So., 04.02.2018

Gesamtschule Verl bildet Streitschlichter aus Helfen statt wegschauen

Üben die Streitschlichtung: Marit Wallenstein (vorne links) und Mia Hohmann (vorne rechts) nehmen die Rolle der Schlichter ein, während (hinten von links) Laura Marie Uffmann, Larissa Baier und Luana Reiscampos die Streitenden spielen.

Üben die Streitschlichtung: Marit Wallenstein (vorne links) und Mia Hohmann (vorne rechts) nehmen die Rolle der Schlichter ein, während (hinten von links) Laura Marie Uffmann, Larissa Baier und Luana Reiscampos die Streitenden spielen. Foto: Kerstin Eigendorf

Von Kerstin Eigendorf

Verl (WB). In null Komma nix sind sie auf 180, werfen sich Argumente an den Kopf und diskutieren sich die Köpfe heiß. Larissa Baier (13) und Laura Marie Uffmann (14) sind in ihrem Element. Noch ist es ein Rollenspiel, eine Übung. Doch bald werden die Streitschlichter echte Fälle vor sich haben.

»Mir macht es Spaß, anderen zu helfen«, »Ich bin sozial, will auch beruflich in diese Richtung gehen«, »Wenn man Fünftklässler streiten sieht, tut mir das leid und als Schlichter kann man helfen«: Die Beweggründe, weshalb die Schülerinnen sich zu Streitschlichtern ausbilden lassen, ist lang.

Kooperation mit »Arbeit und Leben Bielefeld«

In den vergangenen Wochen haben sie vor allem gelernt, sich selbst zu beobachten. »Im Gespräch offen sein, Vertrauen schaffen, das ist das Wichtigste«, sagt Fachlehrerin Natalia Paris, die die Streitschlichter im Erweiterungsunterricht »Soziales und Pädagogik« betreut.

Außerdem kooperiert die Gesamtschule mit der Bildungseinrichtung »Arbeit und Leben Bielefeld«. Die Streitschlichter haben gelernt, dass vermeintliche Kleinigkeiten oft entscheidend sind. Augenkontakt, keine verschränkten Arme, sich dem Gegenüber zuwenden, gerade sitzen.

»Was sich so einfach anhört, haben wir in Rollenspielen zu Konfliktsituationen geübt«, erzählt Paris. Dabei sei es wichtig, als Schlichter eine aktive Rolle mit viel Einfühlungsvermögen einzunehmen, aber dennoch objektiv zu sein.

Um Mobbingfälle kümmern sich die Lehrer

Die Zielgruppe sind vor allem die jüngeren Schüler. »Wir können bei vielem helfen – vom Schubsen auf dem Schulhof bis hin zu länger schwelenden Konflikten«, sagt Streitschlichterin Marit Wallenstein. Die 14-Jährige weiß aber genau, wo ihre Grenzen liegen. »Mobbingfälle sind davon ausgenommen. Da stoßen wir an unsere Grenzen und geben solche Fälle an die Experten, also die Lehrer, weiter«, sagt sie.

Bei der Schlichtung gibt es klare Regeln. Es sind immer zwei Streitschlichter beim Gespräch mit den Streitenden dabei, und die Beteiligten finden die Lösung, nicht der Streitschlichter. »Das ist gar nicht so einfach, es passiert ganz schnell, dass man eine Lösung vorgeben möchte oder selbst bewertet«, sagt Schlichterin Laura Marie Uffmann. Doch das Ziel sei es, dass die Streitenden selbst eine Lösung sowie klare Regeln für das weitere Verhalten und Termine für weitere Treffen in einem Vertrag formulierten.

Es wird einen Schlichterraum geben

Nach der Theoriephase steigen die Schülerinnen im zweiten Halbjahr in die Praxisphase ein. Für die Beratung ist eine Dreiviertelstunde in der einstündigen Mittagspause vorgesehen. Es soll einen eigenen Streitschlichterraum geben. »Der soll anderes aussehen als ein Klassenraum«, sagt Luana Reiscampos (13). So soll eine entspannte Atmosphäre geschaffen werden.

Und dann kann das losgehen, was sich Schulleiterin Tanja Heinemann wünscht: »Ein soziales Miteinander in einer Schule ist das oberste Ziel. Die Streitschlichter sind ein Erfolgskonzept, bei dem das besonders Schöne ist, dass Schüler für Schüler aktiv sind.«

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