie sehr deutlich: »Mich ärgert es, dass es oft heißt, das Abitur am Gymnasium sei höher gestellt als das bei uns – wie ein Abitur zweiter Klasse. Es gibt kein Abitur A oder B. Es ist das gleiche Abitur unter gleichen Bedingungen mit dem gleichen Abschluss.« Der Unterschied an einer Gesamtschule im Vergleich zum Gymnasium sei vor allem, dass »wir alle Kinder – egal unter welchen Startvoraussetzungen – optimal fördern wollen, auch die, die kein Abitur machen wollen«. Zahlreiche ihrer Schüler strebten eine Facharbeiter-Ausbildung an.

Die Schulleiterin, die auch schon an einem Gymnasium un­terrichtet hat, weiß, dass es viele Eltern gibt, die ihre leistungsstarken Kinder nicht auf eine Gesamtschule schicken, weil sie Angst haben, dass sie von den Schwächeren runtergezogen werden. Sie ist ehrlich, gibt zu, dass es ein Spagat ist, gute und weniger gute Schüler in Einklang zu bringen. »Aber das gelingt.« Das liege am System Gesamtschule. »Das ist darauf ausgelegt, zu differenzieren.« Als Beispiel nennt sie den »Wahl-Pflicht-Bereich«. Dieser ist im vergangenen Jahr stark ausgebaut worden. In der sechsten Klasse können die Schüler unter anderem Fächer wählen wie »Darstellen und Gestalten« – eine Mischung aus Theater, musischen Elementen gepaart mit dem Thema Sozialkompetenz – oder »Arbeitslehre« mit Technik und Hauswirtschaft oder »Naturwissenschaften« als Kombination aus Physik, Chemie und Biologie.

Die Liste der im vergangenen Jahr ausgebauten oder neu geschaffenen Angebote ist lang – vom Ganztagsbereich an drei Tagen plus einem freiwilligen Tag bis hin zur regionalen Verankerung. »Wir sind eine Verler Schule und so verstehen wir uns auch«, betont sie. Dazu gehören auch Kooperationsverträge mit Firmen wie Nobilia und Beckhoff sowie anderen Institutionen wie DRK, TV Verl oder der Uni Bielefeld.

Der schwierige Start der 2013 gegründeten Gesamtschule haftet ihr bis heute an. »Es heißt immer noch, dass wir nicht strukturiert seien. Dabei ist das überholt«, sagt sie. Dass manche Fächer im Aufbauprozess nicht direkt angeboten werden konnten, sei normal. »Aber mittlerweile sind wir zum Beispiel die einzige Schule in Verl, die Spanisch anbietet«, ist sie sichtlich stolz. Dennoch bleibe das Grundproblem erhalten: Dass man als noch nicht fertige Schule wahrgenommen werde. »Das wird sich sicher legen, wenn die Stufe 13 da ist.« Aktuell ist die Schule in Stufe neun angekommen.

Wer bei Anfang 40, Schulleiterin und schnelle Karriere gleich denkt, Tanja Heinemann nutze Verl nur als Sprungbrett, bekommt eine klare Antwort: »Meine Silberhochzeit an dieser Schule werde ich bestimmt feiern.« Dementsprechend viele Pläne hat sie. Was über alle dem steht, weiß Heinemann: »Ziel ist es, eine gute Schule zu haben.«

Junge Führungsspitze

Zwischen Sommer 2016 und April dieses Jahres ist die Position der stellvertretenden Schulleitung nicht besetzt gewesen. Seit dem Frühjahr ist Matthias Geukes im Amt. Der 40-Jährige ist vor allem für den Stundenplan und die Organisation der Schule verantwortlich. Seine Vorgängerin verließ die Gesamtschule in Richtung Mecklenburg-Vorpommern.

Der Vater zweier Mädchen lebt in Bielefeld, ist verheiratet und hat Mathematik und Technik für Sekundarstufe I studiert. Bevor er an die Gesamtschule Verl wechselte, war er seit Sommer 2014 kommissarischer Leiter der Peter-Korschak-Hauptschule in Halle. Während diese im Sommer 2019 auslaufen wird, prägt er nun den Aufbau der neu gegründeten Gesamtschule in Verl maßgeblich mit. Besonders wichtig ist ihm dabei »eine offene Kommunikationsstruktur«.

Einigen wird der dynamische Pädagoge vor allem aus dem sportlichen Bereich als Handballer bekannt sein. Er war lange sportlicher Leiter der TSG Altenhagen-Heepen.

 

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