Do., 29.03.2018

Tatort Bücherei: Workshop fasziniert junge Schnüffler Lernen vom echten Detektiv

Von Kerstin Eigendorf

Verl (WB). Der Tatort ist mit Absperrband gesichert, das Brecheisen hat der Täter ebenso liegen gelassen wie die Strumpfmaske. Ruck, zuck springen die Nachwuchsdetektive in den Spurensicherungsanzug und los geht die Verbrecherjagd – Asservatentütchen immer griffbereit.

Angeleitet werden die Junior-Detektive vom hessischen Sherlock Holmes. Alexander Schrumpf aus Wiesbaden führt die Detektei Adler und jagt seit Jahrzehnten Bösewichte unterschiedlichster Art – vom untreuen Ehemann bis hin zum kriminellen Mitarbeiter. Und gleich zu Beginn räumt er mit einem Vorurteil auf: »Wenn ­Waffen und Gewalt im Spiel sind, ist das kein Fall für einen Detektiv, sondern für die Polizei.«

Mord und Totschlag gab es also nicht an diesem Nachmittag in der Verler Bibliothek. Dafür aber viele spannende Geschichten aus dem Alltag eines Detektivs, der seine Ausbildung bei der »Zentralstelle zur Ausbildung im Detektivgewerbe« gemacht und mittlerweile 2200 Fälle gelöst hat.

Fasziniert lauschen die Kinder, als Schrumpf erzählt, wie er eine Diebin überführt hat. »Wir haben ihr eine Diebesfalle gestellt«, erzählt der 43-Jährige, der im zehnten Jahr in die Verler Bibliothek kommt. »Wir haben einen Geldschein in einem Portemonaiie mit Silbernitrat versehen und die Täterin ist in die Falle getappt.« So habe er sie überführen können anhand der Markierungen an ihren Fingern. Im Anschluss dürfen die Teilnehmer selber Spuren sichern.

Schrumpf arbeitet heute fast nur noch für Firmen. »Das fängt beim klassischen Blaumacher oder einem Außendienstmitarbeiter an, der verbotenerweise einen eigenen Kundenstamm am Unternehmen vorbei betreut und geht bis hin zu Wirtschaftsspionage«, erzählt er. Manchmal wird er auch in Firmen eingeschleust und recherchiert undercover. »Ich habe in einem Fall zwei Monate lang Atemgeräte gereinigt, um einem Täter auf die Spur zu kommen.«

Als Schrumpf dann auch noch zeigt, wie man eine eigene Geheimschrift kreieren kann, sind die 19 Teilnehmer hin und weg. »Detektiv sein ist spannend, weil man heimlich Menschen beobachten und was Geheimes machen kann«, sagt Miya Pauline Armbruster (9). Und Mila Neitzel (10) freut sich, dass sie heute noch viel mehr machen kann als ihr Detektivkoffer zu Hause hergibt.

Was die Kinder – auch die Jüngerern beim Vortrag vormittags in der Bibliothek – am meisten in den Bann zieht, weiß Schrumpf genau: »Der echte Detektiv ist da, kein erfundener. Das beeindruckt die Kinder. Keiner, der sich was ausdenkt, sondern einer, der richtige Verbrecher geschnappt hat.«

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